Olympiasieger Gerd Kische soll Ehrenbürger von Teterow werden
Ein halbes Jahrhundert nach seinem historischen Triumph bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal steht ein Fußballheld aus Mecklenburg-Vorpommern vor einer besonderen Ehrung. Die Stadtvertretung von Teterow wird voraussichtlich Ende April darüber entscheiden, dem ehemaligen DDR-Nationalspieler Gerd Kische die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Damit würde die höchste Auszeichnung der Bergringstadt an einen Sportler gehen, der mit seinem Olympiasieg bis heute einzigartige sportliche Geschichte geschrieben hat.
Goldmedaille von Montreal als Grundlage für die Ehrung
Im kanadischen Sommer 1976 feierte die Fußball-Nationalmannschaft der DDR ihren größten Erfolg. Das Team um Trainer Georg Buschner gewann die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen – ein Triumph, den bis dahin keine deutsche Herrenmannschaft erreicht hatte und der bis heute unübertroffen geblieben ist. Gerd Kische, damals Verteidiger der DDR-Auswahl, hatte maßgeblichen Anteil an diesem historischen Erfolg. Der gebürtige Teterower ist bis heute der einzige Olympiasieger aus seiner Heimatstadt.
Drei Fraktionen in der Teterower Stadtvertretung – die AfD, Die Teterower und die Unabhängige Teterower Fraktion – haben gemeinsam eine Beschlussvorlage eingereicht, die Kische für die Ehrenbürgerschaft vorschlägt. In der Begründung wird besonders hervorgehoben, dass der Sportler durch seine Leistungen Teterow überregional bekannt gemacht habe. Mit 63 Länderspielen für die DDR-Nationalmannschaft und seiner Schlüsselrolle beim 1:0-Sieg gegen die spätere Weltmeistermannschaft der Bundesrepublik bei der WM 1974 hat Kische ein beeindruckendes sportliches Vermächtnis hinterlassen.
Würdigung einer gesamten Fußballkarriere
Bürgervorsteher Christian Wolter von der AfD betont, dass mit der Ehrenbürgerschaft nicht nur der Olympiasieg, sondern das gesamte sportliche Lebenswerk Gerd Kisches gewürdigt werden soll. Nach seiner aktiven Karriere blieb der Teterower dem Fußball eng verbunden. Viele Jahre war er Kapitän des FC Hansa Rostock und übernahm später beim Ostseeclub verantwortungsvolle Positionen als Manager und Präsident. Die erfolgreiche Zeit der Hanseaten in der ersten Fußball-Bundesliga ist untrennbar mit dem Namen Gerd Kische verbunden.
„Mit seinen sportlichen Leistungen und dem bis dato einzigen Olympiasieg eines Teterowers hat Kische seine Heimatstadt überregional bekannt gemacht“, heißt es in der offiziellen Begründung für die Ehrenbürgerschaft. Die Stadtvertretung wird voraussichtlich in ihrer Sitzung Ende April über den Vorschlag abstimmen. Sollte die Ehrung beschlossen werden, würde sich Kische in einen illustren Kreis von bisher sechs Ehrenbürgern einreihen.
Historischer Kontext und bisherige Ehrenbürger
Die letzte Ehrenbürgerschaft in Teterow wurde im Jahr 1990 an Willi Peters verliehen, den Nestor des berühmten Bergrings. Zu den bisherigen Ehrenbürgern der Stadt gehören bedeutende Persönlichkeiten wie Professor Horst Klinkmann und Johann Heinrich von Thünen. Die geplante Ehrung für Gerd Kische wäre somit die erste Verleihung dieser höchsten städtischen Auszeichnung seit mehr als drei Jahrzehnten.
Für die älteren Generationen in Teterow und ganz Mecklenburg-Vorpommern bleibt Gerd Kische eine lebendige Erinnerung an sportliche Glanzzeiten. Sein Olympiasieg vor 50 Jahren und seine langjährige Karriere beim FC Hansa Rostock haben ihn zu einer Identifikationsfigur für die Region gemacht. Die geplante Ehrenbürgerschaft würde nicht nur eine individuelle Leistung würdigen, sondern auch die Verbindung zwischen Sport, Heimat und lokaler Identität symbolisieren.



