Schockmoment bei der 7. Brandenburgischen Rutschmeisterschaft
Ein unerwarteter Zwischenfall überschattete den Beginn der 7. Brandenburgischen Rutschmeisterschaft in der NaturTherme Templin. Kurz vor dem Start des Wettbewerbs entdeckten die Organisatoren einen Riss in der gelben Turborutsche, die traditionell für diese Veranstaltung genutzt wurde. Die Verantwortlichen sahen sich gezwungen, die beliebte Rutsche umgehend zu sperren, was zu einer spontanen Änderung der Wettkampfbedingungen führte.
Die schwarze Röhre als Notlösung mit historischer Bedeutung
Als Ersatz musste die schwarze Rutsche herhalten, die sich als wahre Herausforderung für die Teilnehmer erwies. Diese spezielle Röhre, bekannt für ihre hohe Geschwindigkeit und anspruchsvollen Kurven, verursachte bei vielen Wettkämpfern kleinere Verletzungen wie Hautabschürfungen, Beulen und blaue Flecken. Dennoch ließen sich weder die 43 angemeldeten Erwachsenen noch die teilnehmenden Kinder von diesen Schwierigkeiten abschrecken.
Die schwarze Rutsche erlebte damit ihren ersten und gleichzeitig letzten offiziellen Wettbewerbseinsatz, da sie – genau wie die beschädigte gelbe Rutsche – im Sommer abgebaut werden soll. „Ab August bauen wir komplett neue Rutschen ein, und nächstes Jahr starten wir mit einem frischen Konzept“, erklärte Thermenchef Markus Nengel, der selbst als Teilnehmer antrat.
Neue Rekorde unter besonderen Umständen
Mike Ryberg aus Berlin nutzte die ungewöhnliche Situation geschickt aus. Der junge Mann hatte zufällig am Dienstag vor dem Wettbewerb auf der schwarzen Röhre trainieren können, da die gelbe Bahn bereits repariert wurde. „Das war wie ein Sechser im Lotto“, gestand Ryberg. „Ich kannte die Kurven bereits und konnte diesen Vorteil optimal nutzen.“ Mit einer beeindruckenden Zeit von 13,89 Sekunden holte er sich nicht nur den Bahnrekord, sondern gewann auch die Kategorie der Profimänner.
Thermenchef Markus Nengel bezeichnete diesen Rekord als „historischen Moment für die Ewigkeit“, da die schwarze Rutsche nie wieder für einen Wettbewerb zur Verfügung stehen wird. Der 39-jährige Thermenleiter, der seit 2003 das Templiner Bad führt, nahm selbst erstmals als Teilnehmer an der Veranstaltung teil und belegte den elften Platz unter den Herren.
Technische Probleme und emotionale Höhepunkte
Neben dem Riss in der gelben Rutsche sorgten auch Probleme mit der Zeitmessung für zusätzliche Herausforderungen. Mehrere Teilnehmer, darunter auch Thermenchef Nengel, mussten ihre Läufe wiederholen, da die elektronische Zeitnahme nicht korrekt funktionierte. Die Organisatoren riefen immer wieder: „Und noch einmal, bitte!“, was für einige Lacher, aber auch für zusätzliche Anspannung sorgte.
Tom, ein 25-jähriger Berliner, überraschte sich und das Publikum mit einer hervorragenden Zeit von 14,36 Sekunden in der ersten Runde. „Ich habe in den letzten Wochen kaum trainiert“, gab der Titelverteidiger der vorjährigen Brandenburgischen Meisterschaft überrascht zu. Am Ende belegte er den vierten Platz, zeigte sich aber dennoch begeistert: „Es war ein absolut geiler Tag!“
Die Profis und ihre Techniken
Jörg Krüger, einer der Organisatoren des Wettbewerbs, zeigte sich nach seinem ersten Lauf mit 14,70 Sekunden zunächst unzufrieden. „Da geht noch deutlich mehr“, analysierte er selbstkritisch. In den folgenden Durchgängen verbesserte er sich kontinuierlich auf 14,40 und schließlich 14,16 Sekunden, womit er den dritten Platz erreichte.
Besondere Anerkennung verdiente Kevin Eickmann aus Hannover, der extra vier Stunden angereist war, um an der Meisterschaft teilzunehmen. Der 31-jährige Profi verriet das Geheimnis seiner Rutschtechnik: „Die Dreipunkttechnik ist entscheidend: Man rutscht auf Schultern und Ferse, hält den Po hoch, um Reibung zu vermeiden, und benötigt maximale Körperspannung. Der Start ist dabei das Wichtigste.“ Eickmann belegte mit Zeiten zwischen 14,60 und 15,04 Sekunden den siebten Platz.
Frauenpower auf der schwarzen Röhre
Sieben mutige Frauen stellten sich der Herausforderung der schwarzen Rutsche. Jeannette Hermann aus Ludwigshafen am Rhein dominierte die Damenkonkurrenz mit Zeiten von 16,60, 16,43 und 16,74 Sekunden. Die 30-jährige Karrierecoacherin reiste mit ihrem besten Freund Robin Jäger an und entdeckte, wie sie erzählte, eine völlig neue Leidenschaft im Wettrutschen.
Ausblick auf weitere Wettbewerbe
Organisator Jörg Krüger gab zum Abschluss bekannt, dass sich die ersten drei Platzierten aller Wertungsklassen für das große Finale Ende des Jahres in Lauterberg qualifiziert haben. Mike Ryberg, der Gesamtsieger, zeigte sich begeistert von der Location in Templin: „Ich komme zwar aus Berlin, aber diese Bahn hat einfach schön viel Speed. Hier werde ich definitiv weiter trainieren.“
Bereits am 2. Mai findet mit der 1. Rügener Rutschmeisterschaft in der AHOI Rügen Bade- und Erlebniswelt der nächste Wettbewerb dieser ungewöhnlichen Sportart statt. Die Templiner Veranstaltung bleibt jedoch als historisches Ereignis in Erinnerung – nicht nur wegen des Rekords, sondern vor allem wegen der unerwarteten technischen Probleme, die den Wettkampf zu einer echten Herausforderung machten.



