Düstere Bilanz zum Saisonende: 135 Lawinentote in Europa
Mit dem Ende der Skisaison nach dem Osterwochenende ziehen die europäischen Lawinenwarndienste eine alarmierende Bilanz. In den Alpen und anderen europäischen Gebirgen kamen seit Oktober mindestens 135 Menschen durch Lawinen ums Leben – die höchste Zahl seit Jahren. Diese tragische Statistik markiert einen deutlichen Anstieg gegenüber dem vorherigen Winter 2024/25, in dem 70 Todesopfer zu beklagen waren.
Italien besonders betroffen – Bayern verliert fünf Bergsteiger
Besonders schwer traf es Italien mit insgesamt 38 Lawinentoten, wobei Südtirol als beliebtes Ziel deutscher Alpinsportler im Fokus steht. Das schlimmste Einzelunglück ereignete sich Anfang November am 3.545 Meter hohen Vertainspitze im Ortler-Gebirge, wo fünf bayerische Bergsteiger von Schneemassen mitgerissen und getötet wurden. Die europäische Statistik des European Avalanche Warning Service (EAWS) verzeichnet zudem 31 Tote in Frankreich, 30 in Österreich und 15 in der Schweiz. In deutschen Gebirgen gab es glücklicherweise keine Todesfälle.
Klimawandel verändert Schneestrukturen und erhöht Risiken
Experten identifizieren den Klimawandel als einen wesentlichen Faktor für die gestiegene Zahl der Lawinentoten. Höhere Temperaturen verändern die traditionellen saisonalen Rhythmen, was zu weniger festem Schnee und schlechterer Verbindung zwischen Altschnee und Neuschnee führt. Zusätzlich begünstigen stärkere Winde die Bildung gefährlichen Treibschnees, der sich besonders an Steilhängen ansammelt. Diese veränderten Bedingungen stellen selbst erfahrene Alpinisten vor neue Herausforderungen.
Beliebtheit von Skitouren außerhalb der Pisten als zusätzlicher Faktor
Ein weiterer Grund für die hohe Opferzahl ist die zunehmende Beliebtheit von Skitouren und Abfahrten abseits präparierter Pisten. Unter den diesjährigen Lawinentoten befanden sich ungewöhnlich viele Tourengeher, die in hochalpinem Gelände unterwegs waren. Die Lawinenwarndienste mahnen daher zu größter Vorsicht, insbesondere an Steilhängen, wo die Gefahr von Schneerutschen besonders hoch ist.
Osterunglücke und lebensrettende Ausrüstung
Auch zum Saisonende kam es noch zu mehreren Unglücken. An der 3.059 Meter hohen Grabspitze in Südtirol wurde ein 37-jähriger Tourengeher von einer Lawine erfasst und eineinhalb Meter tief verschüttet. Dank seines Ortungssenders konnte er relativ schnell geborgen werden, musste jedoch in kritischem Zustand ins Krankenhaus geflogen werden. Bergwacht, Alpenvereine und andere Experten empfehlen dringend, bei Touren in hochalpinem Gelände stets Schaufel, Sonde und ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) mitzuführen.
Diese Ausrüstung kann lebensrettend sein, da die meisten Verschütteten unmittelbar nach dem Lawinenstillstand noch am Leben sind. Die Rettungszeit ist entscheidend: Innerhalb der ersten 15 Minuten können etwa 90 Prozent der Verschütteten lebend geborgen werden, danach sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit rapide. Mit dem offiziellen Saisonende in vielen Skigebieten bleibt das Skifahren in höheren Lagen und auf Gletschern oft bis Anfang Mai möglich, wobei einige Gletschergebiete sogar Sommerabfahrten anbieten.



