Trauer um getöteten Ayatollah in Berliner Moschee - Reporter bedroht
In der Imam-Riza-Moschee im multikulturellen Berliner Stadtteil Neukölln herrscht eine bedrückende Atmosphäre. Während im Fastenmonat Ramadan der Hof normalerweise leer ist, hängen am Schwarzen Brett gleich drei Traueranzeigen für den getöteten iranischen Ayatollah Chamenei. Der als „Revolutionsführer“ bezeichnete Geistliche wurde am Samstag durch einen israelischen Bombenangriff in Teheran getötet.
Traueranzeigen auf Deutsch und Türkisch
„Imam Hamenei erlitt in seinem Büro das Martyrium“, steht auf den Anzeigen in deutscher und türkischer Sprache. Die schiitische Imam-Riza-Moschee, die dem Iran nahesteht, wird hauptsächlich von schiitischen Türken besucht. Unter mehreren Trauerbildern findet sich der arabische Spruch: „Wahrlich, wir gehören Gott, und zu Ihm kehren wir zurück.“
Die Reaktionen auf Chameneis Tod könnten unterschiedlicher nicht sein: Während in Teheran Menschen auf den Straßen jubeln – der Ayatollah hatte in diesem Jahr Schätzungen zufolge Zehntausende Zivilisten ermorden lassen und Demonstranten für ein freies Iran als „Terroristen“ bezeichnet –, wird in Berlin-Neukölln um den umstrittenen Geistlichen getrauert.
Bedrohung gegen BILD-Reporter
Als ein BILD-Reporter sich erkundigte, was es mit der Trauer um Chamenei auf sich habe, wurde die Situation schnell angespannt. Eine Frau mit Kopftuch alarmierte den Hausmeister, der daraufhin telefonisch Verstärkung anforderte. Ein Mann warnte am Telefon: „Verlassen Sie schnell das Gelände, seien Sie besser nicht mehr da, wenn ich komme.“ Nach weiteren Nachfragen beruhigte er sich etwas und bat den Reporter, vor der Tür zu warten.
Nach etwa 20 Minuten traf der Mann, etwa 60 Jahre alt mit auffälligen Goldzähnen, mit einem kleinen Auto ein. „Ich möchte eigentlich nichts dazu sagen“, erklärte er zunächst, deutete dann aber an, dass Chamenei als Oberhaupt der Schiiten betrachtet werde und man deshalb für ihn bete.
Religiöser Kontext und Verbindungen
An der Wand der Moschee steht der schiitische Leitspruch: „Jeder Tag ist Aschura und jeder Ort ist Kerbala.“ Dieser bezieht sich auf das Jahr 680 n. Chr., als Husain ibn Ali, der Enkel des Propheten Muhammad, in der Schlacht von Kerbela getötet wurde.
Interessanter Hintergrund: Vor Gericht sagte kürzlich ein Zeuge aus, dass der sogenannte „Hammer-Folterer“ – ein iranischer Geschäftsmann, der gerade zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, weil er einen Geschäftspartner in Neukölln stundenlang mit einem Hammer gefoltert hatte – oft Boten mit großen Bargeldbeträgen in die Moschee geschickt haben soll. Dieses Geld sei mutmaßlich in den Iran geflossen.
Die Imam-Riza-Moschee liegt im Zentrum des multikulturellen Neuköllns und zeigt mit dieser kontroversen Trauerbekundung, wie internationale Konflikte auch in Berliner Stadtteilen sichtbar werden. Während im Iran viele den Tod Chameneis feiern, halten Anhänger in Deutschland an ihrer Verehrung für den umstrittenen Geistlichen fest.



