Kimmichs WM-Trauma: Kapitän gibt nicht auf nach drittem Desaster
Kimmichs WM-Trauma: Kapitän gibt nicht auf

Joshua Kimmich stand nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft erneut in den Katakomben eines Stadions – und musste das Unerklärliche erklären. Beim 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay war Schluss, bereits zum dritten Mal in Folge scheiterte Deutschland in der Vorrunde einer Weltmeisterschaft. Der Kapitän zeigte sich jedoch kämpferisch: „Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf. Was ich niemals tun werde, ist: Aufgeben!“

Kimmichs WM-Trauma: Drittes Vorrunden-Aus in Folge

Für Kimmich war es die dritte enttäuschende WM-Teilnahme: 2018 in Russland, 2022 in Katar und nun 2026 in den USA – kein einziges Mal gelang der Sprung ins Achtelfinale. „In den acht Jahren wächst man in seiner Rolle, seiner Verantwortung. Deshalb ist es nochmal bedeutender, als Kapitän auszuscheiden, weil man eine große Verantwortung für die Gruppe trägt. Die Verantwortung fühle ich“, sagte der 31-Jährige. Anders als nach dem Vorrunden-Aus 2022, als er vom „schwersten Tag“ seiner Karriere sprach und befürchtete, mental „in ein Loch“ zu fallen, wirkte Kimmich diesmal gefasst und reif. Er analysierte schonungslos: „Wir haben es verbockt.“

Keine Ausreden: „Wir sollten Gegner wie Paraguay schlagen können“

Kimmich vermied Ausreden für das Aus. Er prangerte weder das aberkannte Tor von Jonathan Tah (2:1) noch das verlorene Elfmeterschießen an. „Wir sollten den Anspruch haben – und die Qualität –, dass wir Gegner wie Paraguay schlagen können. Es darf auch keiner auf die Idee kommen, den Schiedsrichter verantwortlich zu machen oder das Elfmeterschießen. Wenn du es über 120 Minuten nicht schaffst, gegen so einen Gegner zu gewinnen, darfst du von Glück nicht abhängig sein.“ Der Kapitän übernahm die Verantwortung: „Die sollten wir alle fühlen, die auf dem Platz standen und nicht die Schuld bei einem anderen suchen. Wir haben es verbockt.“

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Kimmichs Rolle als Rechtsverteidiger und die Systemumstellung

Kimmich selbst hatte kein gutes Turnier gespielt, wie er einräumte. Er akzeptierte die ihm von Bundestrainer Julian Nagelsmann zugewiesene Rolle als Rechtsverteidiger, obwohl er im zentralen Mittelfeld zu Hause ist. Erst in der Schlussphase des letzten WM-Spiels, nach Nagelsmanns Umstellung, zeigte sich, wo der Kapitän von Anfang an hätte spielen sollen: im Zentrum. Trotz der persönlichen Enttäuschung stellte sich Kimmich in den Dienst der Mannschaft.

Manuel Neuer: „Ich habe alles gegeben“

Für Manuel Neuer war es ebenfalls die dritte enttäuschende WM in Folge, doch der 40-Jährige kann im Gegensatz zu Kimmich auf den WM-Titel 2014 zurückblicken. „Ich habe alles gegeben“, resümierte der Torhüter. Sein Comeback nach zwei Jahren Pause endete abrupt, als er gerade auf dem Weg schien, ein Erfolgsfaktor zu werden. Im Elfmeterschießen parierte Neuer den zehnten Versuch von Fabian Balbuena, doch kurz darauf war Schluss. „Enttäuschend ist das richtige Wort“, sagte Neuer. „Jeder ist traurig. Jeder muss mit der Situation klarkommen.“ Auch er selbst. „Wir hatten nicht den Punch. Du musst so eine Mannschaft schlagen. Das ist Fakt, wenn du dich messen willst mit Mannschaften wie Frankreich.“ Das programmierte Achtelfinale war das Ziel, doch es kam anders: „Es ist extrem bitter, so aufzuhören.“

Kimmichs Zukunft: Kein Rücktritt, sondern neuer Anlauf

Anders als Neuer, für den das WM-Aus wohl das endgültige Ende seiner DFB-Karriere bedeutet, denkt Kimmich nicht an Rücktritt. Mit 31 Jahren und 114 Länderspielen sieht er sich noch nicht am Ende. „Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf“, bekräftigte der Kapitän. Er entschuldigte sich beim deutschen Volk und sprach von der Verantwortung, den Menschen zu Hause Euphorie und Identifikation zu bieten. „Das ist etwas, was man auch den Kindern und Menschen zu Hause geben und bieten möchte. Und wir haben es wieder nicht geschafft, eine Euphorie zu entfachen und eine Mannschaft auf dem Feld zu sein, mit der sich die Menschen identifizieren können.“

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