Siebenjähriger bewirbt sich als Spielplatzprüfer: 17 Euro Stundenlohn für Rutschen-Test
Für Micha (7) aus Sinsheim ist es ein echter Traumjob: Rutschen, schaukeln und klettern – und das ganz offiziell im Auftrag der Stadt. Der Zweitklässler hat sich tatsächlich als Spielplatzprüfer bei der Stadtverwaltung Sinsheim in Baden-Württemberg beworben. Mit einem vollständigen Bewerbungspaket, bestehend aus Anschreiben, Lebenslauf und klaren Gehaltsvorstellungen, überzeugte er die Verantwortlichen.
Stellenausschreibung im Stadtanzeiger weckt Interesse
Im Stadtanzeiger entdeckte Micha die Stellenausschreibung für Spielplatzprüfer. Für ihn stand sofort fest: Das ist sein Job! In seiner Bewerbung argumentierte er überzeugend: „Spielplätze müssen nicht nur sicher sein, sondern auch richtig gut getestet werden.“ Die Stadtverwaltung Sinsheim zeigte sich beeindruckt von der Initiative des Jungen.
Micha hatte bereits konkrete Vorstellungen von seinem Arbeitsalltag: „Ich kriege gesagt, welchen Spielplatz ich prüfen muss. Und dann gehe ich hin, teste alles, fotografiere davor und danach und schreibe alles auf“, erklärte er laut Stadtsprecherin Melanie Wricke. Besonders selbstbewusst präsentierte er seine Gehaltsvorstellung: Mit Unterstützung seines Vaters forderte er einen Stundenlohn von 17 oder 18 Euro für das Testen von Rutschen, Schaukeln und Klettergeräten.
Vorstellungsgespräch und Praxistag im Rathaus
Die Stadt reagierte prompt auf die ungewöhnliche Bewerbung und lud den Nachwuchs-Experten zum Vorstellungsgespräch ins Rathaus ein. Oberbürgermeister Marco Siesing persönlich empfing den Jungen und ermöglichte ihm einen Ein-Tages-Job als Spielplatzprüfer. „Wenn jemand in diesem Alter Interesse an Stadtjobs zeigt, unterstützen wir das gerne“, betonte Siesing.
Nach dem Gespräch ging es direkt zur praktischen Arbeit. Im städtischen Auto – natürlich mit Sitzerhöhung – fuhr Micha zur „alla hopp!“-Anlage. Ausgestattet mit leuchtend gelber Matschhose, Gummistiefeln und Warnweste zeigte er, was er draufhat. Gemeinsam mit zwei professionellen Prüfern, Jochen Kaiser und Tim Schuchmann, nahm er Kletterseile, Balancierstrecken, Schaukeln, Trampoline und Rutschen genau unter die Lupe.
Professionelle Prüfmethoden und klare Kriterien
Konzentriert bei der Sache testete Micha ein Klettergerüst und überprüfte, ob Schrauben fest sitzen und Holzbalken beschädigt sind. Für ihn ist klar, was einen perfekten Spielplatz ausmacht: „Viele Geräte.“ Die 76 Spielplätze in Sinsheim hat er laut seinem Vater „ziemlich alle durch“.
Micha ist überzeugt, dass Kinder die besseren Prüfer sind: „Die wissen ja gar nicht, was wirklich Spaß macht“, sagte er dem SWR – und meinte damit die Erwachsenen. Seine kindliche Perspektive bringt wertvolle Einsichten für die Spielplatzgestaltung.
Doch vorerst heißt es für den engagierten Nachwuchs-Prüfer wieder: Schulbank drücken. Am Montag geht es zurück ins Klassenzimmer. Die Erfahrung als Spielplatzprüfer wird Micha jedoch sicherlich in guter Erinnerung bleiben – und vielleicht inspiriert sein Beispiel andere Kinder, sich für kommunale Aufgaben zu interessieren.



