Iranische Fußballerinnen beim Asien Cup: Vom stillen Protest zum Salutieren
Bei der Fußball-Asienmeisterschaft der Frauen in Australien haben die Spielerinnen des Iran eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Nachdem sie noch vor drei Tagen das Mitsingen der Nationalhymne verweigert hatten, setzten sie vor ihrem zweiten Spiel gegen Gastgeber Australien ein gegenteiliges Zeichen. Diesmal sangen sie die Hymne mit und salutierten sogar dazu, was als deutlicher Kontrast zu ihrem vorherigen Verhalten gewertet wird.
Hintergrund: Luftangriffe und politische Spannungen
Der Kontext für diese Handlungen ist hochpolitisch. Am vergangenen Samstag starteten Israel und die USA Luftangriffe auf den Iran, bei denen unter anderem der iranische Revolutionsführer Ali Chamenei ums Leben kam. Zwei Tage später, vor dem ersten Turnierspiel gegen Südkorea, das mit 0:3 verloren ging, schwiegen die iranischen Spielerinnen sowie ihr Trainerstab beim Abspielen der Nationalhymne. Dies wurde weithin als stiller Protest gegen die Machthaber im Iran interpretiert, zumal Exil-Iraner im Stadion der australischen Stadt Gold Coast parallel dazu Proteste gegen die iranische Regierung abhielten.
Erinnerungen an die WM 2022 und mögliche Gründe für den Sinneswandel
Die Szenen in Australien erinnern stark an das Verhalten der iranischen Männer-Nationalmannschaft während der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Auch damals blieb das Team vor dem ersten Spiel gegen England stumm und sang die Hymne vor der zweiten Partie gegen Wales wieder mit, mutmaßlich auf Anweisung des Verbands. Bei den Frauen könnte die Angst um die Familien in der Heimat ein entscheidender Faktor sein. Die iranische Trainerin Marziyeh Jafari äußerte vor dem Spiel gegen Australien: „Natürlich machen wir uns große Sorgen um die Gesundheit unserer Familien, unserer Angehörigen und aller anderen Menschen im Iran, zu denen wir derzeit keinerlei Kontakt haben.“ Ihr Team war bereits vor dem Ausbruch des Krieges zum Asien Cup gereist, was die emotionale Belastung zusätzlich verstärkt.
Fortdauernde Proteste außerhalb des Stadions
Während die Spielerinnen im Stadion nun salutierten, gingen die Proteste außerhalb weiter. Laut Berichten der australischen Nachrichtenagentur AAP riefen Exil-Iraner in Gold Coast Parolen wie „Thank you Bibi, thank you Trump“, gerichtet an Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump, die die Luftangriffe autorisiert hatten. Diese Demonstrationen unterstreichen die anhaltenden politischen Spannungen, die den Sport überschatten und die schwierige Position der Athletinnen zwischen sportlichem Wettkampf und persönlichen Ängsten verdeutlichen.
Insgesamt zeigt dieser Vorfall, wie sehr internationale Sportereignisse von geopolitischen Konflikten beeinflusst werden können. Die iranischen Fußballerinnen stehen symbolisch für viele, die in solchen Situationen zwischen Protest und Anpassung balancieren müssen, während sie gleichzeitig Höchstleistungen auf dem Platz erbringen sollen.



