Osterreiter-Prozessionen in der Oberlausitz ziehen bei frühlingshaftem Wetter Tausende Zuschauer an
Das traditionelle Osterreiten der Sorben hat in der sorbischen Oberlausitz am Ostersonntag einen wahren Ansturm von Schaulustigen ausgelöst. Bei frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein folgten an den einzelnen Orten jeweils mehrere Tausend Zuschauer dem beeindruckenden Ritual, das die Botschaft von der Auferstehung Christi in die Nachbarpfarreien trägt. Die Polizei meldete bis zum frühen Nachmittag einen reibungslosen Ablauf ohne nennenswerte Zwischenfälle.
Festlich geschmückte Ross und Reiter verkünden Osterbotschaft
Die Osterreiter, auf Sorbisch als křižerjo (Kreuzreiter) bezeichnet, bewegten sich auf festlich geschmückten Pferden durch die Region. Insgesamt waren neun Prozessionen aus acht katholischen Pfarrgemeinden und dem Kloster St. Marienstern unterwegs, die zwischen Kamenz (Kamjenc), Hoyerswerda (Wojerecy) und Bautzen (Budyšin) verliefen. Rund 1.500 Reiter nahmen an den feierlichen Umzügen teil, bei denen Choräle und Gebete vorwiegend in sorbischer Sprache vorgetragen wurden.
Die Reiter trugen dabei die traditionelle schwarze Kleidung mit Zylindern, Gehröcken und weißen Handschuhen, während auch die Pferde mit kunstvollem Schmuck versehen waren. Unter dem feierlichen Geläut der Kirchenglocken führte jede Prozession von der Heimatkirche um die Felder bis ins nächste Dorf, wobei ausschließlich Männer im Sattel sitzen durften.
Uralte Tradition mit vorchristlichen Wurzeln
Nach Angaben des Bistums Dresden-Meißen finden solche Prozessionen hoch zu Ross in dieser Region bereits seit Ende des 15. Jahrhunderts statt. Die Wurzeln des Brauches reichen jedoch wahrscheinlich noch weiter zurück bis in vorchristliche Zeiten. Ursprünglich glaubte man, durch feierliche Ritte um die Felder die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen zu können. Unter dem zunehmenden Einfluss des Christentums entwickelte sich dieser Brauch dann zu den heutigen christlichen Prozessionen, die die Osterbotschaft verkünden.
Kulturelle Bedeutung und touristische Anziehungskraft
Sachsens Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) betonte die besondere Bedeutung des Osterfestes als Ausdruck kultureller Identität und lebendiger Traditionen im Freistaat: „Ostern mit seinen zahlreichen Traditionen und Bräuchen spielt in Sachsen eine wichtige kulturelle Rolle. Besonders bekannt sind die sorbischen Osterbräuche wie das kunstvolle Verzieren von Ostereiern und das Osterreiten.“ Das Osterfest ziehe jedes Jahr tausende Besucher nach Sachsen, die die einzigartige Atmosphäre dieser Traditionen persönlich miterleben möchten.
Zu den weiteren sorbischen Osterbräuchen zählen neben dem Osterreiten auch das Ostersingen oder Passionssingen, das Entzünden von Osterfeuern, das Holen von Osterwasser, das traditionelle Eierschieben in Bautzen sowie das kunstvolle Verzieren von Ostereiern mit komplexen Mustern und Symbolen. Diese vielfältigen Bräuche tragen wesentlich zur kulturellen Vielfalt und touristischen Attraktivität der Region bei.



