Deutscher Schachstar im Fokus: Blübaums historische Chance auf Zypern
Matthias Blübaum schreibt derzeit Schachgeschichte: Als erster Deutscher seit 35 Jahren hat sich der 28-jährige Großmeister für ein WM-Kandidatenturnier qualifiziert. In Pegia auf Zypern kämpft er seit dem Wochenende bis zum 16. April in insgesamt 14 Partien um das Recht, den indischen Schach-Weltmeister Dommaraju Gukesh herauszufordern.
Vom Talent zur Weltspitze: Blübaums außergewöhnlicher Aufstieg
Obwohl Blübaum mit Weltranglistenplatz 32 als krasser Außenseiter gilt, zeigt er sich ambitioniert: „Ich werde so lange um den ersten Platz mitspielen, wie ich kann“, erklärt der zweifache Europameister. Sein Weg begann bereits im Kindesalter, als er durch seinen Vater und seine älteren Schwestern zum Schachspiel fand. Bereits als Sechsjähriger bewegte er erste Figuren über das Brett und durchlief später die vom Deutschen Schachbund (DSB) geförderte „Prinzengruppe“ für Nachwuchstalente.
DSB-Sportdirektor Kevin Högy bezeichnet Blübaums Qualifikation als „riesige Leistung“ und betont das gestiegene mediale Interesse am deutschen Schachprofi. Auch Blübaums Eltern, die ihren Sohn jahrelang zu Turnieren chauffierten, äußern sich stolz: „Er hat uns immer wieder eines Besseren belehrt – bis heute“, sagt Vater Karl-Ernst, selbst Nachwuchstrainer.
Historischer Kontext und intensive Vorbereitung
Der letzte Deutsche in einem allgemein anerkannten Kandidatenturnier war 1991 der inzwischen verstorbene Robert Hübner. Blübaum löste sein Ticket für Zypern mit dem zweiten Platz beim FIDE Grand Swiss im September 2025 in Usbekistan – eine „Sternstunde fürs deutsche Schach“, wie der DSB damals kommentierte.
Für die Vorbereitung stellte Blübaum, normalerweise Einzelkämpfer, ein professionelles Team zusammen. Trainingscamps, detaillierte Gegneranalysen und die Unterstützung sogenannter Sekundanten gehören auf diesem Niveau zur Standardvorbereitung. Die Kosten für Personal, Reisen und Technologie sind beträchtlich: Insgesamt 86.000 Euro Unterstützung erhielt Blübaum vom Bundeskanzleramt, dem DSB, regionalen Verbänden und einer Crowdfunding-Aktion.
Herausforderungen und Perspektiven
Das WM-Kandidatenturnier gilt als eines der härtesten Schachevents überhaupt. Acht Spieler treten in einem doppelrundigen System gegeneinander an, wobei Blübaum auf jeden seiner sieben Gegner zweimal trifft. Neben mentaler Stärke benötigen die Teilnehmer auch körperliche Topverfassung – und für die 14 Partien entsprechend viele frische Hemden, wie Blübaum scherzhaft anmerkt.
Das Turnier bietet insgesamt 700.000 Euro Preisgeld, wobei der Sieger 70.000 Euro erhält und zusätzlich für jeden erzielten halben Punkt weitere 5.000 Euro. Für Blübaum, der bis 2022 noch Mathematik studierte und erst danach voll auf Schach setzte, stellt die Teilnahme bereits einen Karrierehöhepunkt dar. In Deutschland, wo Schach nur eine Nische besetzt, müssen Spieler dauerhaft zur Weltspitze gehören, um vom Denksport leben zu können.
Während der 21-jährige Vincent Keymer als Vierter der Weltrangliste der größte Star der deutschen Schachszene bleibt, rückt Blübaum nun als potenzieller WM-Herausforderer ins Rampenlicht. Ob er tatsächlich das Duell mit Weltmeister Gukesh erreicht, bleibt zwar unwahrscheinlich, doch allein die Teilnahme am Kandidatenturnier markiert einen historischen Erfolg für den deutschen Schachsport.



