100 Tage bis zur WM 2026: Sicherheitsbedenken überschatten den Countdown
Noch genau 100 Tage verbleiben bis zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft 2026, die erstmals in drei Ländern – Mexiko, den USA und Kanada – ausgetragen wird. Am 11. Juni eröffnet Co-Gastgeber Mexiko im legendären Aztekenstadion von Mexiko-Stadt das XXL-Turnier gegen Südafrika. Doch während der Countdown läuft, werden die Vorbereitungen von zahlreichen Sicherheitsbedenken überschattet. Gleichzeitig verzeichnet der Ticketverkauf einen bemerkenswerten Boom trotz der politischen und sozialen Spannungen in den Gastgeberregionen.
Geopolitische Spannungen: Die Iran-Frage
Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten wirft ernste Fragen über die Teilnahme des Iran an der Weltmeisterschaft auf. FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström betonte zwar, dass der Weltverband die Situation „beobachte“ und oberste Priorität ein sicherer Turnierablauf bleibe, bei dem alle qualifizierten Mannschaften antreten könnten. Dennoch äußerte der iranische Fußballpräsident Mehdi Taj deutliche Zweifel: „Sicher ist, dass nach diesem Angriff nicht zu erwarten ist, dass wir hoffnungsvoll auf die WM blicken.“
Der Iran soll in den USA in einer Gruppe mit Belgien, Neuseeland und Ägypten spielen. Bereits die Auslosung der Vorrundengruppen hatte der Iran boykottiert, nachdem die US-Regierung drei Funktionären Einreisevisa verweigert haben soll. Sollte der Iran zurückziehen, drohen erhebliche finanzielle Konsequenzen: Bei einem Rückzug spätestens 30 Tage vor dem ersten Spiel verhängt das FIFA-Disziplinarkomitee eine Geldstrafe von mindestens 250.000 Schweizer Franken (etwa 275.000 Euro). Erfolgt der Rückzug später, erhöht sich die Mindeststrafe auf 500.000 Schweizer Franken (etwa 550.000 Euro). Zusätzlich müsste der Iran sämtliche von der FIFA erhaltenen Gelder zurückzahlen.
Sicherheitslage in Mexiko: Unruhen nach Drogenboss-Tod
In Mexiko sorgen gewaltsame Unruhen für Besorgnis unter potenziellen WM-Besuchern. Nach dem Tod des Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als „El Mencho“, kam es in mehreren mexikanischen Bundesstaaten zu Straßensperren und Gewaltausbrüchen. Auch der Bundesstaat Jalisco war betroffen, dessen Hauptstadt Guadalajara einer der WM-Spielorte ist. Trotz dieser Entwicklungen hat Präsidentin Claudia Sheinbaum eine Sicherheitsgarantie für alle WM-Fans abgegeben. FIFA-Präsident Gianni Infantino unterstützte diese Zusicherung mit den Worten: „Wir haben vollstes Vertrauen in Mexiko.“
In Mexiko werden insgesamt 13 Spiele in drei Städten ausgetragen:
- Mexiko-Stadt (Eröffnungsspiel)
- Guadalajara (u.a. mit Europameister Spanien, Mexiko und Südkorea)
- Monterrey
Bereits Ende März und Anfang April sind in Guadalajara und Monterrey jeweils zwei internationale Playoff-Partien zur Ermittlung der letzten beiden WM-Teilnehmer geplant.
Finanzielle Herausforderungen in den USA
Während das deutsche Nationalteam fast alle seine Partien in den USA absolvieren wird, drohen auch dort erhebliche organisatorische Probleme. Lokale Verantwortliche an den elf US-Gastgeberstätten warnen vor den Konsequenzen einer teilweisen Haushaltssperre. Demnach fehlen Bundesmittel im hohen dreistelligen Millionenbereich, was die Sicherheit und Organisation der WM gefährden könnte.
Ray Martinez, operativer Geschäftsführer des WM-Organisationskomitees in Miami, machte die Dringlichkeit deutlich: „Miami benötigt etwa bis Ende März 70 Millionen US-Dollar, sonst müssten Veranstaltungen wie das Fan-Fest abgesagt werden.“ Auch Joseph Mabin, stellvertretender Polizeichef von Kansas City, äußerte Bedenken: „Es könnte infolge der ausbleibenden Gelder nicht genügend Personal geben, um während der Endrunde für Sicherheit zu sorgen.“
Ticketverfügbarkeit und DFB-Vorbereitungen
Trotz aller Unsicherheiten verzeichnet der Ticketverkauf einen enormen Zulauf. Die FIFA vermeldete bereits zu Jahresbeginn über 500 Millionen Ticketanfragen. Eine vierte Verkaufsphase ist für spätestens April geplant, obwohl die teils hohen Preise viele Fans nicht abzuschrecken scheinen.
Bundestrainer Julian Nagelsmann will seinen WM-Kader voraussichtlich in den Tagen vor dem letzten Bundesliga-Spieltag bekanntgeben. Seit der WM 2022 liegt die Kadergrenze bei 26 Spielern. Die deutsche Mannschaft startet am 14. Juni in Houston gegen WM-Debütant Curaçao ins Turnier, gefolgt von Partien gegen die Elfenbeinküste am 20. Juni in Toronto und gegen Ecuador am 25. Juni in East Rutherford. Vor der WM absolviert das DFB-Team noch vier Testspiele.
Boykottdebatte: Politische Spannungen
Eine Boykottdebatte gewinnt zwar an Aufmerksamkeit, bleibt jedoch äußerst unrealistisch. Auslöser sind Spannungen zwischen den USA und europäischen NATO-Staaten, insbesondere wegen Besitzansprüchen von Präsident Donald Trump auf Grönland und dem teils brutalen Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten. Die Bundesregierung weist solche Forderungen jedoch klar zurück. Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein betonte: „Der Sport darf dafür nicht instrumentalisiert werden.“ DFB-Sportdirektor Rudi Völler bezeichnete die Debatte als „sinnlos“.
Insgesamt zeigt sich: Während die organisatorischen und sicherheitsrelevanten Herausforderungen beträchtlich sind, laufen die sportlichen Vorbereitungen auf Hochtouren. Die nächsten 100 Tage werden entscheidend sein, ob die erste Dreiländer-WM der Geschichte trotz aller Widrigkeiten zu einem sicheren und erfolgreichen Fußballfest wird.



