Neubrandenburgs Feuerwehr gründet Bevölkerungsschutz-Sachgebiet für Krisenvorsorge
Neubrandenburg: Feuerwehr richtet Bevölkerungsschutz-Sachgebiet ein

Neubrandenburgs Feuerwehr gründet Bevölkerungsschutz-Sachgebiet für umfassende Krisenvorsorge

Die Berufsfeuerwehr Neubrandenburg hat ein neues Sachgebiet „Einsatzvorbereitung und Bevölkerungsschutz“ etabliert. Drei Fachleute sollen die Stadt systematisch auf mögliche Krisen und Katastrophen vorbereiten – von der detaillierten Planung bis zur ersten Großübung noch in diesem Jahr.

Energiekrise als Auslöser für strukturelle Veränderungen

Laut Markus Luban, dem Leiter des neuen Sachgebiets, wurde die Einrichtung aufgrund der Gasmangellage der vergangenen Jahre sowie weiterer globaler Entwicklungen notwendig. Zunächst wurde das Thema intern im Rathaus behandelt, bevor man erkannte, dass diese wichtige Aufgabe eine eigene organisatorische Struktur benötigt.

Den entscheidenden Impuls gab schließlich der Führungswechsel an der Spitze der Berufsfeuerwehr. Oliver Behm, seit anderthalb Jahren Amtsinhaber und Nachfolger von Frank Bühring, schuf in diesem Bereich zwei neue Stellen. Nach Ausschreibung und Besetzung dauerte es weitere anderthalb Jahre, bis das neue Sachgebiet nun offiziell seinen Betrieb aufnehmen konnte.

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Drei Experten für eine komplexe Aufgabe

Markus Luban (32) und sein Kollege Jan Foppe (23) bilden derzeit das Kernteam. Luban verantwortet als Feuerwehrmann die Einsatzplanung, während Foppe als Angestellter Verwaltung, Fördermittelanträge und Konzepte bearbeitet. Luban ist seit zweieinhalb Monaten im Amt, Foppe bereits seit etwa sieben Monaten. Ein dritter Mitarbeiter, der sich auf Öffentlichkeitsarbeit und Brandschutz konzentrieren soll, wird aktuell noch gesucht.

Luban kam aus Berlin nach Neubrandenburg zurück, wo er die Stadt bereits aus seiner Ausbildungszeit kennt und Familie hat. „Ist eine schöne Stadt, ist eine gute Truppe – ich komm hier wieder zurück“, begründet er seine Entscheidung für den Wechsel nach Mecklenburg-Vorpommern.

Von Störung bis Katastrophe: Ein abgestuftes System

Bevölkerungsschutz beginnt nicht erst bei großen Ereignissen. Luban erläutert die vierstufige Eskalationsleiter, nach der seine Arbeit ausgerichtet ist:

  • Störung: Ein Wohnungsbrand, Verkehrsunfall oder kleiner Stromausfall
  • Notfall: Mehrere Gebäude sind dauerhaft betroffen
  • Krise: Ein ganzer Stadtteil ist ohne Versorgung
  • Katastrophe: Die gesamte Stadt ist betroffen

„Wenn der Landkreis den Katastrophenfall ausruft, dann gibt es Maßnahmen, die absetzbar sind über den Bund“, erklärt Luban. Als Beispiel dient ihm der Berliner Stromausfall, bei dem er damals noch in der Hauptstadt arbeitete und die Unsicherheit aus nächster Nähe erlebte. Die damals fehlende Klarheit über Zuständigkeiten und Eskalationsstufen zeige, wie wichtig verbindliche Pläne im Vorfeld seien.

Konkrete Maßnahmen: Wärmeinseln und Leuchttürme

Für den Fall eines längeren Stromausfalls plant die Feuerwehr sieben Wärmeinseln in der Stadt, für die Schulgebäude genutzt werden sollen. Die Räume seien kleiner und leichter beheizbar als Turnhallen, begründet Luban diese Wahl. Zudem seien Tische, Stühle und Sanitäranlagen bereits vorhanden.

Die gesetzliche Vorgabe sieht eine Stunde täglich in der Wärmeinsel pro betroffener Person vor – eine Regelung, die Luban als absolute Untergrenze betrachtet: „Diese Vorgabe möchte ich übertrumpfen.“

Ergänzt werden die Wärmeinseln durch sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme. Diese Anlaufstellen sind speziell für Blackout-Szenarien konzipiert, wenn digitale Kommunikation ausfällt. Die Bevölkerung kann dort Hilfe anfordern, während die Kommunikation zwischen den Leuchttürmen über Digitalfunk erfolgt, der unabhängig vom öffentlichen Netz arbeitet.

„Wir bereiten uns darauf vor, dass wir autark funktionieren“, betont Luban. Mehrere Gebäude in der Stadt wurden bereits mit externer Stromeinspeisung ausgestattet, damit Notstromaggregate direkt angeschlossen werden können.

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Finanzierung und Zusammenarbeit

Für investive Maßnahmen – vor allem die Ertüchtigung von Gebäuden – sind im Stadthaushalt 180.000 Euro jährlich vorgesehen. Stromerzeuger zur Bewältigung von Energiemangellagen wurden bereits kostenfrei vom Landkreis bereitgestellt. Für den weiteren Ausbau des Sirenennetzes seien Fördermittel gesichert, wobei Luban von einem sechsstelligen Betrag spricht.

Grundsätzlich unterscheidet er zwischen Bevölkerungsschutz, der auf zivile Krisenlagen ausgerichtet ist, und dem Zivilschutz, der den Schutz der Bevölkerung vor den Folgen militärischer Handlungen umfasst. Beide Bereiche laufen unter dem Oberbegriff Katastrophenschutz.

Erste Großübung noch in diesem Jahr geplant

Ein konkretes Ziel steht für das laufende Jahr bereits fest: Am Jahresende soll die erste Großübung stattfinden, koordiniert vom Landkreis. Luban sagt, er sei „gespannt der Dinge, die da kommen“. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis sei dabei nicht optional, sondern zwingend notwendig.

Die Berufsfeuerwehr könne die sieben Wärmeinseln mit ihrer Tagesbereitschaft von 15 Einsatzkräften nicht allein betreiben. „Wenn das vier, fünf Tage geht, sind wir natürlich auf Leute von außerhalb angewiesen“, erklärt Luban. Diese müssten vom Landkreis organisiert und zugestellt werden, was die Bedeutung der interkommunalen Kooperation unterstreicht.