Luftrettungsreform in Sachsen-Anhalt: Magdeburg wird 24/7-Standort, Altmark bleibt ohne Hubschrauber
Nach jahrelangen Diskussionen hat das Innenministerium Sachsen-Anhalt nun konkrete Pläne für die Reform der Luftrettung vorgelegt. Während Magdeburg einen nachtflugfähigen Rettungshubschrauber im 24/7-Betrieb erhält, geht die Altmark trotz früherer Hoffnungen leer aus. Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Mit der Ausweitung des Rettungshubschraubers am Standort Magdeburg auf einen 24/7-Betrieb wird die notärztliche Versorgung des nördlichen Landesteils in den Nachtstunden erheblich verbessert.“
Die aktuelle Situation der Luftrettung in Sachsen-Anhalt
Derzeit stehen in Sachsen-Anhalt drei Rettungshubschrauber zur Verfügung: zwei in Oppin bei Halle („Christoph Sachsen-Anhalt“ und „Christoph Halle“) sowie einer in Magdeburg („Christoph 36“). Bisher ist jedoch nur „Christoph Sachsen-Anhalt“ rund um die Uhr einsatzfähig, während die anderen beiden Hubschrauber lediglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang operieren. Im vergangenen Jahr wurden diese drei Hubschrauber insgesamt 2.318 Mal alarmiert.
Zusätzlich werden die Menschen in Sachsen-Anhalt bei Notfällen durch acht weitere Rettungshubschrauber aus benachbarten Bundesländern versorgt. Im Notfall wird stets der nächstgelegene Rettungshubschrauber alarmiert. Innenministerin Zieschang erklärte dazu: „Im Tagesbetrieb werden im Norden des Landes auch weiterhin fünf Rettungshubschrauber im Einsatz sein und alle nördlichen Landkreise vollständig abdecken. Im Süden des Landes sind weiterhin vier Rettungshubschrauber im Tagesbetrieb im Einsatz.“
Gutachten-Empfehlungen und gescheiterte Verlegungspläne
Gesundheitsexperten hatten in einem Gutachten empfohlen, den in Magdeburg stationierten Hubschrauber auf einen 24/7-Betrieb umzustellen. Zudem schlugen sie vor, den Standort von Magdeburg weiter nordwestlich in den Bereich Haldensleben im Landkreis Börde zu verlegen. Diese Verlegung wird jedoch nicht umgesetzt.
Das Innenministerium begründet dies mit erheblichen praktischen Umsetzungsschwierigkeiten. Dazu zählen eine fehlende luftfahrtrechtliche Genehmigung, nicht vorhandene Infrastruktur und mangelndes notärztliches Personal. „Nach intensiver Prüfung und vielen Gesprächen mit allen relevanten Akteuren musste von dieser Empfehlung Abstand genommen werden“, so das Ministerium.
Warum die Altmark keinen eigenen Hubschrauber erhält
In der Altmark, insbesondere in Stendal, hatte man sich Hoffnungen auf einen eigenen Rettungshubschrauber gemacht. Die Gutachter rieten jedoch davon ab, da ihrer Einschätzung nach dadurch Versorgungsengpässe in anderen Landesteilen entstehen könnten. Diese Position teilen auch die Krankenkassen, die den Rettungsdienst grundsätzlich finanzieren.
Eine Sprecherin der AOK Sachsen-Anhalt erklärte deutlich: „Es sei nicht sinnvoll, einen Hubschrauber in der Altmark zu stationieren. Der Bedarf ist schlichtweg nicht vorhanden.“ Damit bleiben die bisherigen Strukturen erhalten, bei denen die Altmark durch Hubschrauber aus Magdeburg und benachbarten Bundesländern versorgt wird.
Zukunftspläne und Ausschreibungsverfahren
Das Landesverwaltungsamt soll nun eine europaweite Ausschreibung für drei Rettungshubschrauber vorbereiten. Diese umfasst:
- Zwei Hubschrauber am Standort Oppin bei Halle, von denen einer im 24-Stunden-Betrieb und der andere tagsüber im Einsatz sein soll
- Einen Hubschrauber im 24/7-Betrieb am Standort Magdeburg
Wann genau der in der Landeshauptstadt Magdeburg stationierte Hubschrauber rund um die Uhr zur Verfügung stehen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Mit dieser Reform wird Sachsen-Anhalt nach Angaben von Innenministerin Zieschang jedoch über eine der besten nächtlichen Versorgungen mit Rettungshubschraubern bundesweit verfügen.



