Imke Wübbenhorst prophezeit Normalität für Trainerinnen in der Bundesliga
Nach der historischen Beförderung von Marie-Louise Eta zur Trainerin bei Union Berlin erwartet Fußballpionierin Imke Wübbenhorst einen nachhaltigen Wandel im Bundesliga-Business. Die 37-jährige Trainerin, die selbst als eine der ersten Frauen im Männerfußball für Aufsehen sorgte, ist überzeugt: „Dass Frauen im Männerfußball arbeiten, wird nach und nach zur Normalität werden, da bin ich mir ganz sicher“, erklärte Wübbenhorst im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst.
Appell an Bundesliga-Vereine: Suchfeld erweitern
Wübbenhorst, die aktuell die Frauen von BSC Young Boys in Bern trainiert und im Sommer zur Schweizer Meisterschaft führte, richtet einen deutlichen Appell an die Führungsetagen der Bundesligisten. „Es geht darum, dass jetzt auch andere Vereine mal nachziehen oder wenigstens in Erwägung ziehen, Gespräche mit Frauen zu führen“, betont die erfahrene Trainerin. Sie wünscht sich vor allem mehr Mut bei der Personalauswahl und eine Öffnung des traditionellen Denkens.
Die Entscheidung für eine Trainerposition sollte ihrer Meinung nach ausschließlich qualitätsbasiert fallen: „Die Klubs sollten ihr Suchfeld erweitern und dann sagen: ‚Okay, das könnte eine interessante Trainerin sein – von ihrer Spielidee, ihrem Auftreten, wie sie junge Spieler entwickelt. Wir suchen nicht geschlechtsspezifisch, sondern sind für gute Trainerinnen offen‘“. Wübbenhorst betont, dass die Wahl „für die Person fallen muss, von der man qualitativ am meisten überzeugt ist“, unabhängig vom Geschlecht.
Vorbild Union Berlin im Umgang mit Sexismus
Besonders lobend äußert sich Wübbenhorst über den Umgang der Union-Berlin-Verantwortlichen mit den sexistischen Anfeindungen gegen Marie-Louise Eta auf Social-Media-Plattformen. „Das ist vorbildmäßig. Wie klar sie sich dort gegen Sexismus positionieren und ihr den Rücken stärken“, erklärt die Trainerin, die selbst Erfahrung mit Vorurteilen im Männerfußball gesammelt hat. Dieser Rückhalt sei essenziell, damit Eta sich auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren könne: „Das Wichtigste wird sein, dass sie in Ruhe arbeiten kann. Bei allem anderen musst du auf Durchzug schalten“.
Historisches Debüt unter besonderer Beobachtung
Wübbenhorst, die auch als Co-Trainerin beim ambitionierten Drittligisten Viktoria Köln arbeitete, rechnet mit großer Aufmerksamkeit für Etas Premiere am Samstag gegen den VfL Wolfsburg. „Es ist immer so, dass die Frau, die etwas als erstes macht, ganz besonders beäugt wird. Ob sie zum ersten Mal Auto fährt, zum ersten Mal arbeitet oder eben Trainerin in der Männer-Bundesliga wird“, analysiert die Pionierin. Doch sie sieht einen gesellschaftlichen Wandel: „Irgendwann wird es leichter. Das traditionelle Rollenbild der Frau wird langsam aufgebrochen“.
Für das historische Debüt ihrer Kollegin wünscht Wübbenhorst Eta „extrem viel Erfolg“ und vor allem die Fähigkeit, sich nicht ablenken zu lassen: „Dass sie sich von all den Störfeuern nicht ablenken lässt, dass sie komplett den Fokus hat – und dass sie es auch genießen kann“. Die erfahrene Trainerin ist überzeugt, dass Etas Schritt nicht nur symbolisch wichtig ist, sondern den Weg für weitere qualifizierte Frauen im Profifußball ebnen wird.



