Friseurmeisterin Jutta Gsell: Warum sie Kundinnen nach Tabus statt Wünschen fragt
Friseurin fragt nach Tabus statt Wünschen: Ein neuer Ansatz

Friseurmeisterin Jutta Gsell: Eine radikale Neuausrichtung der Beratung

In der Welt der Friseure ist Jutta Gsell eine Ausnahmeerscheinung. Die 58-jährige Meisterin aus Bad Mergentheim in Baden-Württemberg stellt die klassische Kundenberatung auf den Kopf. Statt nach Wünschen zu fragen, erkundigt sie sich bei ihren Kundinnen: „Was darf denn nicht passieren?“. Dieser ungewöhnliche Ansatz hat ihr auf Instagram 156.000 und auf TikTok 17.100 Follower eingebracht und zieht Kundinnen aus ganz Deutschland an, sogar aus Brandenburg.

Die Philosophie hinter dem Stuhl: Fachkompetenz statt Kundenwünsche

„Die Fachkompetenz sitzt schließlich hinter dem Stuhl – und das bin ich, nicht die Kundin“, erklärt Gsell im Gespräch. Sie verzichtet bewusst auf konkrete Vorstellungen ihrer Kundinnen und konzentriert sich stattdessen auf deren Tabus. „So bringe ich mein Hirn ein wenig mehr zum Arbeiten“, sagt sie. Dabei stellt sie sich Fragen zur Persönlichkeit, Lebensphase und Ausstrahlung der Kundin, um individuelle Lösungen zu finden.

Social Media als Türöffner und der persönliche Touch

Die Popularität auf Plattformen wie Instagram und TikTok spielt eine große Rolle für ihren Erfolg. Kundinnen sehen, was Gsell kann, und schätzen ihre aufmerksame Art. „Jeder Einzelne, der hier hereinkommt, zählt“, betont sie. Diese einzigartige Begegnung auf dem Friseurstuhl, kombiniert mit handwerklicher Kunst seit 28 Jahren in ihrem Salon „Kopf-Kunst“, macht den Unterschied aus.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Vielfalt in der Kundschaft und Umgang mit Kritik

Gsells Kundinnen reichen von jung bis alt, wobei ältere Kunden offener für Videoaufnahmen sind. Hasskommentare im Netz lässt sie an sich abprallen: „Ich weiß genau, was ich kann“, sagt sie selbstbewusst. Die meisten negativen Äußerungen stammen ihrer Erfahrung nach von jungen Männern, deren Meinung sie wenig Bedeutung beimisst.

Veränderung als Leitmotiv: Nie die gleiche Frisur zweimal

Viele Kundinnen suchen bei Gsell bewusst nach Veränderung. „Selbst wenn jemand zum hundertsten Mal zu mir kommt, gestalte ich immer wieder etwas Neues“, erklärt sie. Sie passt Frisuren an Lebensphasen an, wie Trennungen oder Scheidungen, und reflektiert so den Wandel im Leben. Selbst Stammkundinnen wie die Biathletin Kati Wilhelm verlassen ihren Salon nie mit der gleichen Frisur wie zuvor.

Trends und Individualität: Der Bixie Bob als moderner Schnitt

Auf die Frage nach aktuellen Modetrends antwortet Gsell differenziert. Sie berücksichtigt Trends, legt sie aber nicht starr fest. „Der Bixie Bob ist momentan ein moderner Haarschnitt und eignet sich für jede Haarstruktur und Gesichtsform“, nennt sie ein Beispiel. Ihre Priorität bleibt stets die Individualität der Kundin.

Eine Lehre aus Unzufriedenheit und die Bedeutung von Preisen

Einmal hat Gsell eine Kundin strikt nach deren Vorgaben frisiert – mit unbefriedigendem Ergebnis für beide Seiten. „Das hat schlichtweg nicht funktioniert“, resümiert sie. Heute verteidigt sie die gestiegenen Preise in der Branche. Nach fast 40 Jahren im Beruf begrüßt sie, dass Friseure endlich angemessen verdienen können, und sieht dies als notwendige Entwicklung nach dem Verlust von 60 Prozent der Friseure seit Corona.

Brillen als Accessoire und die Zukunft des Handwerks

Ihre auffälligen Brillen sind für Gsell kein Markenzeichen, sondern ein geliebtes Accessoire. Sie hofft, dass die Wertschätzung für das Friseurhandwerk weiter wächst. „Friseure leisten Großartiges und tun etwas Einzigartiges“, betont sie. Mit ihrer Leidenschaft und Kompetenz inspiriert sie nicht nur Kundinnen, sondern auch junge Auszubildende, von denen 19 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration