Greenpeace warnt vor russischer Schattenflotte: Ölpest-Gefahr in der Ostsee wächst
Greenpeace warnt: Russische Schattenflotte bedroht Ostsee

Russische Schattenflotte in der Ostsee: Greenpeace warnt vor wachsender Umweltgefahr

Während Verkehrsverstöße auf deutschen Straßen konsequent geahndet werden, herrscht auf den Weltmeeren offenbar ein rechtsfreier Raum – besonders in der viel befahrenen Ostsee. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt eindringlich vor den Risiken durch Russlands sogenannte Schattenflotte und übt scharfe Kritik an der Untätigkeit der Bundesregierung.

Elf Fahrten staatenloser Tanker dokumentiert

Seit dem 15. Dezember 2025 haben acht staatenlose Tanker insgesamt elf Mal die deutsche Ostsee durchquert. Diese veralteten, schlecht gewarteten und unterversicherten Schiffe gehören zur russischen Schattenflotte, über die Moskau den Großteil seines Rohöls exportiert und damit den Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert. „Die Gefahr einer Havarie und Ölpest in der Ostsee steigt kontinuierlich“, warnt Greenpeace in einer aktuellen Mitteilung.

Die Organisation legte ein neues Rechtsgutachten vor, das belegt: Deutsche Behörden könnten falsch geflaggte und damit nach Seerecht staatenlose Schiffe nach eigenem Ermessen kontrollieren, stoppen und festsetzen. „Die Faktenlage ist erdrückend, die Bundesregierung legt die Hände in den Schoß und lässt die Schattenflotte gewähren, dabei hätte sie längst handeln können“, kritisiert Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace.

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Versicherungslücke bedroht deutsche Steuerzahler

Besonders alarmierend ist die Versicherungssituation der sogenannten Geistertanker. Diese Schiffe fahren ohne Flaggenzugehörigkeit, wodurch jegliche Versicherung erlischt. Andere Tanker beziehen ihre Versicherung lediglich von russischen Firmen, die im Havarie-Fall vermutlich nicht einspringen würden. Greenpeace betont: „Im Falle einer Ölpest würden deutsche Steuerzahlende die Kosten tragen.“

Die bestehenden Sanktionen, auch jene der Europäischen Union, verhindern den Export von russischem Öl mit maroden Tankern nicht ausreichend. Seit Anfang dieses Jahres hat Greenpeace jedes dieser Schiffe vor der Durchfahrt den zuständigen Behörden und Bundesministerien gemeldet und zum Handeln aufgefordert – bisher weitgehend erfolglos.

Rechtliche Grauzone erschwert effektives Vorgehen

Mitte Dezember 2025 erklärte der EU-Rat mit Unterstützung der Bundesregierung zwar, gegen flaggenlose Tanker vorgehen zu können, da sie als staatenlos gelten. Damit fallen sie nicht unter das internationale Seerecht und haben kein Recht auf friedliche Durchfahrt. Doch in der Praxis zeigt sich ein anderes Bild.

Bundesaußenminister Johan Wadephul (CDU) verwies bei einem Besuch in Lettland Ende Januar darauf, dass das „bestehende Regelwerk bislang ein entschlossenes Vorgehen verhindert“. Der Politiker forderte: „Wir müssen jetzt alle Möglichkeiten des Seerechts nutzen, um derartige Schiffe zu stoppen.“ Dafür sei jedoch eine Novellierung des internationalen Seerechts erforderlich.

Die Greenpeace-Dokumentation zeigt deutlich: Während die politischen Diskussionen weitergehen, fahren die risikobehafteten Tanker ungehindert durch die sensible Ostsee-Region. Die Organisation fordert ein sofortiges und konsequentes Einschreiten der Behörden, bevor ein folgenschwerer Unfall die Küsten Mecklenburg-Vorpommerns und die gesamte Ostsee-Ökologie bedroht.

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