In Thüringen formiert sich Widerstand gegen die Pläne des Bildungsministeriums, ältere Lehrkräfte künftig länger unterrichten zu lassen. Rund 100 Pädagogen aus verschiedenen Regionen des Freistaats versammelten sich am Mittwoch vor dem Dienstsitz von Bildungsminister Christian Tischner (CDU) in Erfurt, um gegen die geplante Neuregelung zu demonstrieren. Die Protestaktion folgte einem Aufruf mehrerer Bildungsgewerkschaften.
Kritik an mangelnder Wertschätzung
„Wo bleibt die Wertschätzung für diejenigen, die dieses System über Jahrzehnte getragen haben?“, fragte eine 58 Jahre alte Grundschullehrerin, die an der Demonstration teilnahm. Sie betonte, dass die Schulen unter politischen Fehlentscheidungen vergangener Jahre litten. „Unsere Schulen leiden nicht daran, dass es zu viele ältere Kollegen gibt, die Altersabmeldung haben“, fügte sie hinzu. Die Lehrkräfte sehen die geplante Verschiebung der Altersermäßigung als einen weiteren Schritt, der die ohnehin hohe Belastung älterer Pädagogen noch verstärkt.
Was die Pläne des Ministeriums vorsehen
Der Unmut der Lehrer richtet sich gegen die Pläne von Minister Tischner, die Regelungen zur sogenannten Altersabminderung für ältere Lehrer in Thüringen zu ändern. Bislang müssen Lehrkräfte an staatlichen Schulen ab einem Alter von 55 Jahren zwei Schulstunden pro Woche weniger unterrichten als ihre jüngeren Kollegen. Ab dem Beginn des neuen Schuljahres im August 2026 soll diese Entlastung jedoch erst ab dem vollendeten 60. Lebensjahr greifen. Das Ministerium erhofft sich davon eine weitere Reduzierung der Zahl der ausfallenden Unterrichtsstunden, die in Thüringen seit Jahren ein großes Problem darstellt.
Der Thüringer Lehrerverband hatte die Pläne bereits im Vorfeld scharf kritisiert. „Wer Altersentlastung nach hinten verschiebt, spart kurzfristig Stunden ein – aber auf Kosten der Gesundheit und Belastbarkeit der Lehrkräfte“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Gewerkschaften befürchten, dass ältere Lehrer durch die Mehrbelastung vermehrt krankheitsbedingt ausfallen könnten, was den gewünschten Effekt der Stundeneinsparung zunichtemachen würde.
Staatssekretär zeigt Verständnis, bleibt aber hart
Dass das Ministerium von seinen Plänen abrückt, gilt trotz des Protests als unwahrscheinlich. Thüringens Bildungsstaatssekretär Bernd Uwe Althaus zeigte sich zwar gesprächsbereit, betonte aber gleichzeitig die Notwendigkeit der Maßnahme. „Dass Lehrkräfte für ihre Anliegen auf die Straße gehen, ist ihr gutes Recht – und wir nehmen die Sorgen, die dahinterstehen, ernst“, sagte Althaus. Dennoch müsse mehr getan werden, um den Unterrichtsausfall „noch weiter drastisch zu senken“. Das Maßnahmenpaket, zu dem auch die Neuregelung bei der Altersabminderung gehört, sei dafür „ein zentraler Baustein“.
Die Demonstranten kündigten an, den Widerstand gegen die Pläne fortzusetzen und weitere Aktionen zu planen, falls das Ministerium nicht einlenke. Die Diskussion um die Altersermäßigung dürfte damit in den kommenden Wochen ein zentrales Thema in der thüringischen Bildungspolitik bleiben.



