CDU-Parteitag in Stuttgart: Merz erhält starken Rückhalt aus Baden-Württemberg
Die Spannung war im Vorfeld des CDU-Bundesparteitags in Stuttgart deutlich spürbar. Würde Friedrich Merz eine deutliche Bestätigung erhalten? Wie würde sich die Partei zu den anstehenden Reformfragen positionieren? Die Veranstaltung in der baden-württembergischen Landeshauptstadt brachte klare Signale, aber auch offene Fragen.
Überwältigende Wiederwahl für Merz trotz technischer Hürden
Bundeskanzler Friedrich Merz wurde mit einem beeindruckenden Ergebnis von 91,17 Prozent der Stimmen als CDU-Bundesvorsitzender wiedergewählt. Die Wahl gestaltete sich aufgrund technischer Probleme unerwartet kompliziert – letztlich musste analog mit Stimmzetteln abgestimmt werden, was an frühere Wahlverfahren erinnerte. Dieses Ergebnis übertrifft sogar Merz' vorherige Bestätigung im Jahr 2024, als er knapp 90 Prozent der Stimmen erhalten hatte.
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel war als Ehrengast angereist, verließ den Parteitag jedoch vor der entscheidenden Wahl. „Alles hat seine Zeit. Das ist das, was ich gedacht habe, als ich sie gesehen habe“, kommentierte Raimund Haser, Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Wangen im Allgäu, Merkels Auftritt.
Baden-württembergische CDU sieht Merkels Besuch als Unterstützung
Für die Ulmer Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer stellt Merkels Präsenz eine deutliche Unterstützung für den Kurs von Friedrich Merz dar. Sie beschreibt diesen Weg als Fokus auf Handlungsfähigkeit statt endloser Kursdebatten, mit den Schwerpunkten Transformation, Wettbewerbsstärkung und einem finanzierbaren Sozialstaat.
Aus baden-württembergischer Perspektive kommt ein weiteres Ziel hinzu: der Gewinn der anstehenden Landtagswahl. Spitzenkandidat Manuel Hagel, der in Stuttgart prominent in Szene gesetzt wurde, will den amtierenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann von den Grünen ablösen.
Reformdebatten bleiben kontrovers
Die vergangenen Wochen waren für die CDU keineswegs geräuschlos verlaufen. Zu den komplexen weltpolitischen Herausforderungen und der anhaltenden wirtschaftlichen Flaute kamen interne Kontroversen hinzu:
- Debatten über Teilzeitansprüche und Fehlzeitenregelungen
- Diskussionen über den richtigen Kurs in der Koalition mit der SPD
- Forderungen nach konkreten Sozialstaatsreformen von der Jungen Union
Die Junge Union scheiterte zwar mit ihrem Versuch, die CDU auf konkrete Reformen in den Bereichen Rente, Krankenversicherung und Pflege zu verpflichten, wird jedoch weiter Druck ausüben.
Merz' außenpolitische Rede findet breite Zustimmung
Die Rede des Bundeskanzlers, die erneut einen Schwerpunkt auf Außenpolitik legte, wurde mit mehr als zehn Minuten Applaus gefeiert. „Das war eine starke Rede von Friedrich Merz. Er hat sehr klar die Notwendigkeit von Reformen beschrieben“, sagte der Konstanzer Bundestagsabgeordnete Andreas Jung, der selbst mit 77,38 Prozent als stellvertretender Bundesvorsitzender wiedergewählt wurde.
Axel Müller, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Ravensburg, lobte insbesondere das staatsmännische Auftreten des CDU-Vorsitzenden: „Merz ist nicht gekommen, um über andere zu witzeln, sondern um in einer ernsten Zeit eine ernste Rede über große Herausforderungen zu halten.“
Söder als kontrastreicher Abschluss
Als kontrastierendes Element zum ernsten Ton Merz' lieferte der bayerische Ministerprräsident Markus Söder den Abschluss des Parteitags. Der CSU-Chef, der scherzhaft von der „kleinen, bescheidenen Schwester“ sprach, sicherte Merz seine volle Unterstützung zu: „Du kannst Dich auf uns verlassen. Wir unterstützen Dich als Kanzler, gerne auch länger, wenn Du willst.“
Ausblick: Wahlkampf und internationale Verpflichtungen
Nach dem Parteitag konzentriert sich die baden-württembergische CDU voll auf den Landtagswahlkampf. Bundeskanzler Merz bleibt indes als „Außenkanzler“ unterwegs – eine Bezeichnung, die er mittlerweile als Kompliment empfindet. Seine nächste Reise führt ihn bereits am Dienstag nach China.
In der Koalition mit der SPD könnte ein gemeinsames Vorhaben zum Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige vorangetrieben werden, wobei die CSU bereits Widerstand angekündigt hat.
Suche nach Zustimmung in der politischen Mitte
Merz betonte die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner: „Das ist für die SPD nicht leicht, aber auch nicht für uns.“ Besonders bedeutsam war seine Aussage, die Zustimmung zur Politik ausschließlich in der politischen Mitte zu suchen, auch wenn dies die Koalitionsoptionen verenge.
Axel Müller sieht darin eine Kontinuität zu Merkels politischem Erbe: „Sie habe in all den Jahren ihrer Amtszeit den Wert des Kompromisses betont, weil er eine Grundlage politischer Handlungsfähigkeit sei. Es ist heute eine andere Zeit, mit anderen Herausforderungen und Gesichtern – aber diese Haltung, dass Politik vom Kompromiss lebt und Mehrheiten in der Mitte gesucht werden müssen, bleibt stilprägend.“



