WM-Kolumne: Der nervige Mythos vom fußballignoranten Ami
Mythos vom fußballignoranten Ami nervt

Der Mythos vom fußballignoranten US-Amerikaner hält sich hartnäckig. Noch immer geistern Anekdoten durch die Medien, wonach US-Fans bei der WM 1994 über Schüsse über die Latte jubelten, weil sie dies aus dem American Football kannten. Diese Geschichte war schon damals unwahr und ist es heute umso mehr. Denn die USA sind längst eine Fußballnation, vor allem im Jugendbereich.

Fußball boomt in den USA – besonders bei Kindern

Laut einer Studie des Sports & Fitness Industry Association ist Fußball die zweitbeliebteste Sportart bei Kindern und Jugendlichen in den USA, nur Basketball wird noch häufiger gespielt. Der deutsche Journalist Nils Suling, der vor fünf Jahren in die USA zog und dort eine Mädchenfußballmannschaft trainierte, bestätigt den Trend: „Meine achtjährige Tochter spielt begeistert Fußball. Giulia Gwinn ist ihre Lieblingsspielerin. Ich bin echt überrascht, wie professionell das hier aufgezogen wird.“ Das Training findet zweimal wöchentlich für 90 Minuten statt, die Kinder tragen einheitliche Outfits, und die Spiele am Wochenende erfordern oft Autofahrten von zwei bis drei Stunden. „Ich komme aus Bremen – das ist, als wenn man ein Auswärtsspiel knapp vor Amsterdam hat“, so Suling. Die Ausstattung umfasst drei verschiedene Trikotsätze, und der Trainer ist ein vollberuflicher Coach. „Meine Tochter schießt schon härter als manche Jungs mit 16 in Deutschland“, fügt er hinzu. Die Begeisterung der Eltern, von denen viele nicht mit Fußball aufgewachsen sind, ist groß: Sie lernen Abseitsregeln und analysieren Spiele mit ihren Kindern.

Title IX als Erfolgsfaktor für den Frauenfußball

Der Erfolg der US-Frauenfußballnationalmannschaft mit vier WM-Titeln ist kein Zufall. Er ist auf das US-Gesetz Title IX zurückzuführen, das Universitäten vorschreibt, gleich viele Sportstipendien an männliche und weibliche Athleten zu vergeben. Da fast jedes College ein Football-Team für Männer unterhält, wird auf Frauenseite häufig eine Fußballmannschaft aufgestellt. Dies hat zu einer starken Talentförderung geführt.

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MLS-Besitzer widerlegt Vorurteile

Dan Hunt (49), Besitzer des FC Dallas aus der Major League Soccer (MLS), dessen Vater Lamar Hunt die WM 1994 in die USA holte, äußert sich kritisch zu den Vorurteilen: „Es gibt zwei Vorurteile, die mich ärgern. Einmal, dass der Fußball in meinem Land eine Sache von Migranten wäre. Mal abgesehen davon, dass wir alle mal Immigranten waren, ist das völliger Quatsch. Und dann das Bild, dass wir nur eine Frauenfußballnation sind. Das sind wir auch. Aber wer das Spiel USA gegen Paraguay und die Zuschauer erlebt hat, der hat erkannt – die USA sind auch eine Macht im Männer-Fußball.“

Zum angeblichen Jubel über Latten-Schüsse sagt Hunt: „Klar, 1994 hatten wir einige Leute in den Stadien, die keine Ahnung hatten, was sie da sahen. Aber gejubelt bei Schüssen über das Tor hat da keiner. Heute jubeln die Fans selbst über Grätschen. Das zeigt – wir sind angekommen.“ Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird die Gelegenheit bieten, den Mythos endgültig zu widerlegen.

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