Vincent Kompany kennt längst ganz Fußball-Deutschland. Wer aber ist José Barcala? Der Trainer der Frauenabteilung des FC Bayern München steht kurz davor, mit seinem Team Geschichte zu schreiben. Nach dem 1:1 im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals gegen den FC Barcelona müssen die Münchnerinnen im Rückspiel im Camp Nou antreten – ohne ihren Chefcoach auf der Bank. Barcala ist nach einer Roten Karte gesperrt, die er sich im hitzigen Hinspiel eingehandelt hatte. Die Devise gibt DFB-Kapitänin Giulia Gwinn aus: „Kein bisschen verstecken, sondern Vollgas.“
Eine Reifeprüfung für Barcala und sein Team
Für die Bayern-Frauen ist es die erste Chance, ins Endspiel der Königsklasse einzuziehen. Dass sie überhaupt so weit gekommen sind, ist auch ein großer Verdienst des Spaniers. Bundestrainer Christian Wück lobt die „unheimlich gute Entwicklung mit dem neuen Trainer“. Die Leistungen des deutschen Meisters auf höchstem Niveau seien auch für die Nationalmannschaft von großer Bedeutung. Dabei hatte die Saison für Barcala mit einer Lehrstunde begonnen: Ein 1:7 in Barcelona. „Es war eine der schlimmsten Nächte meines Lebens“, erinnert sich der 44-Jährige. Doch aus dieser Niederlage zog er die richtigen Lehren. Nun winkt sogar das Triple: Neben der Champions League steht das DFB-Pokal-Finale am 14. Mai in Köln gegen den VfL Wolfsburg an.
Barcalas ruhige Art als Erfolgsrezept
Im Gegensatz zu seinem impulsiven Vorgänger Alexander Straus gilt Barcala als Trainer der sanften Töne. „Manchmal ist Stille wichtiger als jedes Wort“, lautet sein Credo. Linda Dallmann bestätigt: „Er ist menschlich einfach eine sehr, sehr angenehme Person. Selbst nach dem 1:7 gegen Barça ist er ruhig geblieben und hat sich umso mehr an die Arbeit gemacht. Es ist bei ihm nie so, dass er in der Halbzeit jemanden zusammenfaltet.“ Diese Ruhe strahlt er auch in schwierigen Momenten aus. Allerdings zeigte er sich nach dem Platzverweis von Franziska Kett im Hinspiel emotional: „Ich habe einfach protestiert, ohne etwas zu sagen, ich habe einfach geschrien, und ich glaube, dass ich diese Gelbe Karte verdient habe, aber keine Rote. Das ist völlig unfair.“ Später entschuldigte er sich für seinen Ausbruch: „Das ist nicht mein Stil.“
Der Weg zum Triple führt über Barcelona
Barcala kam als Meistermacher von Servette aus der Schweiz nach München. Zuvor war er unter anderem in Spanien, Australien, Frankreich und für Schottlands Nationalteam tätig. Er betont stets die Teamleistung: „Wenn wir als Staff in der Lage sind, mit einem klaren Plan vor diese Spielerinnen zu treten, dann können sie mit der Qualität, die sie haben, bis zum Mond kommen.“ Die Mannschaft zeige eine unglaubliche Reife. Das Schönste sei es, zu sehen, wie sich die Spielerinnen umeinander kümmern und gegenseitig schützen. Am Sonntag um 16.30 Uhr (ZDF und Disney+) müssen die Bayern-Frauen im Camp Nou beweisen, dass sie bereit sind für den nächsten Schritt. Das Ziel ist klar: Der erste Finaleinzug der Vereinsgeschichte.



