Seit dem 11. Juni ist Thomas Müller (36) wieder deutschlandweit ein Gesprächsthema – allerdings nicht auf dem Fußballplatz wie zu seinen Zeiten beim FC Bayern und beim DFB, sondern in seiner neuen Rolle als Experte bei der WM (bis 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko) für den übertragenden Sender „MagentaTV“. Neben seinen Experten-Kollegen Jürgen Klopp (59) und Mats Hummels (37) agiert der Weltmeister von 2014 meinungsstark und witzig wie eh und je. Aber: Seine Zuschauer bekommen auch einen neuen Müller zu sehen, der sich in so mancher Facette doch geändert hat, seitdem er im Sommer 2025 nach 25 Jahren beim deutschen Rekordmeister zu den Vancouver Whitecaps ging.
Müller jetzt mit Vollbart
Am schnellsten fällt auf, dass sich optisch bei ihm einiges getan hat. Müller trägt einen Vollbart. Früher wurden über seine Outfits in der Bayern-Kabine oft Witze gemacht. Ab Herbst 2025 wählte er schicke Sakkos und lässige Kombinationen. Die Öffentlichkeit diskutierte wochenlang über seinen „Glow-up“. Eine Transformation, die in Deutschland gut ankommt und widerspiegelt, was in Müller passiert ist: Er hat sich als Persönlichkeit weiterentwickelt. Nach dem Sprung vom oberbayerischen Örtchen Pähl auf die große Fußball-Bühne, wo er mit den Bayern unter anderem 13 Meisterschaften und zwei Champions-League-Titel holte, lebt der Fanliebling inzwischen ein neues Abenteuer in Vancouver und in der nordamerikanischen Profiliga MLS.
Das liebt Müller an Kanada
Im Gespräch mit BILD sagt Müller: „Wenn du deine gesamte Karriere beim selben Verein verbracht hast, weißt du nicht genau, was dich anderswo erwartet. Umso schöner ist es jetzt zu sehen, dass ich auch in Vancouver in einem anderen Kulturkreis funktioniere: auf dem Platz und als Typ in Verbindung mit den Fans und den Menschen in der Stadt. Das ist eine tolle Erfahrung, die meinen Horizont erweitert und mich als Mensch reifen lässt“, blickt Müller auf sein erstes Jahr im Ausland und berichtet: „Ich erlebe beispielsweise, wie unterschiedlich die Leute in anderen Ländern ticken. Die Kanadier sind ein höfliches und lässiges Volk. In Vancouver treffen viele internationale Leute und Kulturen aufeinander. Ein wichtiger Punkt für mich ist außerdem die Sprache. Mein Englisch hat sich deutlich verbessert.“
Das bayerische Basis-Englisch aus dem Gymnasium Weilheim, das er 2008 mit dem Abitur abschloss, entwickelte sich so weiter, dass Konversationen gar kein Problem sind. Mit den MLS-Experten scherzt er live im TV. Und wenn er Deutsch spricht, schleichen sich nun immer wieder mal englische Begriffe in die Sätze: „Fancy skills“ statt außergewöhnliche Qualitäten oder etwas ist „convenient“ statt komfortabel.
Müller macht einen zufriedenen Eindruck. Denn die Kanadier verstehen ihn und er die Kanadier. Ebenso wichtig ist es ihm, dass er sportlich nach wie vor läuft: In der vergangenen Spielzeit erreichte er mit den Whitecaps das MLS-Finale, das nur mit 1:2 an Inter Miami mit Superstar Lionel Messi (38) verloren ging. Müllers Vertrag in Vancouver läuft noch bis 2026, der Titel bleibt sein Ziel. Da er sich fit hält und fühlt – unter anderem mit 25 Kapseln Nahrungsergänzungsmittel pro Tag – ist es möglich, dass er noch ein Jahr dranhängt.
Das sind Müllers Zukunftsoptionen
Über das, was nach der Spielerkarriere kommt, will er sich noch Gedanken machen. Ihn würde es reizen, sich in sein Hobby Golf weiter hineinzusteigern. Trotz der kürzlich bekannt gegebenen Trennung von seiner Frau, der Dressurreiterin Lisa Müller (36), werden die Pferde nach der Spieler-Laufbahn sicherlich weiter eine Rolle für ihn spielen. Auf dem Gut Wettlkam in der Gemeinde Otterfing, das viele Jahre sein Zuhause war, züchtet Müller Pferde und bildet die Tiere aus. Ein weiteres Gedankenspiel ist der Einstieg in den Trainer-Job.
Beschlossen ist jedoch noch nichts. Sicher ist nur, dass Müller nichts überstürzen will. Auch eine mögliche Bayern-Rückkehr nicht. Er erklärt: „Auf lange Sicht schließe ich nichts aus. Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass das zeitnah relevant wird. Einen Job in einer Führungsposition beim FC Bayern kannst du nicht im Vorbeigehen machen. Wie Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge richtig gesagt haben, muss man sich darauf intensiv vorbereiten, muss davor diverse Erfahrungen sammeln und dann abliefern.“



