Landes-Politiker besuchen Alte Synagoge Stavenhagen auf Gedenkstätten-Tour
Politiker besuchen Synagoge Stavenhagen auf Gedenkstätten-Tour

Landes-Politiker begeben sich auf Spuren jüdischen Lebens in Stavenhagen

Im Rahmen einer Gedenkstätten-Tour durch Mecklenburg-Vorpommern wird die Linksfraktion des Landtages am Donnerstag, den 16. April, die Alte Synagoge in Stavenhagen besuchen. Dieses historische Gebäude zählt seit seinem denkmalgerechten Wiederaufbau zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen jüdischen Lebens im Bundesland und dient als wichtiger Erinnerungsort.

Ein Ort, der Geschichte atmet

Fraktionschefin Jeannine Rösler betont die emotionale Wirkung des Ortes: "Wenn man vor der wiederaufgebauten Synagoge in Stavenhagen steht, spürt man, dass hier einmal Leben war. Eine Gemeinschaft, ein Alltag, ein Miteinander – und dass all das gewaltsam zerstört wurde." Sie weist darauf hin, dass nicht nur die Pogromnacht vom 9. November 1938 den Ort präge, sondern auch die vorangegangene Entwicklung: "Die schrittweise Ausgrenzung, das Wegschauen, das Schweigen. Und am Ende die vollständige Zerstörung einer Gemeinschaft." Gerade in einer kleineren Stadt wie Stavenhagen werde deutlich, dass diese Geschichte überall stattgefunden habe und untrennbar mit der lokalen Historie verbunden sei.

Historischer Hintergrund der jüdischen Gemeinde

In Stavenhagen lebten seit dem 18. Jahrhundert jüdische Familien, die aktiv am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben der Stadt teilnahmen. Die Synagoge fungierte als religiöser und sozialer Mittelpunkt dieser Gemeinde. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann jedoch eine systematische Ausgrenzung:

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  • Jüdische Geschäfte wurden boykottiert
  • Existenzen gingen verloren
  • Viele Menschen wurden aus dem öffentlichen Leben gedrängt

In der Pogromnacht wurde die Stavenhagener Synagoge geschändet und beschädigt, jüdisches Eigentum zerstört. In den folgenden Jahren kam es zu Deportationen in Ghettos und Vernichtungslager, die das jüdische Leben in der Stadt auslöschten.

Mahnung für die Gegenwart

Heute erinnert die wiederaufgebaute Synagoge an das vernichtete Leben und die bis heute spürbare Lücke in der Gesellschaft. Rösler verwies darauf, dass Orte wie die Alte Synagoge eindringlich mahnen, wohin Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit führen können. Daraus ergebe sich die aktuelle Aufgabe: hinzusehen, nicht zu schweigen und entschieden einzutreten – "heute, hier und überall".

Der Besuch der Linksfraktion ist Teil einer umfassenderen Gedenkstätten-Tour durch Mecklenburg-Vorpommern, die darauf abzielt, die Erinnerung an jüdisches Leben wachzuhalten und für die Gefahren von Diskriminierung zu sensibilisieren. Die Alte Synagoge in Stavenhagen steht dabei symbolisch für viele ähnliche Schicksale in der Region.

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