Bastian Schweinsteiger, Weltmeister von 2014, hat im Interview mit der AZ die Debatte um Manuel Neuer neu entfacht. Der 41-Jährige sprach über die aktuelle Verfassung der DFB-Elf, die Bedeutung des Bayern-Blocks und die Chancen bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada.
Schweinsteiger über seine WM-Vorfreude
„Ich freue mich sehr. Für mich war die WM immer das Größte. Meine erste WM, die ich geschaut habe, war die WM 1990 in Italien“, sagte Schweinsteiger. Als Experte genieße er den Blick hinter die Kulissen: „Davon bekommst du in der Spielerblase nicht viel mit. Auch nach den Sendungen kann ich abseits des Stadions alles intensiver erleben, sei es in der Interaktion mit Fans oder mit ehemaligen Fußballern.“
Fußball in den USA und klimatische Herausforderungen
Schweinsteiger, der selbst für Chicago Fire spielte, betonte die Event-Kultur in den USA: „Jedes Spiel ist ein Event. Wir hatten bei jedem Spiel Feuerwerk und es wurde die Hymne gespielt. Die Amerikaner haben einfach eine große Begeisterung für den Sport.“ Die klimatischen Bedingungen bei der WM seien jedoch anstrengend: „Die Spielzeiten sind schon ein bisschen anders. Wenn man am Mittag in Houston spielen muss, schaut man als Spieler schon noch zehn Minuten auf die Uhr. Die klimatischen Bedingungen werden selbst für mich als Fußball-Experten anstrengend.“
WM 2014 und 2006 – emotionale Höhepunkte
Den WM-Titel 2014 bezeichnete Schweinsteiger als besonders: „Mit dieser Mannschaft, mit diesen Spielern die WM zu gewinnen, war schon besonders. Wir haben über Jahre versucht, einen großen Titel zu holen und das ist uns endlich 2014 gelungen.“ Auch die WM 2006 in Deutschland sei emotional: „Wir haben uns als Land so präsentiert, dass die anderen Nationen uns anders wahrgenommen haben. Wayne Rooney und Zlatan Ibrahimovic haben danach zu mir gesagt, dass es das schönste Turnier war, das sie gespielt haben.“
Chancen der DFB-Elf bei der WM 2026
Schweinsteiger sieht das Halbfinale als Erfolg an: „Ich würde es als Erfolg ansehen, wenn wir das Halbfinale erreichen. Aber es kann auch schon davor Schluss sein, wenn wir im Achtelfinale einen echten Brocken wie Frankreich erwischen. Wichtig ist, dass wir gut in das Turnier reinkommen und zeigen, dass wir uns gegen Widrigkeiten stemmen können.“
Was fehlt der aktuellen Mannschaft?
Der Unterschied zur 2014er-Mannschaft sei die Konstanz: „Wir haben Spieler auf Weltklasseniveau. Ich denke da vor allem an Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic und Florian Wirtz. Aber der große Unterschied ist die Konstanz und der Leistungsabfall. Wenn man bei einem Turnier Erfolg haben möchte, muss man davor schon seine Arbeit machen. Argentinien war 2022 vor dem Titelgewinn zum Beispiel schon vor dem Turnier 20 Spiele ungeschlagen. Bei Italien und Spanien war es das Gleiche.“
Bedeutung des Bayern-Blocks
Für den Erfolg sei eine mannschaftliche Geschlossenheit nötig, wie sie 2014 der Bayern-Block bot: „2014 haben wir Bayern-Spieler das Gerüst gebildet. Das war gefestigt und so stark, dass wir die anderen mitgezogen haben. Das braucht es jetzt auch.“ Ein Risiko durch Erschöpfung der Bayern-Spieler nach einer langen Saison sieht er nicht: „Für mich persönlich wäre es ein Push. Klar, wenn sich jetzt noch jemand verletzt, wäre es für die verbleibende Vorbereitung schwer. Sie müssen gesund und physisch fit zu diesem Turnier reisen.“
Führungsspieler und Neuer-Debatte
Als Führungsspieler nannte Schweinsteiger Kimmich, Pavlovic, Goretzka, Tah, Schlotterbeck sowie Musiala und Wirtz. Zur Torhüterfrage sagte er: „Manu ist mit seiner aktuellen Verfassung ganz vorne dabei. Ginge es also nach mir, wäre er bei der WM dabei. Für ihn selbst wäre es auch gut, sich in den USA, Mexiko und Kanada zu präsentieren. Aber es ist wohl entschieden. Mit Baumann haben wir auch einen Torhüter, der in der Nationalmannschaft gute Leistungen gezeigt hat.“



