Gutshaus Eickelberg: Geburtshaus-Bewohner hilft neuer Besitzerin bei historischer Rettung
Gutshaus Eickelberg: Historische Rettung mit Geburtshaus-Bewohner

Gutshaus Eickelberg: Eine Rettungsgeschichte mit Herzblut und historischen Wurzeln

Das Gutshaus Eickelberg hat bewegte Zeiten durchlebt: Kriegswirren, Enteignungen und sogar eine Nutzung als DDR-Jugendwerkhof prägten seine Geschichte. Nun beginnt ein neues, hoffnungsvolles Kapitel, das von tiefer Verbundenheit und engagiertem Einsatz getragen wird. Anja Kannenberg aus Alt Krassow bei Teterow hat sich der Rettung des historischen Gebäudes verschrieben und findet dabei unerwartete Unterstützung aus der Vergangenheit.

Ein Wintergarten kehrt zurück: Feierliche Wiedereinweihung im März

Ein bedeutender Meilenstein steht bevor: Der um 1920 angebaute Umgang des Gutshauses wird wieder in seinen ursprünglichen Zustand als windgeschützter Wintergarten versetzt. „Die großen Fenster und die restaurierte Eingangstür werden durch die Tischlerei Rossnagel aus Bützow wieder eingebaut“, erklärt Anja Kannenberg mit sichtlicher Freude. Diese Transformation wurde durch die Unterstützung von Sponsoren und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ermöglicht, wobei historische Fotografien als Vorlage dienten.

Am Freitag, dem 27. März, soll dieses Ereignis feierlich begangen werden. Um 12 Uhr beginnt eine Andacht zur Wiedereinweihung im Wintergarten und Foyer. Eingeladen sind Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Jugendliche der Jugendbauhütte, Mitglieder des Schlösservereins, Gutsherren der Nachbarschaft, die Dorfgemeinschaft und selbstverständlich alle ehemaligen Bewohner des Hauses mit ihren Familien.

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Jürgen Tack: Das wandelnde Ortsgeschichtsbuch

Einer der prominentesten Gäste wird Jürgen Tack sein, der 1947 in diesem Haus geboren wurde und bis 1954 darin aufwuchs. „Wenn einer Eickelberg kennt, dann bin ich das“, sagt Tack mit berechtigtem Selbstbewusstsein. Er hat sogar ein Buch über die Ortsgeschichte verfasst und gilt als wandelndes Archiv des Gutshauses. Seine Tochter und Enkelin unterstützen die Rettungsbemühungen ebenfalls tatkräftig.

Anja Kannenberg zeigt ein entzückendes Foto aus den 1940er Jahren: „Das ist der kleine Jürgen Tack“, sagt sie und meint einen stolzen Jungen mit einem Instrument in der Hand. Dieses Bild symbolisiert die tiefe Verbindung zwischen Mensch und Gebäude, die diese Rettungsaktion so besonders macht.

Bewegte Familiengeschichte: Von Stalingrad bis zum Jugendwerkhof

Jürgen Tack erzählt die bewegende Geschichte seiner Familie, die eng mit dem Gutshaus verwoben ist. Sein Großvater war Dorfschullehrer und Küster, der 1945 von den Russen als Bürgermeister eingesetzt wurde. Der Vater arbeitete als Inspektor bei verschiedenen Gutsherren und hatte Landwirtschaft gelernt.

„Die Kriegswirtschaft war hart“, berichtet Tack. „Im Gut Eickelberg mussten die Pferde abgegeben werden, da das Benzin knapp wurde. Man wirtschaftete mit Ochsen und Eseln als Zugtiere, und das Gutshaus-Mobiliar wurde teilweise für Tierarztkosten abgegeben.“

Sein Vater musste nach Stalingrad, kehrte wie durch ein Wunder zurück, wurde jedoch wegen seiner Wehrmachtsuniform in Güstrow inhaftiert. Der Großvater konnte ihn befreien, und die Familie fand zurück im Gutshaus Eickelberg, wo neben der Pfarrfamilie auch viele Umsiedler untergebracht waren.

Zukunftspläne: Vom Denkmal zum lebendigen Ort

Anja Kannenberg hat vor einigen Jahren das mehrfach umgebaute Gutshaus gekauft und saniert es Schritt für Schritt. „Weil dieses Haus an diesem schönen Ort einfach gerettet werden muss“, begründet die neue Gutshausherrin ihr Engagement. Für sie kommt Nichtstun nicht in Frage.

Die energische Frau hat bereits konkrete Pläne für die Zukunft: Eine Dauerwohnung und mehrere Ferienwohnungen sollen entstehen, sogar Gastronomie ist geplant. Kerstin Hegermann-Basche vom Bützower Café Stine möchte im Sommer hier ein Café betreiben und so neues Leben in die historischen Mauern bringen.

Diese Rettungsgeschichte zeigt, wie historische Gebäude durch persönliches Engagement und die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft bewahrt werden können. Das Gutshaus Eickelberg steht symbolisch für viele Denkmäler in Mecklenburg-Vorpommern, die auf solche Initiativen angewiesen sind.

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