Hansa Rostock dreht Spiel gegen Verl: Brinkmanns Kabinen-Ansage wirkt Wunder
Am 9. April 2026 erlebte der Traditionsverein Hansa Rostock eine emotionale Achterbahnfahrt. In Verl lag der Klub zur Halbzeit mit 0:1 zurück und präsentierte sich fahrig, mutlos und ohne Zugriff. Eine erste Hälfte, die Kapitän Franz Pfanne später als "schlechteste erste Hälfte der Saison" bezeichnete. Doch dann kam die Wende.
Brinkmann zieht die Reißleine: Dreifachwechsel und klare Worte
Trainer Daniel Brinkmann (40) reagierte entschlossen. Zur Pause vollzog er einen Dreifachwechsel, brachte Jonas Dirkner, Chris Kinsombi und Maximilian Krauß und gab seiner Mannschaft eine unmissverständliche Ansage mit auf den Weg. "Es wird dann schon einmal lauter", erklärte der Coach nach dem Spiel. "Ich will eine mutige Mannschaft sehen. Ich bekomme lieber mutig eine in die Fresse und verliere so ein Spiel, anstatt Angsthasenfußball – das hat mir nicht gefallen."
Diese deutlichen Worte zeigten unmittelbare Wirkung. Die Hansa-Elf kehrte mit völlig veränderter Einstellung auf den Platz zurück.
Joker stechen: Kinsombi und Holten drehen das Spiel
Die Wechsel entpuppten sich als Volltreffer. Chris Kinsombi erzielte in der 54. Minute den verdienten Ausgleich zum 1:1. Nur vier Minuten später schlug Emil Holten zu und markierte mit seinem elften Saisontreffer das 2:1 (58.). Plötzlich war von der zaghaften ersten Halbzeit nichts mehr zu spüren. Stattdessen zeigte Hansa Druck, Glauben und Wucht, verwandelte das Zittern in Jubel und sicherte sich drei wertvolle Punkte.
Comeback für Kapitän Pfanne: Mentalität als Schlüssel
Für Verteidiger Franz Pfanne war es ein besonderes Comeback. Erstmals seit Dezember stand der 31-Jährige wieder in der Startelf und übernahm sofort die Führungsrolle. "Ich bin ein Spieler, der von der Mentalität lebt", betonte Pfanne, der zuletzt fünf Wochen wegen Adduktorenbeschwerden pausieren musste. "Vielleicht benötigst du in solchen Drucksituationen auch solche Spieler, die den Mund öffnen und mit Mentalität vorangehen."
Brinkmann über den Druck: "Nah an einem Do-or-die-Spiel"
Trainer Brinkmann sprach offen über die psychologische Belastung. "Wir haben natürlich unsere Ziele, die wollen wir erreichen", erklärte er. "Es war nah an einem Do-or-die-Spiel. Natürlich macht man sich vorher einen Kopf. Weil man das unbedingt erreichen möchte, dass man weiter oben mitspielen kann."
Die Rostocker haben in jüngster Zeit bewiesen, dass sie mit Druck umgehen können. Nach Siegen gegen Essen (3:2), Duisburg (5:1) und Wiesbaden (1:0) gelang nun der vierte Erfolg in Folge. Klar ist: So spielt kein Mitläufer, sondern ein ernsthafter Aufstiegsanwärter. Die Herausforderung für Spieler und Trainer besteht nun darin, diese Leistungssteigerung bis zum Saisonende durchzuziehen und im engen Aufstiegsrennen der 3. Liga zu bestehen.



