Historischer Fund: DDR-Speisekarte für legendären Rennfahrerball in Teterow entdeckt
Im Fundus des Malchiner Museums ist ein bemerkenswertes Zeitdokument aufgetaucht, das die kulinarische Tradition des legendären Rennfahrerballs in Teterow beleuchtet. Es handelt sich um eine mehr als 50 Jahre alte Original-Speisekarte, die einst im HO-Hotel "Mecklenburger Hof" für die festliche Veranstaltung nach dem Bergringrennen verwendet wurde.
Das gesellschaftliche Highlight des Pfingstrennens
Das Bergringrennen in Teterow war über Jahrzehnte hinweg nicht nur ein sportliches Ereignis, sondern entwickelte sich zu einem echten gesellschaftlichen Höhepunkt in der Region. Nachdem die Pokale und Preise vergeben waren und die Sieger gekürt wurden, ließen Sportler und Offizielle das Grasbahn-Wochenende traditionell beim Rennfahrerball ausklingen. Diese festliche Zusammenkunft bildete den würdigen Abschluss des Motorsport-Spektakels und bot Gelegenheit zum Austausch und zur Geselligkeit.
Ausgewiesene Bergringfans erinnern sich noch heute daran, wie sich die Fahrer einst auf dem Marktplatz anmelden mussten und sich dabei gleich der Öffentlichkeit präsentierten. Der Rennfahrerball war ein fester Bestandteil dieser Tradition und zog regelmäßig zahlreiche Gäste an, die das Motorsport-Wochenende in feierlicher Runde beschlossen.
Kulinarische Spezialitäten zu erschwinglichen Preisen
Die jetzt entdeckte Speisekarte gewährt einen faszinierenden Einblick in die gastronomischen Angebote jener Zeit. Eigens für den Rennfahrerball wurde die Karte vom HO-Hotel "Mecklenburger Hof" herausgegeben, das über viele Jahre in der Malchiner Straße seinen Platz hatte. Den Motorsportlern wurden seinerzeit eine ganze Reihe von kulinarischen Spezialitäten kredenzt, wie ein detaillierter Blick in die Speisen-Übersicht verrät.
Als Vorgericht konnte sich die Feiergesellschaft neben Klassikern wie Ragout fin oder Eiersalat sogar roten Kaviar mit Butter und Toast schmecken lassen. Der Preis dafür betrug lediglich 3,65 Mark der DDR. Ein besonderes Highlight war der Hecht, der vom Personal der HO-Gaststätte gedünstet und mit Weißweinsauce oder alternativ im Bierteig mit Salzkartoffeln serviert wurde. Diese regionale Spezialität war mit 3,50 Mark erstaunlich erschwinglich.
Internationale Ausrichtung und historische Einordnung
Wer mit Fisch nicht allzu viel am Hut hatte, musste auf dem Fest natürlich nicht hungern. Um die Internationalität der Teterower Rennveranstaltung zu unterstreichen, gab es für die Fleischfreunde in der Feierrunde ein so genanntes "Diplomatenschnitzel" mit Fruchtsalat, für das der Spitzenpreis von 4,30 Mark zu berappen war.
Die Speisekarte selbst ist in gleich vier Sprachen verfasst. Die Gerichte wurden nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, Französisch und natürlich auf Russisch angepriesen. Diese mehrsprachige Gestaltung lässt darauf schließen, dass die Speisekarte ihren Ursprung vor dem Jahr 1973 haben muss. Nur bis dahin waren zu DDR-Zeiten Fahrer aus dem nichtsozialistischen Ausland im Fahrerfeld der Bergringrennen zu finden.
Weitergabe an den Bergringclub geplant
Das historische Dokument soll demnächst an den Teterower Bergringclub weitergegeben werden, wo es als wertvolles Zeugnis der regionalen Motorsportgeschichte einen würdigen Platz finden wird. Die Entdeckung dieser Speisekarte fällt in eine Zeit, in der die Bergringfans bereits die Tage bis zum nächsten Rennen herunterzählen.
Nach der Zwangspause im vergangenen Jahr, als das traditionelle Pfingstrennen aus finanziellen und personellen Gründen abgesagt werden musste, dröhnen auf der Grasbahn am 23. und 24. Mai wieder die Motoren und verbreitet sich auf dem Bergringareal der unvergleichliche Methanolgeruch. Während sich das Renngeschehen heute vor allem auf und rund um die Bahn abspielt, erinnert die historische Speisekarte an eine Zeit, in der das Motorsport-Wochenende noch stärker mit dem städtischen Leben in Teterow verwoben war.



