Die Könige der Wasserrutsche: Köhnke-Familie dominiert deutschen Wettkampfsport
Köhnke-Familie: Die ungekrönten Könige der Wasserrutsche

Die ungekrönten Herrscher der Wasserrutsche

Zwei Männer stehen konzentriert auf der Rutschenplattform, die Füße im seichten Wasser, die Hände fest um die Startstange geklammert. Kein Wort wird gewechselt, kein Lächeln ist zu sehen – nur absolute Fokussierung. Dann beginnt der Countdown, und Sekunden später schießen sie in die engen Röhren der Wettkampfrutsche. Was für viele nach einfachem Badespaß aussieht, ist für die Familie Köhnke aus Wedel in Schleswig-Holstein ernsthafter Leistungssport auf höchstem Niveau.

Eine Dynastie im Wasserrutschen

Cedric Köhnke, gerade 20 Jahre alt, ist der amtierende Deutsche Meister im Wettrutschen – bereits zum dritten Mal in Folge ließ er etwa 100 Konkurrenten hinter sich. Seine härtesten Gegner findet der junge Athlet jedoch nicht auf nationalen Wettkämpfen, sondern am heimischen Esstisch: Vater Andreas (56), selbst mehrfacher Titelträger, und der 15-jährige Bruder Lenius, der aktuell mächtig an Tempo zulegt. Alle drei Familienmitglieder haben bereits zahlreiche Titel gesammelt – bei Stadtmeisterschaften, Landeswettbewerben und auf Bundesebene.

Das Trio trainiert regelmäßig im SaLü, dem Erlebnisbad in Lüneburg in Niedersachsen. Hier üben sie auf einer speziellen 140 Meter langen Wettkampfrutsche, die sich wie eine weiße Spirale windet. Den offiziellen Bahnrekord hält Familienvater Andreas mit beeindruckenden 17,91 Sekunden für die gesamte Strecke.

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Die Wissenschaft des schnellen Rutschens

Wer in dieser Disziplin Spitzenleistungen erbringen will, benötigt weit mehr als nur Mut – es geht um präzise Technik. „Man soll die Rutsche und das Wasser mit möglichst wenig Körperfläche berühren“, erklärt Cedric Köhnke das Erfolgsgeheimnis. Die Familie setzt auf die sogenannte Dreipunkttechnik: Schulterblätter werden herausgedrückt, eine Ferse bleibt oben positioniert – der restliche Körper schwebt praktisch über der Bahn.

Wer diese Technik perfekt beherrscht, erreicht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 35 Kilometern pro Stunde. Doch Technik allein genügt nicht – der Körperbau spielt eine entscheidende Rolle. „Mindestens 1,90 Meter groß, mindestens 100 Kilo. Unsere Statur ist da ein Geschenk“, sind sich alle drei Köhnkes einig.

Körperspannung als Schlüssel zum Erfolg

Das Gewicht allein macht jedoch noch keinen Meisterrutschner. Wer nicht die notwendige Körperspannung über die gesamte Strecke aufrechterhalten kann, verliert wertvolle Geschwindigkeit. „Man muss die Haltung über die ganze Strecke halten – besonders am Hintern. Der muss mindestens 20 Zentimeter über der Rutsche bleiben“, betont Andreas Köhnke. Seine Methode: „Ich presse und halte die Luft an. Das ist verdammt anstrengend.“

Auch bei der Bekleidung setzt die Familie auf Professionalität. Obwohl jede Badebekleidung zugelassen ist, tragen die Köhnkes konsequent Speedos. „Fürs Gefühl – und falls technisch mal etwas schiefgeht“, erklärt der jüngste der drei, Lenius.

Eine Familiengeschichte voller Titel

Die Rutschleidenschaft begann bereits bei Familienvater Andreas, der in seiner Jugend im Aschbergbad in Hamburg seine ersten Wettkämpfe bestritt – damals noch gemeinsam mit seinem Bruder. „Ich bin da quasi reingerutscht. Der Preis war damals eine Freikarte fürs Schwimmbad“, erinnert er sich mit einem Lachen. Fußball kam für ihn nie in Frage: „Das machen doch ohnehin alle. Mich hat sofort das Rutschen-Fieber gepackt.“

Diese Leidenschaft gab er an seine Kinder weiter. Auch Tochter Lisanne (22) war in ihrer Jugend erfolgreich und gewann einen Titel nach dem anderen, hat den Sport jedoch inzwischen aufgegeben: „Zu zeitintensiv“, begründet sie ihre Entscheidung.

Der Traum von europäischer Anerkennung

Die drei Männer der Familie sind fast jedes Wochenende unterwegs. Sie testen Rutschen in ganz Deutschland, treten bei Stadtmeisterschaften an – immer als eingespieltes Trio. „So eine Rutsch-Familie wie uns gibt’s kein zweites Mal“, stellt Andreas Köhnke mit berechtigtem Stolz fest.

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Ein großer Traum bleibt jedoch noch unerfüllt: eine Europameisterschaft im Wettrutschen. „Das wär’s!“, sagt Cedric mit leuchtenden Augen. Denn alle anderen Pokale haben sie längst – sicher verwahrt im Trophäenraum im Keller ihres Hauses in Wedel. Deutscher Meister, Norddeutscher Meister, Stadtmeister – es gibt kaum einen Titel im Wettrutschen, den nicht mindestens ein Mitglied der Familie Köhnke bereits errungen hat.