Gestrandeter Buckelwal vor Wismar: Letzte Ruhe für den Meeressäuger
Die dramatischen Rettungsversuche für den in der Ostsee vor Wismar gestrandeten Buckelwal werden eingestellt. Nach tagelangen Bemühungen von Experten und Meeresschützern steht nun fest: Der Meeressäuger hat kaum noch Überlebenschancen. Das Tier liegt in der Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht, und soll an seinem jetzigen Liegeplatz in Ruhe gelassen werden.
„Er hat seine Chance gehabt“ – Ein emotionaler Abschied
„Wir gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt“, erklärte Burkard Baschek, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Meeresmuseums. Die Aussichten, dass der Wal noch frei komme, seien extrem gering. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sprach von einem sehr emotionalen Tag: „Wir haben alles unternommen, um ihm seine Chance zu geben. Das ist eine einzigartige Tragödie.“
Der Minister betonte, dass sich der Wal viermal festgelegt habe – ein deutliches Signal, dass er seine Navigation verloren habe. Nun soll das Tier in seinen letzten Stunden maximalen Frieden finden. Dazu wurde eine Sperrzone von 500 Metern eingerichtet, die streng kontrolliert wird. Auch Drohnenflüge sind untersagt, Verstöße werden als Ordnungswidrigkeit geahndet.
Zustand des Wals verschlechtert sich dramatisch
Laut Baschek hat sich der Gesundheitszustand des Buckelwals deutlich verschlechtert:
- Die Atemfrequenz ist sehr unregelmäßig, mit Atemzügen im Abstand von über vier Minuten
- Die Brustflossen liegen nah am Körper angelegt
- Die Reaktion auf menschliche Präsenz ist quasi null
- Der Wasserstand in der Bucht sinkt weiter um 10-15 Zentimeter
„Wir müssten ihn so massiv animieren, was aussichtslos wäre, weil er die Kraft nicht mehr hat“, so Baschek. Die Erfolgschancen seien so minimal, dass weitere Rettungsversuche als reine Tierquälerei empfunden würden. Realistisch gesehen habe der Wal am Morgen um 6 Uhr seine letzte Chance gehabt – die er nicht nutzen konnte.
Greenpeace-Experten: Ein Spiegel der Meeresproblematik
Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack nutzte die vermutlich letzte Pressekonferenz in Wismar für ein eindringliches Plädoyer für großflächige Meeresschutzgebiete. Die Situation des Wals sei ein Spiegel dessen, was Menschen mit den Ozeanen gemacht hätten: industrielle Verschmutzung, Verseuchung und Überfischung. Es gebe nur zarte Ansätze, der Meeresnatur tatsächlich Flächen zu schaffen, wo sie sich selbst überlassen bleibe.
Die Greenpeace-Experten waren in den letzten Tagen nahezu rund um die Uhr im Einsatz. Zuletzt hatten sie versucht, den Wal davon abzuhalten, in die Kirchsee-Bucht zu schwimmen – vergeblich.
Einmonatige Odyssee durch die Ostsee
Die Geschichte des Buckelwals begann bereits Anfang März:
- Erste Sichtungen im Hafen von Wismar
- Strandung auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein in der Nacht zum 23. März
- Befreiung durch Helfer, die eine Rinne aushoben
- Erneute Sichtung vor Wismar am Samstag
- Endgültiges Festsitzen in der Kirchsee-Bucht
Laut Greenpeace ist die Liegeposition besonders ungünstig, da das Wasser in der Umgebung sehr flach und die Bucht sehr verwinkelt ist.
Was nach dem Tod des Wals geschieht
Sollte der Wal verenden, wie es Experten erwarten, wird sein Kadaver nach Stralsund zum Deutschen Meeresmuseum gebracht. Dort unterhält die Forschungseinrichtung eine Spezialabteilung für Meeressäuger. Umweltminister Backhaus betonte jedoch ausdrücklich, dass es nicht darum gehe, ein Skelett für das Museum zu gewinnen, sondern allein darum, die Todesursache des Wals wissenschaftlich zu bestimmen.
Die Geschichte des gestrandeten Buckelwals bleibt eine traurige Mahnung für den Zustand unserer Meere und die Grenzen menschlicher Rettungsbemühungen in der Natur.



