Der Prozess zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt geht in die entscheidende Phase. Am 34. Verhandlungstag vor dem Landgericht Magdeburg wurden zahlreiche Beweisanträge gestellt – darunter auch solche, die der Angeklagte selbst über Stunden hinweg vortrug.
Nebenklage und Verteidigung stellen Anträge
Die Anwälte der Nebenklage beantragten zunächst, mehrere aktuelle ärztliche Berichte und Behandlungsdokumente der Opfer zu verlesen, um die erlittenen Verletzungen und Traumata zu verdeutlichen. Die Verteidigung hingegen forderte unter anderem die Einbeziehung des Abschlussberichts des Landtags-Untersuchungsausschusses, der sich mit Sicherheitsmängeln auf dem Weihnachtsmarkt befasst hatte. Zudem stellten sie Anträge zum Tatfahrzeug.
Angeklagter liest viereinhalb Stunden lang
Der Angeklagte hatte für den Verhandlungstag umfangreiche, handschriftliche Beweisanträge vorbereitet. Diese trug er über einen Zeitraum von rund viereinhalb Stunden vor. Die Ausführungen waren teils ungewöhnlich lang und schweiften inhaltlich weit ab. Sie bezogen sich auf religiöse, politische und historische Zusammenhänge, angebliche Korruption, seine Auseinandersetzungen mit einer Flüchtlingshilfsorganisation sowie wiederholte Vorwürfe gegen Polizei und Staatsanwaltschaft. Auch seine medizinische Versorgung in der Haft kritisierte er scharf.
Der Angeklagte beantragte die Vernehmung zahlreicher Zeugen, darunter Ärzte, Rechtsanwälte und Politiker, sowie die Einholung von Sachverständigengutachten.
Gericht berät über Anträge
Das Gericht muss nun über die eingereichten Beweisanträge beraten und entscheiden. Die Fortsetzung der Verhandlung ist für Donnerstag geplant. Sollte keinem der Anträge stattgegeben werden müssen, könnte die Generalstaatsanwaltschaft möglicherweise bereits mit ihrem Plädoyer beginnen.
Plädoyers werden voraussichtlich mehrere Tage dauern
Die vollständigen Plädoyers werden schätzungsweise mehrere Tage in Anspruch nehmen. Dabei wollen auch mehrere Überlebende des Anschlags zu Wort kommen. In dem Verfahren gibt es mehr als 200 Nebenkläger, von denen jedoch nur wenige im Verhandlungssaal anwesend sind. Seit dem 10. November 2025 verhandelt das Landgericht in einem eigens errichteten Interimsgebäude unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gegen den Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt.
Hintergrund des Anschlags
Am 20. Dezember 2024 war der damals 50-jährige Taleb Al-Abdulmohsen mit einem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Fahrzeug etwa 350 Meter über den Weihnachtsmarkt gerast. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge kamen ums Leben. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Die Generalstaatsanwaltschaft hat den aus Saudi-Arabien stammenden Psychiater unter anderem wegen vollendeten Mordes in sechs Fällen und versuchten Mordes in 338 weiteren Fällen angeklagt.



