Hitze bei der WM: Wie sich Fußballer anpassen können
Hitze bei der WM: Anpassung ist trainierbar

Hitze bei der Fußball-WM: „Anpassung ist trainierbar wie Ausdauer“

Hohe Temperaturen und extreme Luftfeuchtigkeit stellen für Fußballer bei der Weltmeisterschaft eine große Herausforderung dar. Sportmediziner Hans-Georg Predel erklärt im Interview, welche Risiken bestehen und wie Teams sich schützen können.

Frühere Winterpause – heute Sommerpause?

Frage: Früher pausierte die Bundesliga im Winter monatelang. Wäre aus medizinischer Sicht eine längere Sommerpause sinnvoll?
Predel: Aus medizinischer Sicht spricht vieles für eine Anpassung des Spielkalenders an klimatische Realitäten. Extreme Hitze ist ein relevantes Gesundheits- und Leistungsrisiko. Allerdings sind internationale Spielpläne und TV-Rechte eng verzahnt, sodass eine reine Verlagerung unrealistisch ist. Wahrscheinlicher sind Anpassungen bei Anstoßzeiten und Kühlstrategien.

Bedingungen in Nordamerika

Frage: Worauf müssen sich die Spieler bei der WM in Nordamerika einstellen?
Predel: Die Bedingungen variieren je nach Spielort stark. Neben hohen Temperaturen spielt die Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle. Der Körper kann Wärme nur schlecht abgeben, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist, da die Schweißverdunstung erschwert wird.

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Klimatisierte Stadien vs. Training

Die deutsche Nationalmannschaft spielte ihr erstes Gruppenspiel in einem klimatisierten Stadion in Houston, aber der Trainingsplatz in Winston-Salem ist nicht gekühlt. Predel betont: „Die eigentliche physiologische Anpassung erfolgt im Training. Klimatisierte Stadien ersetzen keine Hitzeanpassung.“

Gewöhnungseffekt durch Hitze

Nationalspieler Nico Schlotterbeck meinte, die Wärme in Deutschland helfe bei der Vorbereitung. Predel bestätigt: „Bereits nach ein bis zwei Wochen regelmäßiger Belastung passt sich der Organismus an. Die Schweißproduktion setzt früher ein, der Schweiß verliert weniger Salz, die Herzfrequenz sinkt.“

Risiko der Ermüdung

Akklimatisierte Spieler kommen besser zurecht, dennoch steigt die Belastung unter Extrembedingungen. Die Energiereserven werden schneller aufgebraucht, die Leistungsfähigkeit sinkt früher als unter gemäßigten Bedingungen.

Medizinische Gefahren

Das Spektrum reicht von Dehydratation und Muskelkrämpfen bis zu Hitzeerschöpfung und Hitzschlag, der lebensbedrohlich sein kann. Konzentrationsverluste erhöhen zudem das Verletzungsrisiko.

Gegenmaßnahmen

Entscheidend sind frühzeitige Hitzeakklimatisation, individuelle Trinkstrategien, Elektrolytzufuhr und Kühlmaßnahmen. Moderne Teams überwachen Körpergewicht und Flüssigkeitsverluste genau.

Trinkpausen und Kühlwesten

Predel befürwortet die dreiminütigen Trinkpausen pro Halbzeit: „Sie bremsen den Anstieg der Körpertemperatur und ermöglichen Flüssigkeitszufuhr.“ Kühlwesten können zusätzlich leistungsfördernd wirken.

Trainingstipps

Trainingseinheiten sollten an die Wettkampfbedingungen angepasst werden, mit sorgfältig gesteuerter Intensität und ausreichenden Regenerationszeiten.

Herkunft vs. Gewöhnung

Auf die Frage, ob Südeuropäer oder Südamerikaner besser mit Hitze zurechtkommen, sagt Predel: „Nicht die Herkunft ist entscheidend, sondern die tatsächliche Gewöhnung. Auf Spitzensportniveau lassen sich Unterschiede durch gezielte Akklimatisation ausgleichen.“

Klimaanlagen richtig nutzen

Bundestrainer Nagelsmann empfahl, sich nicht ständig in klimatisierten Räumen aufzuhalten. Predel stimmt zu: „Hitzeanpassung lässt sich trainieren. Wer ständig in klimatisierten Räumen sitzt, verschenkt Anpassung. Aber Klimaanlagen sind wichtig für Schlaf und Regeneration.“ Große Temperaturunterschiede sollten vermieden werden.

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