Emotionaler Triumph nach schwierigem Start
Nach dem Schlusspfiff des WM-Gruppenspiels zwischen Ecuador und Deutschland brachen bei Ecuadors Nationaltrainer Sebastian Beccacece alle Dämme. Der 45-jährige Argentinier feierte den 2:1-Sieg gegen die DFB-Elf ausgelassen mit seinen Spielern und dem Trainerstab. Dann kletterte er das Tribünengeländer hoch, um seine Frau Patricia Persson zu küssen und mit seiner Familie zu jubeln. Grund für die überwältigenden Emotionen: Ecuador hat nun vier Punkte auf dem Konto und steht sicher als einer der acht besten Gruppendritten in der K.o.-Runde.
Traurige Vorgeschichte: Anfeindungen nach Nullnummer
Die Jubelszenen sind vor dem Hintergrund einer schwierigen Phase zu sehen. Nach einem enttäuschenden 0:0 gegen WM-Neuling Curaçao war Beccacece heftig kritisiert worden. Ecuadors Ex-Nationalspieler Jefferson Montero (36, 64 Länderspiele) schoss auf X gegen den Trainer: „Hör auf, heiße Luft zu verkaufen, und tritt bei La Tri zurück! Hab ein bisschen Würde, du hast unserem Fußball mit einer Generation, die die beste der Geschichte sein sollte, großen Schaden zugefügt.“ Zuvor hatte Ecuador bereits 0:1 gegen die Elfenbeinküste verloren, trotz Stars wie Pacho (PSG), Hincapié (Arsenal) und Caicedo (Chelsea). Das Vorrunden-Aus drohte, und Beccacece war für viele der Schuldige.
Verbale Auseinandersetzung auf der Tribüne
Die Anfeindungen richteten sich nicht nur gegen den Trainer, sondern auch gegen seine Familie. Nach dem Curaçao-Spiel soll es Berichten zufolge auf der Tribüne zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Fans und Beccaceces Frau Patricia sowie den Töchtern Agustina und Vicky gekommen sein. Dies machte den emotionalen Moment nach dem Deutschland-Sieg umso bedeutungsvoller.
Beccacece: „Ich bin meinem Herzen gefolgt“
Über die Jubelszenen sagte Beccacece: „Die Emotionen haben mich überwältigt. Ich hatte diesen Jubel nicht geplant. Ich bin einfach meinem Herzen gefolgt.“ Zu seiner Frau erklärte er: „Sie hat mich in allen Höhen und Tiefen meiner Karriere begleitet. Sie hat so viel für mich und unsere Familie geopfert, deshalb war sie in diesem emotionalen Moment die erste Person, mit der ich diesen Moment feiern wollte. Sie hat mir immer gesagt, ich solle weiter daran glauben, auch wenn die Leute an uns gezweifelt haben. Heute Abend wollte ich ihr vor den Augen der ganzen Welt danken.“
Rücktrittsankündigung vor dem Deutschland-Spiel
Bereits auf der Pressekonferenz vor dem DFB-Duell hatte Beccacece angekündigt, bei einem möglichen Vorrunden-Aus zurückzutreten. Gleichzeitig gab er sich kämpferisch: „Warum sollte uns das nicht gelingen? Es gibt genug Argumente, die für meine Mannschaft sprechen, den Turnaround zu schaffen. Mein Team hat einen starken Charakter.“ Mit dem Sieg gegen Deutschland behielt er recht – Ecuador zog in die K.o.-Runde ein und feierte einen emotionalen Triumph.



