Niederländische Elftal scheitert frühzeitig
Nach der deutschen Nationalmannschaft hat mit den Niederlanden die nächste europäische Top-Nation die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 vorzeitig verlassen. Das Team von Bondscoach Ronald Koeman unterlag im Sechzehntelfinale Marokko mit 2:3 (1:1, 1:1, 0:0) im Elfmeterschießen und schied damit wie die DFB-Elf in der K.-o.-Runde aus. Vor 51.243 Zuschauern im Estadio BBVA in Monterrey, Mexiko, verwandelte Ismael Saibari den entscheidenden Strafstoß für die Nordafrikaner.
Gakpos emotionale Führung
Die Niederlande waren bereits auf der Siegerstraße, als Cody Gakpo in der 72. Minute die Führung erzielte. Der Angreifer des FC Liverpool, der wenige Tage zuvor öffentlich gemacht hatte, dass sein zweiter Sohn während der Schwangerschaft seiner Freundin gestorben war, traf nach einer Vorlage von Crysencio Summerville. Nach seinem Tor sank Gakpo zu Boden und brach in Tränen aus. Die gesamte Mannschaft bildete eine Traube um den 27-Jährigen, der beim Aufstehen das Trikot über sein Gesicht zog und anschließend mit dem Finger gen Himmel zeigte. Es war Gakpos neunter Treffer bei einer Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft; nur Dennis Bergkamp hat mehr Tore für die Niederlande bei großen Turnieren erzielt.
Marokkos späte Rettung und Elfmeterdrama
Als alles auf einen niederländischen Sieg hindeutete, gelang Marokko in der Nachspielzeit der Ausgleich. Issa Diop köpfte in der 90.+1 Minute zum 1:1 und rettete die Afrika-Meister in die Verlängerung. In der Verlängerung hatten die Marokkaner die besseren Chancen, doch Torhüter Bart Verbruggen parierte glänzend gegen Soufiane Rahimi (90.+7). Im anschließenden Elfmeterschießen behielten die Nordafrikaner die Nerven: Saibari verwandelte den entscheidenden Elfmeter zum 3:2-Endstand.
Koemans taktische Umstellung
Bondscoach Ronald Koeman hatte sein Team nach der erfolgreichen Vorrunde mit zwei Siegen und einem Remis überraschend umgestellt und auf ein 3-5-2-System gesetzt. Tijjani Reijnders von Manchester City musste auf die Bank, Micky van de Ven kehrte in die Startelf zurück. Gakpo stand trotz seiner persönlichen Tragödie in der Anfangsformation. Koeman sagte dazu: „Es war eine sehr traurige Nachricht. Wir haben das getan, was in unserer Macht stand, um ihn zu unterstützen.“ Er habe großen Respekt davor, dass Gakpo bei der Mannschaft geblieben sei: „Das zeigt, was ihm die Elftal bedeutet.“
Marokko als starker Gegner
Marokko, das vor vier Jahren in Katar als erstes afrikanisches Team überhaupt ein WM-Halbfinale erreicht hatte, zeigte von Beginn an eine starke Leistung. In der hektischen Atmosphäre von Monterrey hatten die Nordafrikaner die besseren Chancen im ersten Durchgang: Neil El Aynaoui scheiterte per Kopf an Verbruggen (20.), eine Minute später war der Oranje-Keeper gegen Achraf Hakimi zur Stelle. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte kam Saibari im Strafraum einen Schritt zu spät. Auch nach der Pause blieb Marokko gefährlich. Die Mannschaft um PSG-Superstar Hakimi hatte bereits zum WM-Auftakt Brasilien beim 1:1-Unentschieden an den Rand einer Niederlage gebracht.
Ausblick: Marokko trifft auf Kanada
Durch den Sieg im Elfmeterschießen steht Marokko nun im Achtelfinale und trifft am Samstag in Houston auf Kanada. Für die Niederlande endet die WM damit wie für Deutschland bereits in der ersten K.-o.-Runde – ein enttäuschendes Ergebnis für eine der europäischen Top-Nationen.



