Brüderduelle bei WM 2026: Acht Paare, vier Nationenkonflikte
Brüderduelle bei WM 2026: Vier von acht Paaren spielen gegeneinander

Brüderduelle bei der WM 2026: Wenn Familie auf Nationalstolz trifft

Giovane Elber, ehemaliger Fußball-Experte im deutschen Fernsehen, kommentierte das Thema einst mit seiner typischen Süffisanz. Gefragt, was er davon halte, wenn bei einer Weltmeisterschaft zwei Brüder für verschiedene Nationen auflaufen und gegeneinander spielen, antwortete der Brasilianer: Es sei immer gut, „wenn ein Vater mehrere Söhne hat“. Dies sagte er anlässlich des Duells der Boateng-Brüder bei der WM 2014.

Für die Betroffenen ist dies jedoch nicht immer so simpel, wie das Beispiel von Jérôme und Kevin-Prince Boateng zeigt. Bei gleich zwei Weltmeisterschaften kam es zu diesem Duell der in Berlin aufgewachsenen Halbbrüder. Während Kevin-Prince sich für die ghanaische Heimat seines Vaters entschied, bekannte sich Jérôme zu den Wurzeln seiner Jugend und wurde in Brasilien mit der DFB-Elf Weltmeister. Vor der Endrunde 2010 hatte ein rüdes Foul von Kevin-Prince dafür gesorgt, dass Jéromes Mitspieler und Kapitän Michael Ballack die gesamte WM in Südafrika verletzungsbedingt verpasste. Jérôme mochte den als Rüpel kritisierten Bruder nicht verteidigen. „Ich möchte zu Jérôme nichts mehr sagen. Nur so viel: Dass wir keinen Kontakt mehr haben, hat seine Gründe“, konterte Kevin-Prince Boateng damals – es herrschte Eiszeit.

Acht Brüderpaare bei der WM 2026

Bei der XXL-WM 2026 gibt es gleich acht Brüder-Paare. Die Duartes aus Kap Verde, die Bacunas von Außenseiter Curaçao, die niederländischen Timbers sowie die Hernandez-Brüder Theo und Lucas von Vize-Weltmeister Frankreich spielen allesamt für die gleiche Nation. Die weiteren vier Geschwisterpaare spielen – wie die Boatengs damals – für unterschiedliche Nationen. Wie kommt es zu diesen Entscheidungen?

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Barfuß durch die Sahara: Die Williams-Eltern

Im Tennis spielen auch im Jahr 2026 noch die Williams-Schwestern Serena und Venus in Wimbledon mit. Bei den Fußballern von Athletic Bilbao gibt es seit über einem Jahrzehnt die Williams-Brüder Nico und Inaki. Der jüngere Nico (23) widerstand sogar Angeboten des FC Barcelona und von Real Madrid; er unterschrieb in Bilbao einen Vertrag bis 2035. Für Inaki (32) kommt ein Wechsel ebenfalls nicht infrage. Während die Brüder im Verein das gleiche Trikot tragen, wählten die beiden Basken im Nationalteam unterschiedliche Wege. Die ghanaischen Eltern hatten sich damals auf den Weg nach Spanien gemacht, als Mutter Maria mit Inaki schwanger war. Barfuß zog das Paar durch die Sahara. Inaki hat seinen Namen von einem spanischen Priester, der den Eltern beim Grenzübergang half. Der ältere Bruder entschied sich für Ghana. Nico hingegen wählte Spanien und wurde 2024 bereits als Stammspieler zum Europameister. „Als älterer Bruder bin ich unglaublich stolz darauf, seine Entwicklung zu sehen und seine Fortschritte als Fußballer mitzuerleben. Er hat grenzenloses Potenzial“, sagte Inaki der BBC über seinen neun Jahre jüngeren Bruder.

Derrick Luckassen und Brian Brobbey

Bei Derrick Luckassen (Ghana) und Brian Brobbey (Niederlande) liegt der Fall ähnlich wie einst bei den Boateng-Brüdern. Beide haben die gleiche Mutter, eine Ghanaerin, und sind in Amsterdam geboren. Luckassen durchlief diverse niederländische Jugendteams, ehe er sich für die Heimat seiner Eltern entschied. Brobbey schaffte den Sprung in die Elftal, für die er es in den WM-Kader 2026 schaffte und im ersten Spiel eingewechselt wurde.

Desiré und Guéla Doué

Die Brüder Desiré und Guéla Doué haben einen ivorischen Vater und eine französische Mutter. Beide wuchsen in Frankreich auf und machten bei Stade Rennes ihre ersten Schritte im Profifußball. Desiré ist mit 21 Jahren nicht nur der jüngere, sondern auch der deutlich talentiertere der beiden Brüder. In seiner Vita steht bereits jetzt ein Champions-League-Titel mit Paris Saint-Germain. Demzufolge entschied sich Desiré früh für Frankreich und schaffte es in den WM-Kader des Mitfavoriten. Sein Marktwert wird inzwischen auf 120 Millionen Euro beziffert. Bruder Guéla (23) wechselte 2024 von Rennes zu Racing Straßburg und hatte sich zuvor bereits für die Elfenbeinküste entschieden. Im Gegensatz zu seinem offensiv orientierten Bruder Desiré ist Guéla Doué Außenverteidiger.

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Die Souttar-Brüder John und Harry

John und Harry Souttar sind der Nachwuchs eines schottisch-australischen Paars. Vater Jack ist Schotte und war in den 70er-Jahren Profi, während Mutter Heather im australischen Adelaide geboren ist. Aufgewachsen und im Fußball sozialisiert wurden die beiden Fußballer in Schottland, doch Harry entschied sich 2019 für Australien, das Heimatland seiner Mutter. „Sie unterhalten sich ständig über Spiele. Sie passen immer aufeinander auf, das steht fest“, sagte Vater Jack über seine beiden Söhne. Zum WM-Auftakt gewannen John und Harry mit ihren Teams am selben Tag die jeweils ersten Spiele. Während John beim 1:0 seiner Schotten gegen Haiti 90 Minuten auf der Bank saß, war Harry als Kapitän und Abwehrchef der Australier einer der Garanten für das überraschende 2:0 gegen die Türkei.