Taxipreise in Mecklenburgischer Seenplatte steigen ab Mai deutlich an
Taxipreise in Mecklenburgischer Seenplatte steigen

Taxifahrten in Mecklenburgischer Seenplatte werden deutlich teurer

Wer ab dem 1. Mai im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ein Taxi benötigt, muss sich auf spürbar höhere Kosten einstellen. Eine neue Kreisverordnung regelt die Beförderungsbedingungen im Taxiverkehr des flächenmäßig größten Landkreises Deutschlands und führt zu teilweise erheblichen Preisanpassungen. Die letzte Tarifanpassung erfolgte im November 2022, sodass die neue Verordnung nach über dreieinhalb Jahren eine längst fällige Korrektur darstellt.

Konkrete Preiserhöhungen im Detail

Der Grundpreis für Taxifahrten bleibt zwar unverändert bei 4 Euro werktags beziehungsweise 4,50 Euro nachts sowie an Sonn- und Feiertagen. Doch bei den Kilometerpreisen kommt es zu merklichen Steigerungen:

  • Für den ersten und zweiten Kilometer sind künftig 30 Cent mehr zu zahlen.
  • Der dritte und vierte Kilometer kosten werktags 3,20 Euro statt bisher 2,50 Euro, nachts sowie an Feiertagen und sonntags 3,50 Euro statt 2,70 Euro.
  • Jeder weitere Kilometer wird mit 3 Euro werktags (bisher 2,20 Euro) beziehungsweise 3,20 Euro nachts und an Feiertagen (bisher 2,50 Euro) berechnet.

Zusätzlich erhöhen sich weitere Positionen: Auftragsbedingte Wartezeiten schlagen mit 50 Euro zu Buche, was einer Steigerung von 10 Euro entspricht. Der Zuschlag für Großraumtaxis ab dem fünften Fahrgast wird um einen Euro angehoben. Erstmals wird ein Zuschlag von 17,50 Euro fällig, wenn Rollstuhlfahrer mit einem speziellen Rückhalte- und Verladesystem befördert werden.

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Branche begrüßt Anpassung als überfällig

Die Taxiunternehmen zeigen sich mit der neuen Verordnung ausgesprochen zufrieden. „Die Tarifanpassung ist aufgrund der schrittweisen Mindestlohnerhöhungen dringend notwendig, um weiterhin kostendeckend arbeiten zu können“, erklärt Nadja Sabielny aus Waren (Müritz), stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes des Taxigewerbes. Die Kostenbelastung für die Betriebe sei enorm, was nicht allein auf die deutlich gestiegenen Spritpreise zurückzuführen sei.

Laut Sabielny hatte die Kreisverwaltung in den vergangenen Monaten die Stimmungslage bei den Taxiunternehmen sondiert und durchweg positive Rückmeldungen erhalten. Mit den neuen Tarifen bestehe für die kommenden vier bis fünf Jahre „eine verlässliche Grundlage“. Der Verband weist darauf hin, dass das Taxigewerbe im Gegensatz zum Öffentlichen Personennahverkehr keine finanzielle Unterstützung erhalte, sodass steigende Kosten zwangsläufig an die Fahrgäste weitergegeben werden müssten.

Mittelfristige Planungssicherheit für Unternehmen

„Die neuen Taxipreise sind auskömmlich und entsprechen endlich den drastisch gestiegenen Fixkosten“, betont Peggy Dröse vom Fahrteam Dröse aus Friedland. Von der Fahrzeuganschaffung über Wartung und Unterhalt bis hin zu den Personalkosten hätten die Unternehmen in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Steigerungen hinnehmen müssen, zu denen nun auch deutlich erhöhte Spritkosten hinzukämen. Daher sei eine Tarifanpassung leider unausweichlich.

Dröse äußert die Hoffnung, dass die nun festgelegten Preise für einige Jahre Sicherheit in der Kalkulation ermöglichen. Gleichzeitig lobt sie die Kreisverwaltung, die vier Jahre nach der vorherigen Verordnung nun zügig auf die Nöte der Branche reagiert habe.

Offener Streit mit Krankenkassen bleibt ungelöst

Allerdings nutzt Dröse die Gelegenheit, erneut gleiches Verständnis von den Krankenkassen einzufordern. Noch immer sei eine auskömmliche Vergütung von Patientenfahrten in Mecklenburg-Vorpommern nicht erreicht. Die Taxiunternehmen seien den Krankenkassen bereits weit entgegengekommen, müssten aber genau wie bei den normalen Fahrtarifen wirtschaftlich kostendeckende Fahrentgelte ansetzen. „Unsere Kunden zeigen viel Verständnis in der momentanen Situation, das macht uns Mut, uns auch weiterhin für eine gerechte Lösung einzusetzen“, so Dröse.

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Seit dem 1. April existiert kein gültiger Tarifvertrag mehr zwischen den Taxiunternehmen und den Krankenkassen, nachdem die Tarifgespräche im März zunächst gescheitert waren. Nach wochenlangen Protesten vieler Taxifahrer – Anfang April hatten etwa 200 Taxiunternehmen eine Protestfahrt durch Schwerin vor die Zentralen der Krankenkassen unternommen – hatten sich beide Seiten zuletzt angenähert, aber noch keine Einigung erzielt. Die jüngste Forderung des Taxi-Landesverbandes lag bei 2,20 Euro je Kilometer für Krankenfahrten, während die Kassen zuletzt 2,10 Euro je Kilometer anboten.

Die Taxiunternehmen müssen ihre Taxameter innerhalb von zwei Monaten nach Inkrafttreten der Verordnung auf den neuen Tarif umstellen und sich innerhalb des Kreises strikt an diese behördlich festgelegten Preise halten.