Ostsee-Drama: Gestrandeter Buckelwal atmet schwächer - Demonstranten stören Rettungsversuch
Wismar • Das Drama um den in der Wismarbucht gestrandeten Buckelwal nimmt eine bedrohliche Wendung. Nach Angaben des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern atmet das Tier im Vergleich zu den vergangenen Tagen deutlich schwächer. Fachleute untersuchen derzeit, ob eine neu beobachtete Zwischenatmung ein Anzeichen für ein nahes Ableben sein könnte.
Gesundheitszustand verschlechtert sich kontinuierlich
Eine Sprecherin des Ministeriums betonte, dass es keinerlei Hinweise auf eine Stabilisierung des Gesundheitszustandes gebe. Zwar wurden leichte Bewegungen der Schwanzflosse registriert, doch nach fachlicher Einschätzung deutet dies nicht auf eine gesundheitliche Verbesserung hin. Der Wal liegt bereits seit dem 31. März in der flachen Bucht vor der Insel Poel und kämpft um sein Überleben.
Spontaner Rettungsversuch mit Walgesängen scheitert
Am Samstag unternahmen Experten einen ungewöhnlichen Rettungsversuch, der zuvor mit dem deutschen Meeresmuseum abgestimmt worden war. Unter Wasser wurden die eigenen Walgesänge des Tieres abgespielt, in der Hoffnung, den Buckelwal zur Selbstbefreiung zu motivieren. Doch der Mobilisierungsversuch blieb erfolglos - das Tier reagierte nicht auf die akustischen Signale.
Eigentlich waren die Rettungsbemühungen bereits am 1. April eingestellt worden, um den verletzten Wal in Frieden gehen zu lassen, wie Umweltminister Till Backhaus (SPD) mitgeteilt hatte. Die Entscheidung für den erneuten Versuch am Samstag fiel aufgrund der starken Walgesänge in den Nächten zuvor, die Hoffnung auf eine Besserung gemacht hatten.
Demonstrationen und Grenzüberschreitungen
Parallel zu den Rettungsbemühungen formierte sich breiter öffentlicher Protest. Im Hafen von Wismar bildeten etwa 150 Menschen eine symbolische Menschenkette, um für die Rettung des Meeressäugers zu demonstrieren. Auf der Insel Poel versammelten sich am Kirchdorfer Hafen weitere 170 Personen mit gleicher Intention.
Die emotionale Lage eskalierte, als mehrere Menschen die gesperrte Schutzzone betraten und teilweise bis zum Ufer vordrangen. Erst als sie bemerkten, dass gerade ein Rettungsversuch im Gange war, verließen sie das Gebiet wieder. Nach diesem Vorfall wurde die Walwacht personell verstärkt, um weitere Störungen zu verhindern.
Anhaltende Proteste und ungewisse Zukunft
Die Proteste halten an: Am Sonntag fand von 12 bis 16 Uhr erneut eine Versammlung am Hafen in Kirchdorf auf Poel statt, bei der zunächst 80 Menschen anwesend waren. Die Situation bleibt angespannt, während der Gesundheitszustand des Wals sich weiter verschlechtert und die Rettungsoptionen schwinden.
Die Behörden stehen vor der schwierigen Aufgabe, zwischen tierärztlichen Erwägungen, Artenschutz und dem emotionalen öffentlichen Interesse abzuwägen. Für den Buckelwal in der Wismarbucht tickt indes die Uhr unaufhaltsam weiter.



