Schalke-Aufstieg: Ein BILD-Reporter über Glück, Tränen und den Mythos
Schalke-Aufstieg: BILD-Reporter über Glück und Tränen

22.27 Uhr am Samstagabend. Das Spiel ist aus, aus, Schalke ist Aufsteiger. Bundesligist. Erstklassig. BILD-Reporter Kai Feldhaus, bekennender Schalke-Fan, stand in Block S3, Reihe 8, nur wenige Meter von dem Tor entfernt, in das Kenan Karaman in der 15. Minute den entscheidenden Treffer zum Aufstieg erzielte. Während die Spieler jubelnd über den Rasen tobten, lagen sich die Fans in den Armen, durchtränkt von Bierduschen und geflutet von Glückseligkeit.

Eine Mannschaft, die ihren Namen verdient

Feldhaus beschreibt seine tiefe Liebe zu dieser Schalker Mannschaft. Endlich wieder eine Truppe, die diesen Namen verdient, die füreinander einsteht. Fällt einer aus, springt ein anderer ein. Ein Zusammenhalt, wie er ihn seit den Eurofightern nicht mehr gespürt hat – jener legendären Mannschaft, die 1997 den UEFA-Pokal gewann. Damals in San Siro fühlte er sich ähnlich wie jetzt in Block S3. Fast 30 Jahre ist das her, ein halbes Leben.

Sicher, danach erlebten die Schalker goldene Zeiten: dreimal den Pokal gewonnen, Champions League gespielt, Arsenal, Real und Inter auswärts geschlagen. Aber dieser Aufstieg ist anders. Weil niemand damit gerechnet hat. Weil niemand es zu träumen wagte. Der Verein war am Boden, eine Mannschaft, die den Namen nicht verdiente, wäre fast in die 3. Liga abgestiegen. Das ist gerade einmal ein Jahr her.

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Der Trainer als Magier

Dann kam Frank Baumann, der neue Sportvorstand. Er holte Miron Muslic, den neuen Trainer – einen Magier aus Bosnien, von dem niemand je gehört hatte. Muslic glaubte an die Wucht dieses Vereins, an Spieler, die längst abgeschrieben waren. Er hauchte ihnen Leben ein, Mut und Wir-Gefühl. Muslic fühlt den Mythos vom Schalker Markt, diese Liebe, die niemals endet.

Wie ein Löwenrudel warf sich seine Mannschaft auf die Gegner, auch gegen Düsseldorf. Schalke brannte und rannte, kämpfte und zerriss sich. Irgendwann begann sie, auch gut zu spielen, an sich und die eigene Stärke zu glauben, Spiele zu drehen. Sie waren Gewinner in einer und für eine Region, die so viel verloren hat.

Respekt für Königsblau

Die Schalker, der Ruhrpott – so lange belächelt und bemitleidet. Plötzlich gibt es wieder anerkennendes Kopfnicken, wenn man sich als Königsblauer offenbart. Respekt vor dem, was sie geschafft haben: Am 8. Spieltag kletterte Schalke auf einen Aufstiegsplatz und gab ihn seitdem nicht mehr her. Jesus hat Wasser zu Wein gemacht – aus den Schalkern vom letzten Jahr einen Aufsteiger zu machen, ist vielleicht das größere Wunder. Man sollte Miron Muslic ein Denkmal bauen.

Feldhaus steht in Block S3, riecht den Schweiß und schmeckt die Freudentränen. Sein kleiner Sohn steht neben ihm, erst zum dritten Mal auf Schalke. Frei nach Nick Hornby hat auch er sich in Schalke verliebt, wie er sich später in Frauen verlieben wird: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit, die damit verbunden sein werden. Für ihn ist das hier der Anfang einer großen Liebe. Sein Leben lang wird er an diesen Abend zurückdenken, diese Stimmung, dieses Gefühl der Glückseligkeit.

Das, mein Sohn, ist Schalke.

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