Michael Tarnats kurze und erfolglose Ära beim FC Erzgebirge Aue
Nach nur 95 Tagen im Amt zog der FC Erzgebirge Aue die Reißleine und beendete die Amtszeit von Michael Tarnat als Sport-Geschäftsführer. Der ehemalige Bayern-Star, der im Alter von 56 Jahren die sportliche Leitung des Drittligisten übernommen hatte, hinterlässt eine Bilanz des Scheiterns, die den Klub weiter in die sportliche Bedeutungslosigkeit trieb.
Falsche Einschätzung des Kaders und unzureichende Verstärkungen
Bereits bei seiner Vorstellung sorgte Tarnat für Verwunderung, als er den vorhandenen Kader in den höchsten Tönen lobte. „Ich weiß, dass eine unglaubliche Qualität in der Kabine ist“, erklärte er, obwohl das Team in der Winterpause nur knapp über dem Abstiegskampf stand. Statt die Probleme offen anzusprechen und konsequent zu handeln, beschönigte er die Situation.
Seine einzige Verpflichtung in der Wintertransferphase war der Stürmer Vincent Ocansey von Arminia Bielefeld II, der aus der fünften Liga kam. Dieser Neuzugang erwies sich als Fehlgriff: In neun Spielen blieb Ocansey ohne Torerfolg. Gleichzeitig verfolgte Tarnat laut Informationen der BILD-Zeitung unrealistische Ziele wie Franz Pfanne von Hansa Rostock, die von vornherein kaum zu erreichen waren.
Mangelnde Identifikation mit dem Erzgebirge
Ein Kernproblem war offenbar Tarnats fehlende Verbundenheit mit der Region. Der FC Erzgebirge Aue gilt als Stolz des gesamten Gebietes, doch intern soll der Ex-Münchner mehrfach geäußert haben, Schwierigkeiten zu haben, Spielern das Erzgebirge als Lebensmittelpunkt schmackhaft zu machen. Diese Haltung wurde als Armutszeugnis gewertet und trug zur Entfremdung der Fans bei, die sich zunehmend von ihrer Mannschaft abwandten.
Fehlende Kommunikation und falsche Trainerentscheidung
Immer wieder verwies Tarnat auf äußere Umstände wie fehlendes Geld oder Standortnachteile, um mangelnde Transfers zu rechtfertigen. Dabei gehört es zu den Aufgaben eines Sportdirektors, überzeugende Argumente zu finden und notfalls öffentlich für mehr Mittel zu werben. Stattdessen blieb er untätig.
Als er schließlich Trainer Jens Härtel entließ, setzte er auf Christoph Dabrowski als einzigen Kandidaten. „Mein erster und auch mein einziger Vorschlag war, Christoph Dabrowski zu holen“, gab Tarnat zu. Doch auch dieser Wechsel brachte keine Wende: Unter der neuen Führung gab es in 13 Spielen 11 Niederlagen und 2 Remis.
Das bittere Fazit und Tarnats Rücktritt
Die Gesamtbilanz von Tarnats Amtszeit ist verheerend. Am 5. April trat er schließlich zurück – eine Entscheidung, die viele als seine beste bezeichnen. Besonders pikant: Tarnat soll einmal geäußert haben, er wolle im Falle eines Abstiegs in die Regionalliga Nordost nicht „über die Dörfer fahren“. Nun muss er sich mit dieser Liga nicht mehr auseinandersetzen.
Die Episode zeigt, wie wichtig Identifikation mit dem Verein und realistische Planung im Profifußball sind. Für den FC Erzgebirge Aue bleibt die Aufgabe, aus den Fehlern zu lernen und den Weg zurück in höhere Ligen zu finden.



