Spritpreise schnellen pünktlich zur Mittagsstunde in die Höhe
Seit diesem Mittwoch gelten an deutschen Tankstellen neue Regeln: Die Preise für Benzin und Diesel dürfen nur noch einmal täglich erhöht werden, und zwar genau um 12 Uhr mittags. Diese Veränderung führte in der Region Mecklenburgische Schweiz zu ungewöhnlichen Szenen und rasanten Preissprüngen an den Zapfsäulen.
Autofahrer beobachten den Preissprung live
Karl-Heinz Fogger aus Malchin kam am Mittwoch gleich zweimal zur Aral-Tankstelle. Um 11.45 Uhr tankte er noch einen Zehn-Liter-Kanister zum alten Preis von 2,20 Euro pro Liter Super. Eine halbe Stunde später kehrte er zurück, um seinen Mercedes vollzutanken – diesmal kostete der Liter bereits 2,26 Euro. „Ich wollte einfach mal sehen, was um 12 Uhr passiert“, erklärte Fogger. Noch deutlicher war der Anstieg beim Diesel, der pünktlich zur Mittagsstunde von 2,26 auf 2,43 Euro pro Liter hochschnellte.
Neue Regelung bringt Gewohnheiten durcheinander
Die einmalige tägliche Preiserhöhung um 12 Uhr stellt alte Gewohnheiten der Autofahrer auf den Kopf. Bisher galt oft der Abend als günstigste Tankzeit. Künftig wird der Sprit kurz vor der Mittagszeit am preiswertesten sein, während er nach 12 Uhr voraussichtlich am teuersten sein wird. Allerdings dürfen die Preise im Laufe des Tages auch wieder sinken – wie stark und ob überhaupt, bleibt abzuwarten.
Gemischte Reaktionen in der Bevölkerung
Eckhard Baß aus Stavenhagen sieht den Staat in der Pflicht: „Der Staat müsste die Steuern senken, das würde helfen. Ich fahre hier nicht zum Spaß, sondern bin beruflich unterwegs.“ Narek Markowska fotografierte die neuen Preise und schickte das Bild nach Armenien – die Antwort kam prompt: Was denn in Deutschland los sei?
Maria Schmidt, Viehtransporterin aus Lalendorf, tankte kurz vor der Preiserhöhung, allerdings nicht wegen der neuen Regelung: „Ich muss dann an die Tankstelle, wenn ich keine Tiere im Auto habe.“ Sie hatte Diesel am Morgen in Grimmen noch für 2,30 Euro getankt, an der AVIA Tankstelle Lalendorf kostete er kurz vor 12 Uhr bereits 2,38 Euro.
Massive Preissprünge in der gesamten Region
Die Preisexplosion zur Mittagsstunde war kein Einzelfall. An der freien Tankstelle Neukalen stieg der Dieselpreis innerhalb einer Stunde von 2,28 auf 2,42 Euro pro Liter. Super-Benzin verteuerte sich in der Peenestadt im selben Zeitraum um 10 Cent auf 2,24 Euro.
Ulrike Kitta aus Teterow zeigt sich resigniert: „Es läuft insgesamt etwas aus dem Ruder bei uns im Land.“ Glücklicherweise könne sie ihr Fahrrad für Arbeitsfahrten nutzen. „Wenn ich aber täglich, so wie heute in den Urlaub, diese Strecke nach Rostock zur Arbeit müsste, hallelujah!“
„Die Erhöhung ist eine Frechheit“
Jana Blehk aus Teterow musste kurz nach 12 Uhr tanken, weil sie bereits auf Reserve gefahren war. „Ich habe aber nur für 15 Euro getankt“, erklärte sie mit Blick auf die Preistafel, wo Super nach der Erhöhung 2,24 Euro kostete – zuvor waren es 2,18 Euro gewesen. „Die Erhöhung ist eine Frechheit“, findet Blehk. Für Pendler wie ihre Tochter seien die hohen Spritpreise eine enorme Belastung. Sie erwartet, dass es zu Ostern noch teurer wird.
Beobachtungen und Spekulationen
Friedrich Mann aus Dahmen tankte kurz vor zwölf Uhr Diesel zu rund 2,39 Euro pro Liter. Er blieb an der Teterower Aral-Tankstelle, um die Preisentwicklung zu verfolgen. „Allzu viel habe ich nicht getankt, weil ich davon überzeugt bin, dass die Preise am Nachmittag wieder runtergehen werden“, sagte Mann. In seinen Augen hätte die einmalige Preiserhöhung schon viel früher kommen müssen, da man dann wüsste, dass es danach nur billiger werden könne. Der vorherige Zustand sei ein reines Hin und Her gewesen.
Allerdings glaubt Mann nicht, dass sich die Konzerne von der neuen Regelung beeindrucken lassen. Er erwartet zu Ostern eine noch größere Preiserhöhung an den Tankstellen.
Verwirrung an geschlossener Tankstelle
Für zusätzliche Verwirrung sorgte die Total-Energies-Tankstelle in Teterow. Sie blieb am Mittwoch von 5 bis 16 Uhr komplett geschlossen. Ein Zettel an den Zapfsäulen wies darauf hin, das Personal gab jedoch keine Auskunft zu den Gründen der Schließung.
Die neue Regelung an den Tankstellen hat somit nicht nur zu Preissprüngen geführt, sondern auch zu unterschiedlichen Reaktionen und Anpassungen bei Autofahrern und Tankstellenbetreibern in Mecklenburg-Vorpommern.



