Busfahrerin kämpft für bessere Arbeitsbedingungen im Nahverkehr Mecklenburg-Vorpommerns
Busfahrerin kämpft für bessere Arbeitsbedingungen in MV

Busfahrerin Sandy Maltzahn kämpft für Entlastung ihrer Kollegen

Die 50-jährige Busfahrerin Sandy Maltzahn aus Parchim setzt sich mit ganzer Kraft für bessere Arbeitsbedingungen im Nahverkehr Mecklenburg-Vorpommerns ein. Als eine von wenigen Frauen in der männerdominierten Branche erlebt sie täglich die Belastungen, die mit langen Schichten, unregelmäßigen Arbeitszeiten und wachsenden Anforderungen einhergehen. "Da kommen schon mal Zehn- oder Zwölf-Stundenschichten zusammen", schildert Maltzahn ihren Arbeitsalltag bei der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP).

Familienleben leidet unter langen Dienstzeiten

Oft beginnt ihr Tag bereits um 5 Uhr morgens im Busdepot, um den Schülerverkehr zu starten. Nach einer mehrstündigen Dienstunterbrechung folgen weitere Fahrten am Nachmittag und Abend. "Da leidet das Familienleben des Öfteren", erzählt die Mutter zweier Töchter. Trotz der Herausforderungen liebt sie ihren Beruf: "Es gibt nichts Schöneres als Bus zu fahren". Ob Dreiachser, Rufbus oder E-Bus – sie beherrscht alle Fahrzeugtypen.

Tarifverhandlungen für 2800 Beschäftigte festgefahren

Derzeit laufen die Manteltarifverhandlungen für etwa 2800 Nahverkehrsbeschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaft Verdi fordert:

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  • Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich
  • Erhöhung der Jahresleistung von 80 auf 100 Prozent
  • Ausweitung der Nachtschichtzuschläge von 22 bis 5 Uhr auf 20 bis 6 Uhr

Die Arbeitgeber lehnen diese Forderungen bisher ab. Carola Freier, Chefin des Kommunalen Arbeitgeberverbandes MV, bezeichnete die Arbeitszeitreduzierung als "völlig aus der Zeit gefallen" und verwies auf die wirtschaftliche Situation der Nahverkehrsunternehmen.

Dienstunterbrechungen als zusätzliche Belastung

Ein besonderes Problem sind die langen Dienstunterbrechungen zwischen den Fahrten. Viele Kollegen können in dieser Zeit nicht nach Hause fahren, besonders wenn sie längere Anfahrtswege haben. "Da ist man dann von morgens bis abends auf der Arbeit und kann keine Ruhe finden", beschreibt Maltzahn die Situation. Die Fahrer müssen ihre freie Zeit oft im Unternehmen absitzen, was zu zusätzlicher Erschöpfung führt.

Sicherheit der Fahrgäste steht auf dem Spiel

Maltzahn betont die Verantwortung der Busfahrer für die Sicherheit ihrer Passagiere: "Wenn die Fahrgäste einsteigen, haben die Fahrer die Verantwortung dafür, dass sie gesund von einem Ort zum anderen gefahren werden". Um diese Verantwortung weiterhin wahrnehmen zu können, brauche es bessere Arbeitsbedingungen und mehr Erholungszeiten. Die wachsenden Belastungen durch den forcierten Ausbau des Nahverkehrs in MV verschärfen die Situation zusätzlich.

Weitere Streiks drohen bei ausbleibender Einigung

Bereits Anfang Februar gab es Warnstreiks, die zu erheblichen Einschränkungen im Nahverkehr führten. Verdi-Verhandlungsführer Bähring fordert ernsthafte Verhandlungen und eine Rücknahme der von Arbeitgebern geforderten Kürzungen bei Krankengeldzuschüssen. "Wir sind bereit, uns zu wehren und auch zu Streiks bereit", macht Bähring deutlich. Die nächste Verhandlungsrunde am kommenden Montag könnte entscheidend sein, ob weitere Ausstände vermieden werden können.

Für Sandy Maltzahn und ihre Kollegen geht es um mehr als nur um höhere Löhne. Es geht um die Attraktivität des Berufsstandes, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und letztlich um die Sicherheit und Zuverlässigkeit des öffentlichen Nahverkehrs in Mecklenburg-Vorpommern.

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