Kritik an Nagelsmanns öffentlicher Entschuldigung bei Undav: Weidenfeller und Kahn zweifeln
Die öffentliche Entschuldigung von Bundestrainer Julian Nagelsmann bei Nationalstürmer Deniz Undav bleibt nicht ohne deutliche Kritik. Die ehemaligen Fußballgrößen Roman Weidenfeller und Oliver Kahn äußerten sich kritisch zum Umgang mit der gesamten Situation und stellten den Führungsstil des Trainers in Frage.
Nagelsmanns kontroverse Aussagen und spätes Einlenken
Zunächst hatte Julian Nagelsmann mit seinen unglücklichen Äußerungen über Deniz Undav polarisiert. Nach einem Joker-Treffer des Stürmers gegen Ghana äußerte der Bundestrainer öffentliche Kritik und merkte an, dass er mit Undavs Auftritt bis zu diesem späten Tor nicht vollständig zufrieden gewesen sei. Nagelsmann stellte sogar infrage, ob Undav den Treffer nach einem anstrengenden Spiel bei hohen Temperaturen überhaupt hätte erzielen können.
Einige Wochen später ruderte der Bundestrainer jedoch zurück und erklärte in einer Talk-Reihe bei MagentaTV: „Es war nicht richtig und war auch in der Schärfe für die Öffentlichkeit viel zu forsch.“ Nagelsmann gab zu, dass diese Erkenntnis auch im Dialog mit seiner Frau Lena gereift sei.
Weidenfeller: „Er schwächt sich damit“
Roman Weidenfeller, Weltmeister von 2014, äußerte sich in der Sendung „Triple – der Hagedorn-Fussballtalk“ bei Sky deutlich kritisch: „Ich glaube, dass er sich selber damit keinen Gefallen tut, erst forsch nach vorne zu gehen und dann zurückzurudern.“ Weidenfeller bezog sich dabei auf Nagelsmanns öffentliche Entschuldigung und die Erwähnung seiner Frau im Zusammenhang mit dieser Entscheidung.
„Genauso auch bei der Aussage, dass er sich entschuldigt und dann aber seine Frau mit ins Boot reinnimmt, er stärkt sich damit nicht selbst, er schwächt sich ja eher damit“, erklärte der ehemalige Torwart weiter. Diese Herangehensweise könne laut Weidenfeller nicht zum Vorteil des Bundestrainers ausfallen.
Oliver Kahn kritisiert den Führungsstil
Auch Oliver Kahn, ehemaliger Kapitän der Nationalmannschaft, äußerte Bedenken zum Vorgehen von Julian Nagelsmann. Zwar betonte Kahn, dass er sich immer freue, „wenn Menschen sich reflektieren können“, doch fragte er sich, warum dies unbedingt in der Öffentlichkeit geschehen müsse.
Kahn kritisierte insbesondere den Führungsstil des 38-jährigen Trainers und schlug eine alternative Vorgehensweise vor: „Es wäre natürlich auch möglich, du rufst den Spieler einfach an und sagst, ich bin da über das Ziel hinausgeschossen und erklärst ihm die Situation, wie du sie siehst und fertig.“ Der ehemalige Torhüter fügte hinzu, dass sich eine solche interne Klärung sowieso irgendwann nach außen durchsprechen würde.
„Das jetzt öffentlich zu machen, hat halt so einen Touch“, resümierte Kahn mit kritischem Unterton. Dennoch offenbarte Nagelsmann in seinen Äußerungen auch, dass er sich bereits „direkt am nächsten Tag bei Deniz entschuldigt habe“ und Undav diese Entschuldigung „Gott sei Dank angenommen“ habe.
Die Diskussion um Nagelsmanns Umgang mit der Undav-Situation zeigt, wie sensibel die Kommunikation eines Bundestrainers in der Öffentlichkeit sein muss und welche Erwartungen an den Führungsstil auf höchster Ebene gestellt werden.



