Wandern in den Bergen – plötzlich steht ein Rind auf dem Weg. Was wie der Anfang eines Witzes klingt, ist in den Alpen eine ernste Angelegenheit. Viele Wanderwege führen über Almen, wo Rinder weiden. Diese Tiere sind keine Kulisse, sondern Lebewesen, die Respekt verdienen. Wer das ignoriert, bringt sich in Gefahr.
Wo trifft man auf Tiere?
Rinder grasen oft in leicht zugänglichen Gegenden, an denen auch Wanderwege entlangführen. Judith Haaser von der Landwirtschaftskammer Tirol erklärt: „Almen sind primär Weidegebiete, daher ist es wahrscheinlich, dort auf Vieh zu treffen.“ Allein in Tirol werden rund 110.000 Rinder, 68.000 Schafe, 3.000 Pferde und 6.000 Ziegen gealpt. Der Almauftrieb erfolgt je nach Region zwischen Anfang Mai und Ende Juni, häufig um Pfingsten.
Wie hoch ist das Risiko?
Obwohl Unfälle selten sind, haben Kühe in der Vergangenheit Wanderer angegriffen und schwer oder tödlich verletzt. 2024 wurde eine Wanderin im Salzburger Land von einer Herde niedergetrampelt. Solche Fälle zeigen die Wucht der Tiere. Haaser betont: „Jeder Unfall ist einer zu viel. Doch angesichts der vielen Tiere und Menschen auf den Almen ist die Zahl der Zwischenfälle glücklicherweise sehr gering.“ Leider fehle oft der Respekt vor Rindern. In sozialen Medien seien Bilder von Kindern auf Kühen zu sehen – eine Alm sei aber kein Streichelzoo. Wanderer sollten sich an Regeln halten, die auf Schildern und Flyern erklärt werden.
Verhaltensregeln für Wanderer
„Wichtig ist, Tiere nicht zu provozieren, nicht zu streicheln und generell Abstand zu halten“, sagt Haaser. Rinder sind meist friedlich. Wer ruhig und ohne hektische Bewegungen auf markierten Wegen geht, macht laut Deutschem Alpenverein alles richtig. Steht ein Rind im Weg, sollte man einen Bogen machen. Wichtig: die Tiere nicht erschrecken, da sie schreckhaft sind, und sie nicht mit den Augen fixieren.
Vorsicht bei Mutterkühen
Besondere Vorsicht gilt bei Kühen mit Kälbern. Mutterkühe haben einen starken Schutzinstinkt. Das Portal sichere-almen.at rät: nicht stören, nicht streicheln. Besonders mit Hunden ist Vorsicht geboten, da Mutterkühe Hunde oft als Bedrohung wahrnehmen. Wer mit Hund wandert, sollte Kuhweiden meiden. Ist ein Queren nötig, den Hund an der kurzen Leine führen. Bei einem Angriff die Leine sofort loslassen.
Warnzeichen erkennen
Wirken Kühe unruhig, sollte man die Weidefläche zügig verlassen. Der Deutsche Alpenverein erklärt, dass man bereits von Weitem erkennen kann, ob Kühe aggressiv sind. Typische Drohgebärden sind: Kopf senken, Scharren, Brüllen oder Schnauben. Nähert sich eine Kuh, gilt: ruhig bleiben, nicht den Rücken zukehren, ausweichen. Im äußersten Notfall kann man der Kuh auf die Nase schlagen, zum Beispiel mit einem Wanderstock.
Andere Tiere
Julian Rohn vom Deutschen Alpenverein berichtet, dass man auf Bergwanderungen hauptsächlich Rindern begegnet, seltener Ziegen oder Schafen. Die Verhaltensregeln sind für alle Tiere gleich: Abstand halten und das Weidegebiet ruhig und zügig durchqueren.



