Nordwestmecklenburg als Pionier: Künstliche Intelligenz erobert die Kreisverwaltung
In einem wegweisenden Schritt für die öffentliche Verwaltung in Mecklenburg-Vorpommern setzt der Landkreis Nordwestmecklenburg als erster seiner Art konsequent auf Künstliche Intelligenz. Die innovative Technologie soll sowohl für Bürger als auch für Verwaltungsmitarbeiter spürbare Verbesserungen bringen und langfristig Ressourcen schonen.
Eigene KI-Stelle geschaffen: Landkreis übernimmt Vorreiterrolle
Landrat Tino Schomann betonte kürzlich bei einem Neujahrsempfang die Bedeutung dieses Schrittes: „Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern ein Werkzeug, das bereits heute hilft, Abläufe zu vereinfachen und Ressourcen zu schonen.“ Der Landkreis habe bewusst eine Vorreiterposition eingenommen und als erster in Mecklenburg-Vorpommern eine spezielle Stelle für Künstliche Intelligenz und Transformation geschaffen.
Seit Januar 2026 hat mit Paul Töpper ein erfahrener IT-Experte diese Position übernommen. Der 35-Jährige, der zuvor als Cyber-Security-Analyst im Computer-Notfall-Team des Landes (CERT M-V) tätig war, erklärt die Dringlichkeit: „Wir müssen von Anfang an dabei sein, ansonsten verlieren wir den Anschluss. Deshalb fangen wir jetzt an, uns wirklich eine KI-Strategie zu überlegen.“
Konkrete Anwendungsbereiche: Von Bauanträgen bis Chatbots
Die geplanten Einsatzgebiete der Künstlichen Intelligenz sind vielfältig und praxisorientiert:
- Digitalisierung und Vereinfachung von Verwaltungsprozessen
- Unterstützung bei der Vorbereitung von Anträgen
- Automatisierte Prüfung von Unterlagen und Fristüberwachung
- Entwicklung digitaler Bauantragsverfahren
- KI-gestützte Chatbots für die Ausländerbehörde
Besonders innovativ ist der Ansatz bei der Ausländerbehörde, wo KI-Systeme künftig ermöglichen sollen, dass Bürger in ihrer Muttersprache mit der Verwaltung kommunizieren können. Paul Töpper betont jedoch die realistische Herangehensweise: „Das wird nicht von heute auf morgen passieren. Wir können nicht 30 Jahre Verwaltung innerhalb von zwei Jahren transformieren.“
Mensch bleibt im Mittelpunkt: Entlastung statt Ersatz
Landrat Schomann stellt klar, dass es nicht darum geht, menschliche Arbeitskraft zu ersetzen: „Ziel ist es nicht, Menschen in Gänze überflüssig zu machen, sondern sie von Routineaufgaben zu entlasten, damit sie sich auf die wichtigen Dinge und komplexen Fälle konzentrieren können.“ Gerade angesichts des Fachkräftemangels werde die KI-Einführung zu einer zentralen Zukunftsaufgabe, die letztlich auch Kosten sparen soll.
Die menschliche Komponente bleibt dabei unverzichtbar: „So bleibe dadurch mehr Zeit für das, was kein Algorithmus, keine Künstliche Intelligenz leisten könne: das persönliche Gespräch, das sorgfältige Abwägen im Einzelfall oder das verantwortungsvolle Treffen von Entscheidungen.“
Datensicherheit hat oberste Priorität
Ein entscheidender Aspekt der KI-Einführung ist der umfassende Schutz sensibler Daten. Paul Töpper erklärt das Sicherheitskonzept:
- Entwicklung eigener KI-Modelle und Nachtraining verfügbarer Systeme
- Lokaler Betrieb innerhalb der eigenen Infrastruktur
- Verzicht auf externe Cloud-Dienste und ausländische Server
- Enge Abstimmung mit Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragten
„Wir wollen, dass die KI-Systeme, die wir hier betreiben, in unserer eigenen Hoheit stehen, dass sie auch unabhängig vom Internet betrieben werden können und keine sensiblen Daten unser Netzwerk verlassen“, so Töpper. „Der Schutz der Daten der Bürger steht immer an erster Stelle“, versichert der KI-Experte nachdrücklich.
Durch diese umfassende Sicherheitsstrategie soll gewährleistet werden, dass alle Daten verschlüsselt bleiben und keine Informationen unkontrolliert das Verwaltungsnetzwerk verlassen können.



