Fährverkehr in Norddeutschland: Treibstoffkosten treiben Ticketpreise in die Höhe
Die beginnende Fährsaison an Nordsee und Ostsee wird für viele Passagiere deutlich teurer. Grund sind die sprunghaft gestiegenen Dieselpreise, die auf den eskalierenden Konflikt im Iran zurückzuführen sind. Mehrere Reedereien haben bereits befristete Treibstoffzuschläge eingeführt oder planen diese kurzfristig.
Sylt und Helgoland: Deutliche Preiserhöhungen für Inselbesucher
Wer mit der Fähre nach Sylt reisen möchte, muss seit Ende März tiefer in die Tasche greifen. Die FRS Syltfähre erhebt für alle seit dem 26. März gekauften Tickets einen gestaffelten Zuschlag zwischen 50 Cent und 4 Euro. „Aufgrund der kurzfristig signifikant gestiegenen Treibstoffkosten sind wir leider dazu gezwungen, vorübergehend einen Treibstoffzuschlag zu erheben“, erklärt das Unternehmen auf seiner Homepage. Passagiere zahlen 50 Cent extra, während für Fahrzeuge wie Autos, Motorräder, Busse und Wohnmobile 4 Euro zusätzlich fällig werden.
Tim Kunstmann, Geschäftsführer der FRS Syltfähre, bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Preiserhöhung seit etwa anderthalb Wochen gilt. Die Fähren verkehren zwischen List auf Sylt und Havneby auf der dänischen Insel Römö. Der Zuschlag soll nur befristet gelten, bis sich die Treibstoffkosten wieder normalisieren.
Auch für Fahrten zur Hochseeinsel Helgoland gelten seit zwei Wochen zusätzliche Kosten. Die FRS Helgoline erhebt abhängig vom Abfahrtshafen Zuschläge zwischen 1,50 und 3 Euro. Ab Hamburg werden 3 Euro fällig, ab Brunsbüttel 2 Euro und ab Cuxhaven 1,50 Euro. Auch hier betonen die Betreiber den vorübergehenden Charakter dieser Maßnahme.
Ostsee und Nordsee: Weitere Reedereien planen Preisanpassungen
Die Reederei Adler Schiffe, die in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs ist, plant ab dem 1. Mai die Einführung eines distanzabhängigen Dieselzuschlags. Dieser soll zwischen 1 und 4 Euro pro Fahrt betragen. „Die aktuellen Kostensteigerungen sind erheblich“, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Kürzere Fahrten wie Hafenrundfahrten werden mit 1 Euro Zuschlag belegt, während längere Strecken etwa nach Helgoland mit 3 bis 4 Euro zusätzlich berechnet werden. Ausgenommen sind Fahrten mit dem E-Schiff „Adler nature“ in Wismar.
Bei der FRS Weiße Flotte in Stralsund ist die Entscheidung noch offen. Ein Sprecher erklärte, dass Gespräche mit den Gremien laufen, ob und in welcher Höhe die gestiegenen Treibstoffpreise weitergegeben werden. Eine Entscheidung wird im Laufe des Aprils erwartet. Die Flotte ist mit Personen- und Autofähren sowie Ausflugsschiffen entlang der Ostseeküste und der Boddenlandschaft unterwegs.
Ausnahmen und regionale Besonderheiten
Nicht alle Reedereien erhöhen ihre Preise. Die Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.), die Fähren zu den Inseln Föhr, Amrum und zur Hallig Hooge betreibt, verzichtet derzeit auf Treibstoffzuschläge. „Die Wyker Dampfschiffs-Reederei hat ihren Brennstoffeinkauf für den Schiffsbetrieb frühzeitig abgesichert und ist dadurch weniger stark von kurzfristigen Preisschwankungen auf den Energiemärkten betroffen“, teilte ein Sprecher mit. Diese Planungssicherheit könne an die Fahrgäste weitergegeben werden.
Auch in Niedersachsen und Bremen gibt es Preisanpassungen, allerdings teilweise aus anderen Gründen. Die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen erhebt seit dem 23. März einen gestaffelten Treibstoffzuschlag zwischen 20 Cent und 1,80 Euro. Auf der Weserfähre zwischen Bremerhaven und Nordenham steigen die Preise ebenfalls, allerdings nicht wegen hoher Spritpreise, sondern aufgrund der angespannten Haushaltslage der Gesellschafterstädte sowie gestiegener Betriebs- und Personalkosten.
Hintergrund: Eskalation im Nahen Osten treibt Energiekosten
Der sprunghafte Anstieg der Dieselpreise ist direkt auf den eskalierenden Konflikt im Iran zurückzuführen. Seit der Verschärfung der Lage im Nahen Osten sind die Preise für Öl und daraus resultierend für Benzin, Diesel und Heizöl deutlich gestiegen. Diese Entwicklung macht sich nun im Fährverkehr bemerkbar, wo Treibstoffkosten einen erheblichen Teil der Betriebsausgaben ausmachen.
Die meisten Reedereien betonen, dass die Zuschläge nur befristet gelten sollen. „Wir hoffen sehr, dass sich die Lage zeitnah normalisiert, sodass schnellstmöglich wieder der ursprünglich geplante Fahrpreis gültig sein kann“, heißt es bei der FRS Syltfähre. Passagiere sollten sich vor Reiseantritt über die aktuellen Preise informieren, da die Situation sich kurzfristig ändern kann.



