Ciriaco Sforza: Abschied vom FC Bayern war ein großer Fehler - Interview vor DFB-Testspiel
Sforza bereut Wechsel von Bayern - Interview vor DFB-Test

Ciriaco Sforza im exklusiven Interview: Bayern-Abschied als Karrierefehler bezeichnet

Vor dem wichtigen Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz am Freitagabend in Basel hat sich der ehemalige FC-Bayern-Spieler und heutige Trainer Ciriaco Sforza in einem ausführlichen Interview geäußert. Der Schweizer Fußballexperte sprach nicht nur über die WM-Chancen des DFB-Teams unter Julian Nagelsmann, sondern gestand auch einen persönlichen Karrierefehler ein.

Nagelsmanns WM-Ziel und die deutsche Mannschaft

Ciriaco Sforza zeigt volles Verständnis für die ambitionierten Ziele von Bundestrainer Julian Nagelsmann. "Wer Julian kennt, der weiß, dass er von sich und seiner Arbeit absolut überzeugt ist - und das ist auch richtig so", erklärt der 79-fache Schweizer Nationalspieler. "Sein Kader besitzt zweifellos die Qualität, um bei der WM in den USA sehr weit zu kommen."

Sforza betont, dass Nagelsmann seine Äußerungen zum WM-Titel nicht provokativ gemeint habe, sondern einfach ausgesprochen habe, was er denke. "Wenn alle Spieler fit sind und die Mannschaft sich positiv entwickelt, dann kann Deutschland durchaus Weltmeister werden. Wieso eigentlich nicht? Für ihn ist das ein legitimes Ziel, das er mit dieser Mannschaft erreichen will und kann."

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Entscheidende Faktoren für den WM-Erfolg

Der erfahrene Trainer nennt mehrere entscheidende Faktoren für den möglichen Erfolg der deutschen Mannschaft:

  • Volle Fitness aller Spieler
  • Teamgeist und gegenseitige Unterstützung
  • Disziplin und Leidenschaft
  • Bereitschaft, als Einheit Erfolg zu haben

"Davon profitieren dann auch Einzelspieler mit ihrer individuellen Qualität, wie etwa ein Jamal Musiala oder Florian Wirtz", so Sforza. Besonders wichtig sei dabei die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft. "Wenn es in der Gruppe stimmt, fällt es auch einem Spieler wie Musiala, der lange verletzt war, leichter, wieder reinzukommen."

Die Kimmich-Debatte und taktische Überlegungen

Zur kontrovers diskutierten Position von Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger in der Nationalmannschaft äußert sich Sforza pragmatisch. "Erstens ist es Nagelsmanns Entscheidung. Zweitens wissen wir alle, dass Kimmich lieber im Zentrum spielt. Drittens sieht Nagelsmann qualitativ eine große Lücke auf der rechten Seite."

Der ehemalige Mittelfeldspieler fügt hinzu: "Nagelsmann hat viel Qualität im Zentrum mit Aleksandar Pavlovic, Leon Goretzka und anderen Spielern. Für rechts hinten hat er eben nur Kimmich, von dem er in dieser Rolle überzeugt ist. Ich persönlich würde ihn ebenfalls dort einsetzen."

Die Schweizer "Nati" und ihre WM-Chancen

Über seine eigene Nationalmannschaft zeigt sich Sforza optimistisch. "Granit Xhaka ist der Chef im Mittelfeld. Dazu kommen erfahrene Säulen wie Manuel Akanji, Silvan Widmer und Ricardo Rodriguez, die wahrscheinlich ihr letztes großes Turnier bestreiten."

Besonders hebt er die junge Generation hervor: "Johan Manzambi vom SC Freiburg, Luca Jaquez vom VfB Stuttgart oder Zachary Athekame von der AC Mailand - diese jungen Talente spielen jedes Wochenende auf Topniveau in europäischen Topligen." Bei optimaler Vorbereitung und Fitness traue er der Schweiz durchaus ein Viertelfinale zu, nachdem man bei den letzten drei Turnieren jeweils im Achtelfinale ausgeschieden sei.

Torhüter-Diskussion und Trainerqualitäten

Zur deutschen Torhüter-Situation äußert sich Sforza gelassen. "Oliver Baumann hat konstant seine Leistung gebracht. Wenn die deutsche Mannschaft als Einheit funktioniert, wird auch Baumann mitgetragen. Man muss ihm das Vertrauen geben, dann wird ihn die Mannschaft unterstützen."

Über Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin sagt der Experte: "Murat kann ein Spiel lesen, ist ein schlauer Fuchs. Bei ihm muss man immer aufpassen. Wenn er heute etwas zur Taktik sagt, dann weißt du, dass es morgen anders kommen kann. Pokern kann er wirklich gut."

Das persönliche Geständnis: Der Bayern-Fehler

Im emotionalsten Teil des Interviews gesteht Sforza einen persönlichen Karrierefehler ein. "Nur der Wechsel 1996 von München zu Inter Mailand war aus heutiger Sicht ein großer Fehler. Ich konnte der Verlockung einfach nicht widerstehen."

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Der Schweizer erklärt die Hintergründe: "Meine Eltern kommen aus Italien, und dann wurde Roy Hodgson, zuvor mein Nationaltrainer, bei Inter Chefcoach. Er hat mich dorthin gelockt. Aber Bayern München ist einfach eine andere Welt. Zum Glück konnte ich ein paar Jahre später noch einmal zurückkommen."

Mit dem FC Bayern gewann Sforza unter anderem den Weltpokal, die Champions League, den UEFA-Cup und die deutsche Meisterschaft. "Mit Bayern alles zu gewinnen und bei so einem Verein spielen zu dürfen - was will man mehr?", resümiert der Ex-Profi.

Zukunftspläne und aktuelle Aktivitäten

Derzeit nimmt Sforza an einer Ausbildung zum Sportdirektor in Bern teil. "Ich will mich weiterentwickeln, solange ich kein Traineramt innehabe, eine andere Seite des Fußballs kennenlernen."

Dennoch jucke es ihn noch, wieder als Trainer zu arbeiten. "Ich würde gerne mal eine Zeit im Ausland arbeiten und kann mir gut vorstellen, als nächsten Schritt nach Deutschland in die Zweite Bundesliga zu gehen. Dafür musst du mental bereit sein - und das bin ich jetzt."

Das Testspiel zwischen Deutschland und der Schweiz am Freitag in Basel wird nach Einschätzung Sforzas vor allem taktischen Charakter haben. "Yakin und Nagelsmann werden ein paar Dinge ausprobieren und Spieler testen, mehr nicht. Eine Stammelf kann man jetzt, knapp drei Monate vor der WM, nicht einspielen lassen."