Brandenburg: Rechte Gewalt steigt stark - Täter werden immer jünger
Brandenburg: Rechte Gewalt steigt - Täter immer jünger

Brandenburg verzeichnet starken Anstieg rechter Gewalt

Die politisch motivierte Kriminalität in Brandenburg zeigt ein besorgniserregendes Bild: Während die Gesamtzahl der Straftaten zurückging, stieg die rechte Gewalt deutlich an. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 145 rechte Gewaltstraftaten – ein Anstieg um 28,3 Prozent gegenüber den 32 Fällen im Vorjahr. Diese Zahlen präsentierten Innenminister Jan Redmann (CDU) und Polizeipräsident Oliver Stepien am Donnerstag in Potsdam.

Jugendliche Täter im Fokus

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei jungen Tätern. Die Zahl der Beschuldigten unter 18 Jahren hat sich innerhalb von fünf Jahren verdreifacht – von 356 im Jahr 2021 auf 950 im Jahr 2025. Bei der Gewaltkriminalität stieg die Zahl jugendlicher Beschuldigter sogar von 10 auf 84. „Die politisch motivierte Kriminalität verändert ihr Gesicht“, sagte Polizeipräsident Stepien. „Sie wird jünger, digitaler und in Teilen gewaltbereiter.“ Gleichzeitig werde sie weniger durch feste Strukturen geprägt.

Internet als Radikalisierungsfaktor

Innenminister Redmann sieht das Internet als entscheidenden Faktor für die Radikalisierung junger Menschen. „Das Internet führt gerade bei jungen Menschen ohne gefestigtem Weltbild zu einer Radikalisierung“, erklärte er. Redmann forderte deshalb eine Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters auf 12 Jahre und ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren. „Wer Social Media nutze, könne den Eindruck bekommen, dass die Welt auch in der Realität so sei, wie sie von Extremisten dargestellt werde.“

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Zur besseren Bekämpfung der Straftaten im Netz forderte Redmann, die Möglichkeiten zur Gesichtserkennung im Internet und zur Anwendung von Quellen-TKÜ im Brandenburger Polizeigesetz festzuschreiben. „Wir müssen die Polizei in die Lage setzen, Straftaten mit Bezug zum Internet erfolgreicher zu verfolgen.“

Linke Gewalt geht zurück

Während die rechte Gewalt zunahm, sank die Zahl linker Gewaltstraftaten von 54 auf 34 Fälle. Insgesamt ging die politisch motivierte Kriminalität von 6.813 Fällen im Jahr 2024 auf 5.443 Fälle im vergangenen Jahr zurück. Redmann und Stepien führten diesen Rückgang darauf zurück, dass 2025 nur eine Bundestagswahl, aber keine Landtags-, Kommunal- und Europawahlen stattfanden. Dadurch entfielen viele Straftaten im Zusammenhang mit Wahlen, etwa die Zerstörung von Wahlplakaten.

Gewerkschaft warnt vor Kürzungen

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Anita Kirsten, warnte unterdessen vor Kürzungen bei Präventionsmaßnahmen. „Wenn immer mehr junge Menschen früher, brutaler und offener politisch motivierte Gewalt ausüben, muss das alle alarmieren“, sagte Kirsten. Die Mittel für den Landespräventionsrat seien von 450.000 Euro im Jahr 2024 auf 200.000 Euro in den Jahren 2025 und 2026 mehr als halbiert worden.

Besonders besorgniserregend sei die Situation an Schulen: Dort wurden 2025 insgesamt 472 politisch motivierte Straftaten registriert, darunter acht Gewalttaten. „Zugleich stellt der PMK-Bericht klar, dass zahlreiche Vorfälle – etwa in Klassenchats, auf Klassenfahrten oder durch tatverdächtige Kinder unter 14 Jahren – statistisch gar nicht erfasst werden“, sagte Kirsten. „Das Lagebild ist ernst: Schule ist längst nicht mehr nur Lernort, sondern zunehmend auch Konflikt‑, Radikalisierungs- und Tatort.“

Die Polizei reagiert auf die Entwicklungen mit verstärkten Präventionsmaßnahmen an Schulen. Doch angesichts der steigenden Zahlen und der immer jüngeren Täter bleibt die Herausforderung groß. Die Diskussion um wirksame Gegenmaßnahmen – von strengeren Internetregeln bis zu mehr Präventionsarbeit – wird Brandenburg weiter beschäftigen.

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