Kurz vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA muss Bundestrainer Julian Nagelsmann einen schweren personellen Rückschlag hinnehmen. Der 18-jährige Offensivspieler Lennart Karl vom FC Bayern München wird nicht am Turnier teilnehmen können. Der talentierte Jungstar zog sich im Abschlusstraining vor dem letzten Testspiel gegen die USA einen Muskelbündelriss im linken vorderen Oberschenkel zu, wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach einer Untersuchung in einem Krankenhaus mitteilte.
Verletzung im Abschlusstraining
Karl, der mit seiner Leichtigkeit und Unbekümmertheit als möglicher X-Faktor im deutschen Team galt, erlitt die Verletzung während der finalen Trainingseinheit in Chicago. Das Testspiel gegen den Mitgastgeber USA ist für diesen Samstag um 20.30 Uhr angesetzt und wird von RTL übertragen. Der 18-Jährige, der erst im März sein Debüt in der A-Nationalmannschaft gefeiert hatte, sollte das deutsche Spiel mitprägen. Nun muss er das Turnier verpassen, was Nagelsmann als großen Schock bezeichnete.
Nagelsmann nominiert Ouédraogo nach
Der Bundestrainer reagierte umgehend auf die Diagnose und nominierte Assan Ouédraogo von RB Leipzig als Ersatz für Karl in den 26-köpfigen WM-Kader. Der 20-jährige Mittelfeldspieler hatte im November beim 6:0-Sieg gegen die Slowakei sein Länderspieldebüt gefeiert und dabei gleich ein Tor erzielt. Ouédraogo wird in den kommenden Tagen ins WM-Quartier nach Winston-Salem reisen, um sich der Mannschaft anzuschließen. Nagelsmann zeigte sich in der Pressekonferenz sichtlich betroffen und sagte: „Es tut mir wahnsinnig leid für Lenny. Er hat mit seiner Unbekümmertheit, seinem Spielwitz, seinem Tempo und als Typ super in die Mannschaft gepasst. Es ist für ihn und uns alle ein großer Schock, dass er die WM verpasst. Es ist nur ein kleiner Trost, dass er jung ist und noch viele Turniere vor sich hat. Wir hätten ihn sehr gerne im Team gehabt.“
Schon der zweite Ausfall eines Bayern-Profis
Bereits zuvor hatte mit Serge Gnabry ein weiterer Bayern-Profi wegen einer Muskelsehnenverletzung seine WM-Teilnahme absagen müssen. Die Verletzung von Karl erinnert an das Schicksal von Marco Reus vor der WM 2014. Der ehemalige Dortmunder zog sich im letzten Test vor dem Abflug nach Brasilien eine Knöchelverletzung zu und verpasste den späteren WM-Triumph. Karl erwischte es nun einen Tag vor der Generalprobe, jedoch bereits im Gastgeberland.
Karl gab am 27. März sein Debüt in der A-Nationalmannschaft beim 4:3-Sieg in der Schweiz. Drei Tage später wurde er beim 2:1 gegen Ghana eingewechselt. Beim 4:0 gegen Finnland stand er erstmals in der Startelf und überzeugte im offensiven Mittelfeld mit einer starken Leistung. Er galt als klare Option für die Startelf auch gegen das US-Team.
Ouédraogo als Nachrücker
„Mit Assan Ouédraogo bekommen wir nun einen Spieler dazu, der ähnlich wie Lenny einen klasse Einstand bei uns hatte“, sagte Nagelsmann über den U17-Welt- und Europameister von 2023. Er sei ebenfalls hochtalentiert und solle mutig und unbeschwert aufspielen. Der Leipziger hatte sich nach seinem DFB-Debüt eine Knieverletzung zugezogen und erst vor zwei Monaten sein Comeback gegeben. Der DFB hofft nun, dass Ouédraogo schnell ins Team findet und die entstandene Lücke schließen kann.
Die deutsche Nationalmannschaft bereitet sich intensiv auf die WM vor, die in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet. Der Ausfall von Karl ist ein herber Rückschlag, doch Nagelsmann vertraut auf die Qualität des nachnominierten Spielers. Die Mannschaft wird sich in den kommenden Tagen in Winston-Salem weiter auf das Turnier vorbereiten.



