Portugals WM-Traum ist geplatzt. Mit dem 0:1 gegen Spanien im Achtelfinale endete nicht nur die Turnierteilnahme, sondern auch die Ära von Cristiano Ronaldo in der Nationalmannschaft. Der 41-Jährige verließ den Platz in Tränen – ein Abschied, der seiner großen Karriere nicht gerecht wird, wie ein Kommentar von Julian Graeber analysiert.
Ronaldos Rekordjagd und sportlicher Niedergang
Ronaldo, geboren auf Madeira, polarisierte stets. Von seinen Anfängen bei Sporting Lissabon mit blonden Löckchen und unzähligen Übersteigern bis zum Champions-League-Dominator bei Real Madrid. Außersportliche Themen wie die Vergewaltigungsvorwürfe von 2009, von denen er freigesprochen wurde, begleiteten ihn. Doch über den größten Teil seiner Karriere war er ein herausragender Fußballer – einer der besten Stürmer der Geschichte. Die Betonung liegt auf „war“, denn seine besten Zeiten sind lange vorbei.
Bei dieser WM erzielte Ronaldo drei Tore: zwei gegen Usbekistan, einen Elfmeter gegen Kroatien. Damit stellte er einen Rekord auf: Noch nie traf ein Spieler bei sechs Weltmeisterschaften. Nicht einmal Lionel Messi. Doch während Messi Argentinien im hohen Alter noch anführt, ist Ronaldo für Portugal sportlich eine Last.
Das Achtelfinale als Sinnbild
Das 0:1 gegen Spanien verdeutlichte dies. In 90 Minuten hatte Ronaldo nur 19 Ballaktionen – die wenigsten aller Feldspieler. Er wirkte isoliert, in der zweiten Hälfte körperlich erledigt. Trainer Roberto Martínez wechselte ihn nicht aus, obwohl mit Gonçalo Ramos ein guter Stürmer auf der Bank saß. Ronaldo verließ den Platz nach dem Aus mit Tränen. Ob er auf Vereinsebene weitermacht, ist offen. Ein großes Nationalmannschaftsturnier wird der 41-Jährige nicht mehr spielen.
So seltsam es klingt: Das ist ein Segen für Portugal. Ronaldo war schon seit Jahren ein Problem – nicht nur wegen seiner Persönlichkeit. Der Umgang mit alternden Superstars ist für jede Mannschaft ein Drahtseilakt. Aus sportlichen Gründen hätte Martínez Ronaldo nicht nominieren oder in die Startelf stellen dürfen. Doch solch ein Denkmal auszusortieren, erfordert Mut und Rückhalt. Oder einen Star, der akzeptiert, dass er nicht mehr der Alte ist und in die zweite Reihe tritt. Bei Ronaldo unvorstellbar – so musste er die Bühne auf eine Art verlassen, die seiner Karriere nicht angemessen war.



