Ismaninger Schloss: Verborgenes Kleinod mit bewegter Geschichte vor Münchens Toren
Ismaninger Schloss: Verborgenes Kleinod vor München

Ismaninger Schloss: Verborgenes Kleinod mit bewegter Geschichte vor Münchens Toren

Während der Nymphenburger Schlosspark in München weltberühmt ist, bleibt die Ismaninger Schlossanlage ein Geheimtipp für Geschichtsinteressierte. Nur wenige Kilometer nördlich der Landeshauptstadt gelegen, bietet dieses historische Ensemble eine faszinierende Reise durch die Jahrhunderte – von der Renaissance bis zum Klassizismus.

Vom Fürstbischofssitz zum Rathaus: Die wechselvolle Nutzung

Das heutige Rathaus der Gemeinde Ismaning blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Ursprünglich im 16. Jahrhundert als Renaissance-Schloss für den Freisinger Bischof Philipp errichtet, diente es zunächst als Verwaltungsmittelpunkt der fürstbischöflichen Herrschaft. Im 18. Jahrhundert wurde dieses Gebäude abgerissen und durch einen Rokokobau ersetzt, der später im klassizistischen Stil umgestaltet wurde.

Eine besondere Ära begann 1816, als Eugène de Beauharnais, Stiefsohn Napoleons, das Anwesen erwarb. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Auguste Amalie von Leuchtenberg ließ er das Schloss durch Hofarchitekt Jean-Baptiste Métivier umgestalten. „Unter der Leuchtenbergzeit war das Schloss ihre private Sommerresidenz. Und diesen Charme hat das Schloss bis heute“, erklärt Christine Heinz, ehemalige Leiterin des Schlossmuseums.

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Prunksäle und historische Details

Aus dieser Zeit stammen die beiden erhaltenen Prunksäle:

  • Der Blaue Saal wird heute museal genutzt und bewahrt sogar das Originalparkett aus dem 19. Jahrhundert
  • Der Rote Saal dient regelmäßig als Veranstaltungsort für Schlosskonzerte

Beide Räume beeindrucken mit Wanddekorationen im Stil der pompeijanischen Malerei und originalen Möbeln aus den Jahren 1836 bis 1838.

Forschungsergebnisse in Buch und Ausstellung

Christine Heinz, die über 25 Jahre zur Geschichte der Schlossanlage forschte, hat ihre Erkenntnisse jetzt in einem umfassenden Werk zusammengefasst. Das 200-seitige Buch „Ismaning – so schön und so friedlich. Die Geschichte der Ismaninger Schlossanlage“ dokumentiert anhand von:

  1. Historischen Dokumenten und Bauakten
  2. Karten und Briefen aus verschiedenen Epochen
  3. Archivalien zur Schlossökonomie und Parkgestaltung

Parallel dazu zeigt das Schlossmuseum noch bis zum 12. April eine kostenlose Sonderausstellung mit demselben Titel. Die Schau verdeutlicht, wie eng die Schlossgeschichte mit der Region verwoben ist – vom Kauf der Herrschaft Ismaning durch das Hochstift Freising 1319 über die Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg bis zu den Erweiterungen durch Leo von Klenze.

Das Ensemble heute: Mehr als nur ein Rathaus

Nach mehreren Besitzerwechseln im 19. Jahrhundert erwarb die Gemeinde Ismaning das Schloss 1919. Seit Mitte der 1950er Jahre dient es ausschließlich als Rathaus. Das historische Ensemble umfasst jedoch weit mehr:

  • Das Schlossmuseum im ehemaligen Gärtnerhaus informiert über die Ortsgeschichte
  • Der idyllische Schlosspark lädt zum Spaziergang ein
  • Die Galerie im Schlosspavillon und das Kallmann-Museum in der ehemaligen Orangerie zeigen zeitgenössische Kunst
  • Ein Café im Museumsbereich bietet Besuchern einen Treffpunkt

Für Kunst- und Geschichtsinteressierte hat Museumsleiter Dietrich Maurer einen besonderen Tipp: Am 22. Februar sind die historischen Prunkräume im Rathaus von 13 bis 17 Uhr zur Besichtigung geöffnet.

Das Schlossmuseum ist dienstags bis samstags von 14.30 bis 17 Uhr sowie sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Montags und am Faschingsdienstag (17. Februar) bleibt es geschlossen. Das Buch von Christine Heinz ist für 28,50 Euro im Schlossmuseum und im Buchhandel erhältlich.

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