EHC-Star Yasin Ehliz vor Playoff-Start: 'Ich hätte eigentlich die meisten Tore machen sollen'
Yasin Ehliz, der DEL-Rekordtorschütze und DEL-Rekordscorer des EHC Red Bull München, geht topfit und mit neuem Selbstvertrauen in die heiß ersehnten Playoffs. Im exklusiven Interview spricht der erfahrene Stürmer über den gewachsenen Titelhunger seiner Mannschaft, die defensive Stabilität als entscheidenden Erfolgsfaktor und die besondere Brisanz des anstehenden Derbys gegen den ERC Ingolstadt.
Körperliche Verfassung und späte Torgefahr
Yasin Ehliz blickt auf eine verletzungsfreie Saison zurück und betont: 'Ich hatte eigentlich die ganze Saison Glück, dass ich keine Wehwehchen hatte und verletzungsfrei durchgekommen bin.' Gegen Ende der Hauptrunde konnte der Offensivspieler noch wichtige Tore und Scorerpunkte sammeln, was sein Selbstvertrauen deutlich stärkte. 'Es ist gut, dass es noch gekommen ist', erklärt Ehliz und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: 'Ich habe die ganze Saison über extrem viele Torchancen liegen gelassen.'
Der 33-Jährige verweist auf die sogenannte Expected-Goals-Statistik, die das Verhältnis zwischen erzielten Treffern und der Anzahl der Großchancen misst. 'Da hat der Trainer Oliver David irgendwann mal gemeint, dass ich ligaweit auf eins stehe. Also ich hätte eigentlich die meisten Buden machen sollen, aber es ist halt einfach nichts reingefallen', gesteht Ehliz. 'Deswegen bin ich froh, dass es zum Schluss schon noch geklappt hat.'
Ausgangslage und gewachsener Titelhunger
Aus Sicht des Rekordschützen steht der EHC Red Bull München ausgezeichnet da vor dem Start der Playoffs. 'Ich denke ziemlich gut, weil jetzt viele Spieler, die verletzt oder krank waren, wieder zurückgekommen sind', analysiert Ehliz. 'Und das ist am Ende immer das Wichtigste, dass wir alle fit sind. Das haben wir 2023 gesehen, als wir Meister geworden sind, da waren wir auch fit. Man braucht dazu immer ein bisschen Glück.'
Nach der Meisterschaft 2023 folgten zwei Saisons, die die Erwartungen des EHC nicht vollständig erfüllen konnten. Nun wird innerhalb des Teams von einem größeren Hunger und einer anderen Gier gesprochen. Ehliz teilt diesen Eindruck voll und ganz: 'Absolut. Ich hatte auch das Gefühl, dass wir dieses Jahr Ruhe in der Kabine hatten. Wir haben uns wirklich auf die Dinge konzentrieren können, die wir machen wollten.'
Der Stürmer betont die entwickelte Mannschaftsstruktur: 'Und wir haben eine Struktur aufgebaut jetzt über die letzten Monate. Ich denke, das hat man auch auf dem Eis immer wieder gesehen, dass da eine Einheit steht – und das ist am Ende entscheidend, dass du als Einheit auftrittst, dass jeder weiß, was zu tun ist.'
Gewachsene Führungsrolle und defensive Stärke
In seiner bereits achten Saison beim EHC Red Bull München hat Yasin Ehliz nicht nur Rekorde gebrochen, sondern auch seine Führungsrolle kontinuierlich ausgebaut. 'Ich würde sagen, auf jeden Fall in einer Führungsposition', erklärt er. 'Es ist von Jahr zu Jahr immer mehr geworden, ich will auch Verantwortung übernommen. Wir haben das Glück, dass es hier nicht auf ein oder zwei Spieler ankommt, aber trotzdem will jeder diese Position haben und tut auch etwas dafür. Und das ist das, was uns am Ende auszeichnet.'
Als größte Stärke der Mannschaft identifiziert Ehliz das Teamspiel und die defensive Kompaktheit. 'Immer, wenn wir kompakt als Einheit gespielt haben, waren wir eigentlich unschlagbar', betont er. 'Irgendwann ab Oktober, November haben wir angefangen, defensiv brutal gut zu spielen. Das haben wir auch echt gut durchgezogen und es macht auch Spaß, dann zu sehen, dass der Gegner so ein bisschen verzweifelt, frustriert ist.'
Der erfahrene Spieler unterstreicht die Bedeutung der Defensive: 'Ich denke, das ist unser Spiel, dass wir einfach als Einheit auf dem Eis agieren. Man sagt immer, dass die Defensive Meisterschaften gewinnt, und wir haben wirklich viel Wert auf die Defensive gelegt, trotzdem aber auch Tore geschossen.'
Das Derby gegen Ingolstadt und die enge Spitze
Das anstehende Playoff-Duell gegen den ERC Ingolstadt betrachtet Ehliz mit besonderer Vorfreude. Von den vier Begegnungen in der Hauptrunde konnte der EHC drei für sich entscheiden. 'Das ist jetzt alles wieder vergessen und jetzt geht es wieder von null los', stellt der Stürmer klar. 'Es ist geil, dass wir ein Derby haben. Es ist geil, dass es nicht weit weg ist. Ingolstadt ist auch eine Top-Mannschaft, die spielen auch geiles Eishockey. Das wird einfach geile erste Runde für uns.'
Trotz der überragenden Hauptrunde der Kölner Haie, die als Tabellenerster in einer exponierten Rolle sind, sieht Ehliz keinen alles überstrahlenden Favoriten. 'Ich denke auch. Köln ist zwar erster geworden, aber Platz zwei, drei, vier, fünf, die sind so eng beieinander', analysiert er. 'Die ersten vier Mannschaften haben 100 oder über 100 Punkte erreicht, das gab es noch nie. Ingolstadt als fünfter war auch knapp an den 100 dran. Es ist unglaublich, wie eng das da oben ist, es kann wirklich jeder jeden schlagen.'
Am Ende komme es wie immer auf die Kleinigkeiten an, dass alle Spieler gesund bleiben und mental klar seien.
Perspektive für die Zukunft
Mit 33 Jahren gehört Yasin Ehliz bereits zu den erfahreneren Spielern der DEL, doch ein Karriereende ist für ihn noch nicht in Sicht. 'Ein Limit habe ich mir noch gar nicht gesetzt', erklärt der Stürmer. 'Ich denke, ich mache es einfach, solange es mir Spaß macht und ich mich gut fühle. Wie weit es am Ende geht, weiß ich nicht.'
Ehliz verweist auf die veränderte Alterswahrnehmung im Profisport: 'Früher hat man ja gesagt, Spieler zwischen 30 und 35 sind im Top-Alter. Mittlerweile heißt es, wenn du 20 bis 25 bist.' Als positives Beispiel nennt er Teamkollege Patrick Hager: 'Wenn ich den Hagi sehe, der ist der Älteste, aber er ist so wichtig für uns, auch mit der Erfahrung, die er in den Zweikämpfen hat. Das ist so ein typischer Spieler, wo du weißt, der bleibt da drin im Zweikampf, bis der Gegner keinen Bock mehr hat – und wir sind froh, dass wir ihn bei uns haben.'



