100 Stunden Einsatz für Timmy: Vorpommerscher Reeder rettet gestrandeten Ostsee-Buckelwal
Vorpommerscher Reeder rettet gestrandeten Ostsee-Buckelwal

Spektakuläre Rettungsmission in der Ostsee

Martin Bocklage, ein 42-jähriger Reeder aus Altwarp in Vorpommern-Greifswald, hat seinen regulären Fährbetrieb auf dem Stettiner Haff eingestellt, um sich einer außergewöhnlichen Mission zu widmen: der Rettung des gestrandeten Buckelwals Timmy. Der Unternehmer, der neben der Fährverbindung zwischen Altwarp und Nowe Warpno auch das Fahrgastschiff Weiße Muschel in Prenzlau betreibt, eilte mit seinem Schlepper Robin Hood nach Wismar in Nordwestmecklenburg.

Vorbereitungen für den Großeinsatz

Seit Sonntag liegt Bocklages Schlepper Robin Hood mit Heimathafen Stralsund in der Ostsee vor Wismar vor Anker und ist bereit für den Spezialeinsatz. Der Auftrag lautete, den mehr als zwölf Meter langen Meeressäuger in die Nordsee zu schleppen – eine Operation, für die der erfahrene Kapitän etwa 100 Stunden veranschlagt hatte. Normalerweise transportiert seine Crew mit dem knapp 27 Meter langen und mit 900 Pferdestärken motorisierten Schlepper Windmühlenteile und Last-Pontons.

Die Robin Hood war bereits im Januar öffentlich in Erscheinung getreten, als sie den vor Kühlungsborn in Brand geratenen Tanker Annika in den Rostocker Hafen schleppte. Nun sollte das robuste Schiff einem ganz anderen Zweck dienen.

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Überraschende Wendung der Ereignisse

Der bereits am 31. März vor Poel gestrandete Buckelwal hatte sich jedoch am Montagmorgen überraschend selbst aus dem Schlick befreit. Gestiegener Wasserstand und starker Wind halfen dem Tier, durch die Wismarbucht zu schwimmen. Diese unerwartete Entwicklung stellte Martin Bocklage vor eine neue Situation: War seine Aufgabe damit beendet, bevor sie richtig begonnen hatte?

Im Laufe des Montags blieb dies unklar. Offenbar hielt sich der Kapitän weiterhin bereit für den Fall, dass er auf der Ostsee gebraucht wird. „Mein Mann hat den Auftrag bekommen und ist vor Ort“, teilte seine Frau Christine Bocklage gegen 10.30 Uhr mit. „Wir haben großen Respekt davor.“

Unternehmerische Konsequenzen der Rettungsaktion

Die Reederei mit Hauptsitz in Altwarp meldete auf ihrer Internetseite, dass der Fährbetrieb mit dem Kutter Lütt Matten in Vorpommern bis zum 26. April „aufgrund der Wal-Rettung“ geschlossen bleibt. „Wir planen den Stillstand für unsere Fährverbindung erstmal eine Woche ein“, erklärte Christine Bocklage. „Es ist für uns eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, und wir bitten um Verständnis.“

Für Familie Bocklage kommt die Wal-Rettung in einer bereits schwierigen Phase: Der Fährbetrieb auf dem Stettiner Haff war zuletzt ins schwierige Fahrwasser geraten, weil im Spätsommer wegen der in Polen wieder eingeführten Grenzkontrollen vor allem Radtouristen „fast komplett weggeblieben“ waren.

Breite Unterstützung aus der Bevölkerung

Die geplante Rettungsaktion stieß auf enorme öffentliche Resonanz. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens sammelte die Ankündigung mehr als 360 Gefällt-mir-Angaben und 114 Kommentare – Werte, die die Reederei sonst nicht erreicht. Aus vielen Teilen Deutschlands und sogar aus Österreich gingen Danksagungen und Glückwünsche für die „Mission Hope“ ein.

„Na dann gutes Gelingen und viel Erfolg“, wünschte Fährmann-Kollege Thomas Voigtländer vom Schmalen Luzin in Feldberg. Die Segelschule Altwarp kommentierte: „Martin kann da sehr gut unterstützen. Ob es klappt, hängt von vielen Faktoren ab, aber Martin und Crew schaffen das.“

Der ursprüngliche Rettungsplan

Der ausgearbeitete Plan vor Wismar hatte vorgesehen, den Wal mittels Luftkissen anzuheben, auf ein zwischen Pontons gespanntes Netz zu hieven und ihn im Schritttempo in die Nordsee – vielleicht sogar bis in den Atlantik – zu ziehen. Martin Bocklage hatte der Bildzeitung am Wochenende bestätigt: „Ich freue mich auf diese neue Herausforderung und warte, dass es endlich losgeht.“

Dem Nachrichtenportal News 5 sagte der Kapitän am Sonntag: „Das ist etwas ganz Seltenes. Normalerweise schleppt man keine Wale ins Wasser.“ Auf seiner Facebook-Seite informierte „euer Käpt'n Lütt Matten“: „Wir drücken die Daumen, dass die Rettung ein gutes Ende nimmt. Wir bitten um Verständnis.“

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Über den weiteren Verlauf der Rettungsaktion wussten sowohl Martin als auch Christine Bocklage selbst nicht Bescheid. Der Kapitän war zunächst nicht zu sprechen – zu sehr nahm ihn der Einsatz für den Wal in Anspruch. Die Reederei und ihre Crew bleiben jedoch in Bereitschaft, falls ihre Hilfe auf der Ostsee doch noch benötigt wird.