Eric Paul: Vom Tischler zum Schweriner Treffpunkt-Gestalter zwischen Paris und Hinterhof
Eric Paul: Tischler schafft Schweriner Treffpunkt nach Brand

Vom Louvre zum Hinterhof: Ein Tischler schreibt seine eigene Geschichte

Der Geruch von frischem Holz, Metall und Farbe liegt in der Luft einer ehemaligen Ausstellungshalle, nur wenige Schritte vom berühmten Louvre entfernt. Mitten im Trubel des Aufbaus einer spektakulären Titanic-Ausstellung steht Eric Paul aus Schwerin. „Wir betreten leere Hallen und erschaffen daraus ganze Welten“, erklärt der Tischler und Ausstellungsbauer. „Technisch gesehen sind diese Projekte wahre Meisterwerke, die den Besuchern unvergessliche Erlebnisse bescheren.“

Europaweite Einsätze: Von Barcelona bis zum Weltwirtschaftsforum

Eric Paul ist mehr als nur ein Tischler – er gehört zu einem eingespielten Team von Handwerkern und Technikern, das quer durch Europa reist. Ob in Paris, Barcelona, Cannes oder beim Weltwirtschaftsforum in Davos: Die Truppe installiert Ausstellungen, gestaltet Bühnen und kreiert Erlebnisräume. „Wir sind ein bunter Haufen, der in klassischen Bürojobs nicht glücklich würde“, beschreibt Paul seine Kollegen. Die Arbeitstage sind mit oft zehn bis fünfzehn Stunden intensiv, doch die Stimmung bleibt stets positiv.

Selbst auf den anstrengendsten Baustellen findet Paul Momente der Faszination. Beim Besuch des Eiffelturms spürte er die Schwingungen der 300 Meter hohen Stahlkonstruktion im Wind. „Da wird einem schon etwas mulmig, aber gleichzeitig ist man beeindruckt von dieser Ingenieursleistung“, gesteht er. Die pulsierenden Metropolen mit ihren prächtigen Fassaden und ihrem schnellen Tempo hinterlassen stets Eindruck – doch sein Herz schlägt anderswo.

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Die Werkstatt in Schwerin: Vom Arbeitsplatz zum lebendigen Treffpunkt

Nach getaner Arbeit führt sein Weg stets zurück in den Hinterhof der Schweriner Werderstraße. Hier steht nicht einfach eine Tischlerei – hier pulsiert Leben. Die Holzwerkstatt verwandelt sich regelmäßig in einen Veranstaltungsort mit 80 Stühlen, einer kleinen Bühne und Lichterketten. „Wenn die Halle voll ist, ist das einfach geil“, schwärmt Paul.

An manchen Tagen sitzen Senioren in der sogenannten „Klönküche“, tauschen Pflanzen aus oder lauschen Vorträgen über Betrugsmaschen wie den Enkeltrick. An anderen Abenden füllen professionelle Bands aus der Region oder junge Nachwuchsmusiker den Raum mit Livemusik. „Im Sommer veranstalten wir draußen Kinderfeste oder Flohmärkte. Über das Jahr verteilt ist für jeden etwas dabei“, so Paul. Fast alle Veranstaltungen basieren auf Spenden. „Was wirklich zählt, ist die Atmosphäre. Wenn die Menschen glücklich sind, bin ich es auch.“

Der Brand als Wendepunkt: Aus Zerstörung entsteht Gemeinschaft

Dass die Werkstatt heute diesen lebendigen Charakter hat, war nie geplant. „Wäre da nicht dieser verheerende Brand gewesen, wäre es wohl nie dazu gekommen“, reflektiert Paul. Am 23. Mai 2023 stand seine Tischlerei lichterloh in Flammen. „Meine Freundin sagte später, ich sei in jener Nacht grau geworden vor Sorge“, erinnert er sich.

Doch aus der Katastrophe erwuchs etwas Besonderes: Eine überwältigende Hilfsbereitschaft von Freunden, Kollegen, Nachbarn und sogar fremden Menschen. Gemeinsam bauten sie die Werkstatt wieder auf. „Ich wollte mich bei allen bedanken, hätte aber 500 Personen einladen müssen“, erklärt Paul. „Also suchte ich nach einer anderen Möglichkeit, etwas zurückzugeben. Daraus entwickelte sich das, was heute hier entstanden ist.“

Ein ungewöhnlicher Lebensweg: Vom Flugzeugbau zurück in die Heimat

Eric Pauls berufliche Reise verlief alles andere als geradlinig. Die Liebe zum Holzhandwerk entdeckte er bereits als Kind in der Werkstatt seines Großvaters. Nach der Tischlerausbildung merkte er jedoch schnell, dass ein klassischer Arbeitsalltag nicht zu ihm passte.

Es folgten Stationen im Flugzeugbau, wo er Ultraleichtflugzeuge konstruierte und fliegen lernte. Sogar im Nordirak arbeitete er ein Jahr lang, baute Tragschrauber für Behörden und bildete Piloten aus, bis die Region angegriffen wurde und er nach Deutschland zurückkehrte. „Ich habe nie einen festen Plan verfolgt, sondern einfach gemacht, was sich richtig anfühlte“, beschreibt er seinen Weg. „Das gleicht eher einem Hasen, der im hohen Tempo von Haken zu Haken springt.“

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Die internationale Arbeit finanziert das lokale Engagement

Seinen Lebensunterhalt bestreitet Paul weiterhin mit internationalen Aufträgen. Die anstrengende Arbeit auf Baustellen in Paris oder bei Events in Cannes ermöglicht ihm erst sein Engagement in Schwerin. „Ich gehe arbeiten, damit ich mir das hier leisten kann“, sagt er mit Blick auf seine Werkstatt.

Die Konzerte, Treffen und die Klönküche sind für ihn keine Geschäftsidee, sondern reine Leidenschaft. Vieles organisiert er gemeinsam mit Freunden und Familie. Überschüsse investiert er zurück in die Ausstattung: „Ich kaufe dann Lampen oder übernehme Ideen, die ich auf internationalen Baustellen entdeckt habe – für die Technik, die Bühne und die gesamte Ausstattung.“

Wenn Paul in den Metropolen Europas unterwegs ist, denkt er oft an Schwerin zurück: an das Wasser, die Weite und die Ruhe. „Dieses Leben hier zieht mich immer wieder an“, gesteht er. Vielleicht ist es genau dieser Kontrast, der sein Dasein prägt: hier die große weite Welt der internationalen Events, dort der beschauliche Hinterhof in Mecklenburg-Vorpommern. Dazwischen steht ein Tischler, der mehr baut als nur Möbel – er hat einen Ort geschaffen, an dem Menschen zusammenfinden und Gemeinschaft leben.